Filmtipp: Die Göttliche Ordnung

vor 2 Wochen

Ein Film über Feminismus und die Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz.

Als eines der letzten europäischen Länder führte die Schweiz erst im Jahr 1971 das Frauenwahlrecht ein. Der Film Die Göttliche Ordnung beschäftigt sich mit dem Kampf der jungen Hausfrau Nora für ebenjenes Wahlrecht, bei dem sie sich nicht nur gegen Fremde, sondern auch ihren eigenen Ehemann durchsetzen muss. Die Regisseurin des Films, Petra Volpe, sprach mit Fräulein über die Idee hinter des Filmes, sowie über die Veränderung in der Schweizer Gesellschaft heutzutage.

Fräulein: Was hat Sie auf die Idee für den Film gebracht?
Petra Volpe: Ich habe schon einige Filme gemacht in denen es um Frauen geht die sich befreien. Die Gleichberechtigung beschäftigt mich seit frühster Jugend. Als dann mein Produzent Reto Schärli, mit dem ich sehr eng zusammenarbeite, eines Tages vor 5 Jahren sagte, man müsste eigentlich einmal einen Film über das Schweizer Frauenstimmrecht machen, fiel das bei mir sofort auf fruchtbaren Boden.

Sie waren nicht direkt von dem Gesetz betroffen, aber wahrscheinlich ihre Mutter oder Großmutter. Inwiefern konnten Sie deren Erfahrungen mit in das Drehbuch einfließen lassen?
Sowohl meine Mutter als auch meine italienische Großmutter haben mir ihren Rollen als Hausfrauen und Mütter gerungen. Da gab es eine Unzufriedenheit. Meine Mutter hat mir früh eingebläut bloß nicht zu früh zu heiraten und Kinder zu kriegen – das war das Mantra meiner Kindheit. Aber auch andere Frauen im Umfeld meiner Eltern hatten es sehr schwer – zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die ständig darum kämpfen musste, dass man ihr das Kind nicht weg nimmt. Ich hab einfach gemerkt, das ist etwas im Argen für die Frauen und ich fand es schon immer sehr ungerecht. All das ist sicher ins Drehbuch eingeflossen.

Im Film hat die Hauptfigur Nora gegen viele Gegner zu kämpfen, die nicht alle nur Männer sind. Warum, denken Sie, dass auch Frauen gegen eine Gesetzesänderung waren?
Ein Hauptgrund war, dass es sich um gebildete Bürgersfrauen handelte, die materiell und gesellschaftlich sehr gut gestellt waren. Sie nahmen schon Teil an der Macht und wollten diese auch nicht teilen. Das Patriarchat ist ein System, dass im Grunde nichts mit dem biologischen Geschlecht einer Person zu tun haben muss. Deswegen ist das auch heute noch ein Phänomen, dass nicht alle Frauen den Feminismus unterstützen.

Stehen sich Frauen auch manchmal selber im Weg?
Alle die, die nicht für eine gleichberechtigte Gesellschaft sind und sich dafür einsetzen, stehen sich im Weg. Die Gleichberechtigung nützt den Männern ebenso – auch sie sind gefangen in ihren Rollen. All diese Ideen darüber was eine Frau und was ein Mann zu sein hat, macht uns viel kleiner und beschränkter als wir eigentlich als Menschen sein könnten.

Nun dürfen Frauen in der Schweiz seit rund 46 Jahren wählen eine unvorstellbar kurze Zeit. Inwiefern hat sich das Land verändert und wie ist die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft?
Natürlich hat sich enorm viel verändert. Zum Beispiel das Ehegesetz, das im Film eine grosse Rolle spielt wurde in der Schweiz 1990 endlich geändert. Aber wir sind ganz entschieden noch nicht annähernd soweit, dass man von einer gleichberechtigten Gesellschaft sprechen kann. Es gibt immer noch den Lohnunterschied. Ausserdem sind zu wenig Frauen in den Parlamenten, den Chefetagen und vor- und hinter der Kamera. Und wenn sie vor der Kamera sind, dann sind ihre Rollen leider oft die abgelutschtesten Klischees und dies wiederum sind denkbar schlechte Rollenvorbilder für junge Mädchen. Es gibt also noch viel zu tun.

Die Göttliche Ordnung läuft ab dem 03. August in den deutschen Kinos.


Beitrag: Pia Ahlert

Bilder: Alamode Film

 

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