Das trage ich für die Ewigkeit: Jane Kønig

vor 6 Monaten

Man sagt, wir müssten auf Technik verzichten können. So sollte das Smartphone eigentlich nicht unser Leben bestimmen oder uns sogar das Gefühl geben, wir könnten nicht ohne die Funktionen und Möglichkeiten leben. Denn sonst würde uns doch das reale Leben entgehen.

Die dänische Schmuckdesignerin Jane Kønig sieht das ein wenig anders. Wenn sie etwas aus dieser Welt mit in die Ewigkeit nehmen könnte, dann wäre es ihr Smartphone. Warum? Für die 57-Jährige ganz klar: Sie möchte ihre Lieben anrufen können. Denn auf ebenjene Menschen möchte und kann die Dänin nicht verzichten– auch nicht nach dem Tod.

Welche Bedeutung spielt die Ewigkeit in deinem Leben?
Jane Kønig:
Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Dennoch bin ich der Meinung, dass ich einen Teil von mir an meinen Sohn und gute Freunde weitergebe und dadurch immer etwas von mir auf dieser Welt bleibt. Genauso leben meine Eltern oder andere verstorbene Menschen durch mich weiter. In meinem Sohn sehe ich einen Menschen, der ähnlich wie ich denkt und fühlt. Man ist nicht nur über das Blut miteinander verbunden, sondern durch gemeinsame Erinnerungen.

Ein altes Ritual besagt, dass man Schmuck mit ins Grab legen soll, um den Reichtum des Verstorbenen zu zeigen.
Das finde ich toll! Für die Angehörigen ist es eine gute Art, die Trauer zu bewältigen. Es ist auch eine schöne Vorstellung, dass Schmuck den Tod überleben kann. Ich habe mal einen wirklich hässlichen Ring von meiner Großmutter bekommen. Sie hat aus den Milchzähnen meiner Mutter eine Blume gemacht. Ich trage den Ring zwar nicht, aber es ist eine tolle und sehr persönliche Erinnerung an die Vergangenheit.

Wer hat dein Leben so sehr bereichert, dass du diesen Menschen nach dem Tod wiedertreffen möchtest?
Ich erinnere mich an eine alte Frau, mit der ich aufgewachsen bin. Sie hat mit ihrem Mann unter unserer Wohnung gelebt und ich hatte das Gefühl, dass die beiden einfach immer da waren. Als ich 12 Jahre alt war, starb die Frau. Doch ich habe noch immer die Erinnerung an sie und ihr Grab im Kopf. Es macht mich traurig, an sie zu denken. Am liebsten würde ich ihr zeigen, was für ein schönes Leben ich jetzt habe.

Viele glauben an das Licht, wenn sie sterben.
Ich hoffe sehr, dass es dieses Licht wirklich gibt. Wenn ich sterbe, möchte ich keine Angst haben, dem Tod entgegen zu gehen. Langsam mache ich mir mehr Gedanken um dieses Thema, weil es näher rückt. Ich denke nicht, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Bevor ich geboren wurde, war ja auch nichts. Ich hatte ein gutes Leben mit vielen tollen Menschen. Wenn man glücklich darüber ist, wie man seine Zeit genutzt hat, kann nichts Schlimmes passieren.

Das klingt nach einer sehr reifen Auseinandersetzung mit der Ewigkeit.
Nun ja. So ist es doch eben. Es gibt nur einen Weg raus, den man früher oder später gehen muss. Viele andere Menschen haben es vor dir geschafft und wenn sie das können, dann schaffst du es auch. Ich kenne eine alte Frau, deren ganzen Freunde schon verstorben sind und auch ihr Sohn wohnt in einem anderen Land. Das muss schrecklich sein. Ich habe viel mehr Angst ohne meine Liebsten leben zu müssen, als selbst zu sterben.

Ist der Schmuck für dich ein Ausdrucksmedium für die Ewigkeit?
Meine Mutter und Großmutter hatten eine Box voller Schmuck. Als Kind war das ein heiliger Ort für mich. Dabei geht es nicht um den Wert, sondern um die die Erinnerung. Auch bei meinem eigenen Schmuck finde ich es toll, wenn er für die Menschen eine Bedeutung hat. Wenn zum Beispiel eine Mutter die Love Tag Kette für ihr Kind kauft, steckt es voller Liebe.

Wenn du einen Gegenstand aus deinem Leben mit in die Ewigkeit nehmen könntest, welcher wäre das?
Mein Smartphone! (lacht) Ich bin keine dieser Frauen, die einen Gegenstand immer bei sich tragen muss. Für mich sind mein Sohn und meine Freunde das Wichtigste in meinem Leben, also würde ich mein Handy mit in den Tod nehmen, damit ich auch dann noch Kontakt zu ihnen haben kann. Es ist schrecklich für mich, daran zu denken, dass ich sie nach dem Tod nie wiedersehen werde.

Interview: Louisa Markus
Foto: PR

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