Im Interview: Eunique

vor 4 Monaten

Die Hamburger Rapperin Eunique Kobra ist gerade mal 22 Jahre alt und geballte Power.

Ihre Hands-On Mentalität macht sie zu zum Vorbild für eine junge Generation an Frauen, die ihr Leben in die Hand nehmen und selbstbewusst Entscheidungen fällen. Im Interview mit Eunique sprechen wir über ihre prägenden Entscheidungsmomente, ihre Community und ihre Motivation nie stillzustehen. Musik wurde ihr quasi in die Wiege gelegt, mit 7 Jahren bekam sie ihr erstes Keyboard und nahm später auch jahrelang Klavierunterricht. Nach ihrem Abitur 2015 hat sie ihr erstes Facebook-Video rausgehauen, auf das nicht nur Rapper Fler aufmerksam wurde. Damit sie nicht nur ein Hype blieb, wollte sie das Business ganz genau verstehen und anfangs noch Musikmanagerin werden. Anlässlich des Launches des Nike React Laufschuhs traf Fräulein Eunique in Berlin.

Fräulein: Erst wolltest du Managerin werden, jetzt bist du selbst Musikerin. Wie kam es dazu?

Eunique: Ja, anfangs wollte ich nur Musikmanagerin werden, weil mir diese Vorstellung leichter fiel, als zu sagen: „I wanna be a superstar!“ Dann habe ich Michael, mit dem ich sehr eng zusammenarbeite, in Berlin kennengelernt und wir haben 1,5 Jahre gemeinsam geschaut, wie ich das Ganze aufbauen kann. Glücklicherweise haben wir dabei alles gefilmt, was jetzt als Reality Show „Becoming Eunique“ auf Youtube zu sehen ist. Damit möchte ich allen Leuten, die mich supporten, einen näheren Einblick geben wer ich bin.

 

Wann beziehungsweise wie war der Moment, als du dir dachtest „Yes, ich habe es geschafft!“?

Ich war sehr lange von der Außenwelt abgeschieden, in einem Raum in dem es quasi immer fünf Uhr ist. Ich wurde zwar irgendwie auf das alles vorbereitet, aber das jetzt so durchzulaufen, Taxifahrer mich zum Beispiel erkennen, ist ziemlich krass für mich. Meine letzte Single mit Veysel „Genau so!“ ist jetzt bei 1,9 Millionen Klicks. 1,9 Millionen, ich meine:  What the fuck is happening!? Oder die letzten zwei Wochen waren auch ein ganz anderes Level, mit Shootings und Special Placements und so – das ist schon eine ziemlich heftige Phase und ich versuche das irgendwie alles so aufzunehmen und mich einfach zu freuen.

 

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Hast du immer auf Rat von Freunden, Familie oder Bekannten gehört oder hattest du eine ganz klare Vision, wie du klingen und rüberkommen möchtest in deinen Videos? 

Ich hatte da schon eine klare Vorstellung im Kopf. Habe aber nie jemanden gefunden, der auch so ist, der das weiterspinnen kann. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich Michael kennengelernt habe, der mir ähnlich ist und für den es kein Stopp gibt. Wir treffen heute spontan Entscheidungen, die unser Morgen definieren und lassen uns nicht aufhalten. Wir machen es einfach, „Sky’s the limit“ – weißt du was ich meine? Das ist unser Lebensmotto.

 

Du spielst häufiger mit dem Begriff „Pussytionierung“, was hat es damit auf sich?

Bei dem Pussytionieren geht es mir darum, dass ich eine Macherin bin und mich gerne zu Themen positioniere. Ich bin eine selbstbewusste Frau, ich habe eine Meinung und ich scheue nicht davor zurück, diese auszusprechen. Ich stehe zu meinen Entscheidungen, auch wenn ich sie spontan treffe. Das bin eben ich. Das Wortspiel nutze ich, um zu spielen, ohne viel sagen zu müssen. Es ist meine Art der Motivation für andere.

 

Du nennst dich außerdem „die Gefährliche“. Wieso?

Die Gefährliche kommt daher, dass die Musikindustrie ein sehr hartes Business ist und es dort viele Schlangen gibt – bildlich gesprochen. Ich muss wissen, was ich tue und warum, ich muss vorbereitet sein und risikobereit, um in dem Business weiterzukommen und wahrgenommen zu werden. Also stelle ich mir vor, dass ich auch eine gefährliche Schlange bin, dann weiß ich, worauf ich achten und wie ich mich verhalten muss.

 

Deine Community heißt „Kobra Militär“. Wie funktioniert sie?

 Es geht bei Kobra Militär um Zusammenhalt. Wenn eine gewinnt teilen alle den Gewinn. Es gibt feste Kobras, die jede auf ihre Art individuell sind und sich gerade entfalten und dabei nicht alleine dastehen. Wir unterstützen uns und sind füreinander da, egal in welchen Lebenssituationen. Ich will in meinem Leben mutig sein und mich nicht selbst einschränken durch Ängste oder Zweifel. Ich will zu meinen Entscheidungen stehen und die Community gibt mir den nötigen Rückhalt. Als Einheit und große Gruppe zusammen zu halten, finde ich wichtig.

 

Würdest du dich als Feministin einer neuen Generation beschreiben?

Nein auf gar keinen Fall. Ich finde diese Bezeichnung viel zu einschränkend und möchte mir selbst kein Etikett verpassen. Ich bin wie gesagt selbstbewusst, ich bin eine Frau, ich habe eine Meinung, die ich klar ausdrücke. Das bin ich, nicht mehr und nicht weniger. Wenn die Leute das gut finden und sich von mit inspirieren lassen, bin ich happy.

 

Hast du Vorbilder?

Ich habe keine konkreten Vorbilder. Ich würde eher sagen, dass ich selbst auch viele Inspirationen habe. Es gibt an vielen Menschen Dinge, die ich nice finde, an denen ich mich orientiere. Das ist mir sehr wichtig für meine eigene Entwicklung.

 

Siehst du momentan viel Veränderung in der Rapszene was Frauen anbelangt?  

Ja ich sehe auf jeden Fall viel mehr Bewegung und viele Frauen, die sich trauen, in die Szene reinzugehen. Solchen Mut brauchen wir, das finde ich gut!

 

Um mal auf den neuen Nike React, der durch seine neue Sohle viel mehr Energie gibt, zurück zu kommen. Was gibt dir die meiste Energie?

Ich sammle Energie aus Motivation, Lebenswillen und aus Zielen, die ich mir gesetzt habe. Ich bin gestern mit meinen Personal Trainer laufen gegangen und während wir laufen, habe ich mir gedacht: „Soll ich sagen, dass ich Seitenstechen habe, damit ich nicht mehr laufen muss!?“ und dann denke ich aber wieder: „nein, zieh jetzt durch!“. Danach bin ich stolz auf mich, weil ich es durchgezogen habe. Solche Momente geben mir auf jeden Fall viel Energie. Ich konzentriere mich in meinem Denken auch gerade nicht mehr nur auf Deutschland, sondern will überall sein. Dann sehe ich, dass mega bekannte Leute meine Insta-Stories sehen und das motiviert mich. Think Big!

 

Interview: Miriam Galler
Bilder: Jan Kapitän/PR

 

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