Einhornhaar und Speckröllchen

vor 2 Jahren

Zwischen Tiroler Gebirgsgipfeln und Tälern wandert Alexis Felten, gern auch mal nur in Unterwäsche. Und setzt damit Zeichen für ein positives Körpergefühl.

Der Bauch muss straff sein, die Taille möglichst schmal, Thigh Gaps sind ein riesiger Trend. Und dazwischen taucht Alexis Felten auf. Sie wendet sich gegen die Idealisierung und Sexualisierung des weiblichen Körpers, ein Phänomen, das sich durch  die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co. noch verstärkt hat und für viele junge Frauen zunehmend belastend wird. Denn der ständige Vergleich des eigenen Körpers mit denen von durchtrainierten, braun gebrannten, langbeinigen Schönheiten mit Haut so glatt und enthaart wie die von Babys, strengt an.

Felten reichte es irgendwann. Die gebürtige Tirolerin gründete als Gegenprogramm die Teenslut Girlgang, einen Instagram Account, der echte Körper mit Dehnungsstreifen, Speckröllchen und Zellulite ästhetisch in Szene setzt. Teenslut Girlgang stellt so provokant wie schlau die Frage, warum es okay ist, wenn perfekte Frauen freizügige Bilder posten, nicht aber, wenn sie ihre vermeintlichen Makel ausstellen. Wie wichtig das ist zeigen die zahlreichen Hater, die ihre Instagrams kommentieren. Darunter auch viele Frauen.

Every time i #work with Julia i end up with at least one new #favorite piece of #clothing. The #shirt is too #cute 🌸

Ein von TEEN SLUT (@teenslut_girlgang) gepostetes Foto am

Sie selber habe ihren Körper auch erst seit einiger Zeit so akzeptiert wie er ist, sagt Felten. Jetzt möchte sie andere inspirieren, ohne sich dabei selbst zu wichtig zu nehmen. Wird ihr vorgeworfen, dass auch ihr Instagram der reinen Selbstinszenierung dient, kontert sie mit Gelassenheit.   Natürlich hat sie das Rad mit Teenslut Girlgang nicht neu erfunden. Natürlich ist auch sie nicht frei vom Anspruch, sich selbst auf den Fotos die sie veröffentlicht, zu gefallen. Und natürlich spielt dabei auch eine Rolle, wie andere reagieren. Doch der Maßstab, den sie damit setzt, ist ein ganz anderer, als der von den Supermodels, die mit Millionen Instagram Followern eine Schönheitsideal prägen, das unrealistischer nicht sein könnte. Also: Selbst wenn es auch nur eine Inszenierung ist, selbst wenn es nur der Selbstdarstellung dient. Selbst wenn auch hier das Prinzip Sex Sells bedient wird: Wenigstens mit einem Körperideal, das die Wirklichkeit nicht verzerrt.

How to never ever find a boy/#boyfriend ever again: be a #confident strong woman who is in peace with her body and aint afraid to show it. Trust me. It scares off 100% of the guys. (Exept the gross pervs who send me dick pics). It’s such a #shizophrenic society we live in, it’s starting to frustrate/ upset me a lot. We are surrounded by hot pictures of girls everyday, its super normal and you guys/girls enjoy it. But as soon as i do it as a „real“person, it’s not so okay anymore? I have to listen to things like „omg what does your bf think about this“ or „woah don’t you have any respect for yourself“ or“ i wouldnt want my girl to post pics like this online“. Thats so two sided! You look at hot girls online and its super fine, but your girlfriend is not allowed to do so? Since a year i have learned to accept my body 100% for the first time ever, i feel beautiful despite my little imperfections, and i enjoy to share this with the world and even hope to inspire a little bit. So it upsets me a lot that this seems to be a super no-go for boys, boys seem to be scared off, intimidated or idk what, please tell me ?! Ein von TEEN SLUT (@teenslut_girlgang) gepostetes Foto am

Wer also eine wohltuende Abwechslung in seinem Instagram Newsfeed haben möchte, der sollte Teenslut Girlgang abonnieren. Zwischen all den dünnen Models, Schönheitsidealen und Werbung, die mittlerweile auch Instagram durchflutet tauchen dann nämlich regelmäßig Bilder auf, die das Gegenteil zeigen. Berggipfel, wenn die Mädels mal wieder wandern waren. Strandbilder, die nicht inszeniert wirken, viel Haut, die nicht perfekt ist und Alexis rosa Einhornhaar.

Wenn man durch ihre Bilder scrollt, bekommt man keine Magenschmerzen, es beschleicht einen nicht insgeheim das schlechte Gewissen, weil man keinen Sport gemacht hat. Den einzigen Neid, den man eventuell verspürt ist, nicht selbst solche Berggipfel vor der Haustüre zu haben, die darauf warten erklommen zu werden.

Text: Laura Greiff
Screenshot: Teenslut Girlgang

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