Francesca Miazzo: Stadtplanerin voller Initiative

vor 3 Monaten

Für Francesca Miazzo steht fest: große Probleme brauchen wissenschaftliche Diskussion, aber mehr noch kleine, praktische Lösungen. Ihre Baustelle: Plastikverbrauch in Amsterdam. Eigentlich aber auch in der ganzen Welt.

Francesca Miazzo packt an. Anders kann man sie kaum vorstellen. Die studierte Stadtplanerin hat sich mit ganzem Herzen den Problemen wie Lösungen rund um Plastikverbrauch, Lebensmittelzyklen, Urban Agriculture und Upcycling verschrieben. Zunächst blieb es auf wissenschaftlicher Ebene (an welcher sie mit Buchveröffentlichungen gerne nach wie vor festhält), aber von Vornherein war ihr klar: es reicht nicht aus, die vielen Defizite in unserer alltäglichen Müllproduktion zu studieren und zu diskutieren. Erst recht tut sich aber auch nichts, wenn wir uns mit erhobenen Zeigefingern belehren oder Schuld zuweisen. Viel eher wollte Miazzo einen Weg finden, um praktisch an den Gemeinschafts- und Geschäftssinn der Leute zu appellieren, welcher sich letztendlich für alle Seiten als lohnend herausstellen würde.

Zwei innovative Projekte hat sie daher ins Leben gerufen, an denen sie kontinuierlich arbeitet. Da wäre ihre unabhängige Stiftung CITIES – eine interdisziplinäre Forschungsplattform – mit welcher sie akademische Kenntnisse rund um Probleme der Stadtentwicklung auch für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Verbesserungsmöglichkeiten für globale Misstände sieht sie auf lokaler Ebene, und implementiert diese auf direktem Wege: die Aufstellung des nachhaltigen Lebensmittelttransport-Unternehmens „Foodlogica“ oder eine große Workshopserie an Bildungseinrichtungen markieren zwei von vielen Erfolgsmomenten.

Die Feststellung, dass es in der Wissenschaft an umsetzender Aktion fehlt, hat Miazzo somit längst revidiert – das ist jedoch nicht alles: mit ihrer Komilitonin Anna Hult gründete sie 2015 die Initiative WASTED. Es war ein geradezu unabwendbarer nächster Schritt, nachdem sie den Plastikverbrauch in ihrem Bezirk analysierte und auf schockierende Zahlen stieß.

Trotz des allgemeingültigen Bewusstseins über die Wirkmacht jedes einzelnen Menschens auf die Umwelt sowie die verheerenden Folgen von fehlendem Recycling, landete in Miazzos Nachbarschaft ein Großteil der wiederverwendbaren Materialien im Normalmüll. WASTED fand eine Lösung: an der Initiative teilnehmende Haushalte sammeln ihren Plastikmüll in speziellen Beuteln. Gegen Abgabe eines vollen Beutels erhalten sie eine Münze, die ihnen im Netzwerk der Initiative – ob Cafés, Kurse oder Händler – Rabatte verschafft. So steht hinter bewusster Mülltrennung nicht nur eine kleine finanzielle Prämie, sondern auch eine immer stärker werdende Lokalcommunity.

Mit sympathischen und absolut raffinierten Anleitungen von inspirierenden Persönlichkeiten wie Francesca Miazzo kann Umweltschutz so einfach sein.

 

Text: Dieu Linh Nguyen Xuan

Bild: Geertje Hampe-Nijland

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