Filmtipp: Moskau glaubt den Tränen nicht

vor 7 Monaten

Wie Sex and the City nur mit weniger Fashion und weniger Geld.

Ein unfassbar schnulziger Name – sehr sehr schnulzig und sehr sehr unbekannt. Der Titel klingt so unfassbar klebrig, weil er direkt aus dem Russischen direkt und ohne jegliche Kompromisse übersetzt worden ist. Sehr direkt, so wie es in den Englischbüchern für die 8. Klasse im Mediation Teil steht, wenn erklärt wird, wie man es eben nicht machen sollte. Es soll jetzt aber nicht um diese schreckliche klebrig süße pappende Übersetzung gehen, sondern um den Film. Moskau glaubt den Tränen nicht ist ein sowjetisch-russischer Film. 1980 erschienen, 1981 erhielt er einen Oscar für den besten ausländischen Film. Kennen wird ihn wahrscheinlich keiner, was zum einen daran liegt, dass er damals nur in der Sowjetunion und der DDR zu sehen war. Der breiten Öffentlichkeit komplett verschlossen, ist er heute frei erhältlich ­– bloß kennt ihn niemand. Und jetzt ganz klassisch: „Es geht um das Schicksal von drei Frauen, die aus dem Moskauer Umland in die Hauptstadt ziehen um dort ihr Glück zu suchen“. Elendig stereotyp könnte man jetzt sagen. Stereotyp und vorhersehbar. „Und eine die wird glücklich und bei den anderen entwickelt es sich komplett gegensätzlich“, so wie es eben immer passiert. Und trotzdem bleiben sie ein Leben lang befreundet. Stereotype können aber auch etwas Wunderbares sein. Man kann sie brechen, man kann sie umschmeicheln und letztendlich auch elegant umlenken. Natürlich ist die Grundstory irgendwie auch ein Schema, aber was wird denn daraus gemacht? Es wird lieblich umschmeichelt und aus der schematischen Story entwickelt sich eine ganz sanfte Geschichte. Die Prämisse bleibt gleich, nur geschieht das Ganze mit solch einer Leichtigkeit und einer gleichzeitigen Schwermut, die man sich in dieser Kombination nur schwer vorstellen kann. Klar wird dies, wenn die Kategorie des Films betrachtet wird, denn eigentlich ist der Film in der Komödie verordnet. Nur ist er wirklich nicht lustig. Er ist sehr traurig und mitunter sogar niederschlagend. Aber das was ihn, unter russischer Betrachtung, in die Kategorie Komödie einordnet, liegt im Gesamtbild. Denn trotz der ganzen Schicksalsschläge, die die Frauen ertragen müssen, nehmen sie es mit einem Schulterzucken. Keinem allzu leichtfertigen Schulterzucken aber nach dem Motto: „Es ist zwar gerade sehr, sehr blöd. Ich wurde schwanger sitzengelassen, studiere und muss gleichzeitig arbeiten, um was zu essen zu haben, aber im Endeffekt kann ich nur das Beste aus der Situation machen.“ Und macht nicht das eine Komödie aus? Das Schulterzucken am Ende einer Tragödie. Es geht um das Weitermachen. Und darum, dass man immer eine Entscheidung hat. Man kann sich entscheiden zu kämpfen oder stehenzubleiben. Das Stehenbleiben ist auch eine legitime Entscheidung. Allerdings wird sie einen auf langfristige Sicht vielleicht nicht glücklich machen.

Text: Maria Kustikova
Bilder: PR

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