Buchtipp: „nachts“ von Mercedes Lauenstein

vor 2 Jahren

Fräulein

In Mercedes Lauensteins Debütroman zieht eine namenlose Erzählerin durchs nächtliche München und erhält Einlass in das Leben von Fremden.

Die Münchner Journalistin Mercedes Lauenstein ist bisher vor allem durch ihre kurzweiligen und Klugen Zeitgeistreportagen für das jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung aufgefallen. In ihrem Debütroman „nachts“, erschienen im Aufbau Verlag, schickt sie eine namenlose Erzählerin scheinbar ziellos durch das nächtliche München. Dort hält sie Ausschau nach den letzten hell erleuchteten Fenstern und begehrt um Einlass in die fremde Welt der Bewohner. Zum Beispiel: Adele, Ende Dreissig, muss durch ihren Neugeborenen Castor ihr in die Länge gezogenes Partyleben hinter sich lassen. Oder: Maria besucht ihren Sohn, von dem sie sich längst entfremdet hat. Alle suchen sie nach Halt in einer Welt, deren Signifikanten unscharf geworden sind, deren nächtliche Stille die Gespenster der Vergangenheit noch einmal aufscheinen und das eigene Leben der Vergänglichkeit anheim fallen lässt. Lauensteins Roman, eigentlich eine Sammlung von 25 Kurz- und Kürzest-geschichten, ist weder formal noch inhaltlich neu – aber eine stille und genaue Beobachtung menschlicher Regungen in Zeiten zunehmender Vereinzelung. Lesenswert.

„nachts“ von Mercedes Lauenstein, erschienen im Aufbau Verlag. Ab 21.8. im Handel.

Startbild: Felipe Garcia

Portrait: Juri Gottschall

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