Im Interview: Julia Zange

vor 7 Monaten

Philip Grönings Film „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“  ist eine philosophische Abhandlung über Zeit, Geschwisterliebe und das Ende der Kindheit. In der Hauptrolle Julia Zange (Elena) und Josef Mattes (Robert) als symbiotisches Zwillingspaar. Fräulein traf sich mit Julia, kurz vor Beginn der 68. Berlinale, zum Gespräch.

Fräulein: In deinen Worten: was ist „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ für eine Art von Film? Worum geht es?

Julia: Es geht in erster Linie um Zeit und wie man es schafft aus einer Symbiose auszusteigen. Das Ganze spielt innerhalb von 48 h. Die Zwillinge Robert und Elena müssen es schaffen sich innerhalb dieser 48 h zu lösen.

F: Was hat dich an Elenas Rolle interessiert? Was ist sie für ein Typ?

J: Sie ist die ganze Zeit in einer Art Kampfmodus. Das hat mich interessiert, weil ich das auch von mir kenne, dass man eigentlich die ganze Zeit in so einer Verteidigungshaltung ist. Das ist bei Elena auch so. Sie ist außerdem der Natur sehr zugewandt, da ist so eine starke Verbundenheit einerseits, anderseits trägt sie so einen emotionalen Schutzpanzer. Das finde ich einen sehr spannenden Clash.

F: Also würdest du sagen, sie ist eigentlich sehr sensibel?

J: Ja, Elena ist sehr sensibel und schützt sich sehr stark im Gegensatz zu Robert, der emotional sehr zugänglich ist, eine Freundin hat und schon mehr mit seinen Emotionen verbunden ist.

F: Welche Rolle spielt Eifersucht in dem Film?

J: Eine große Rolle. Elena und Robert verfallen regelrecht in Eifersuchtswutanfälle. Elena ist sehr eifersüchtig auf Roberts Geliebte Cecilia. Robert kämpft aber auch mit Eifersucht, wenn es darum geht, dass seine Schwester mit anderen Männern flirtet.

F: Geht es dabei um Besitzanspruch?

J: Ja klar, die gehören sich ja gegenseitig und alles was da von außen kommt ist eine Gefahr für diese Einheit.

F: Eine zentrale Rolle spielt ja auch die Zeit während der Pubertät. Was ist hier die besondere Herausforderung für Elena und Robert?

J: Die beiden sind ja zusammen seit sie geboren wurden. Philip hat es mal ganz schön gesagt: um sich zu einem vollständigen Menschen zu entwickeln, muss man die totale Verlassenheit einmal gespürt haben. Elena und Robert befinden sich neben der Pubertät quasi auch noch in einem Säuglingszustand, weil da immer der andere ist von dem man sich jetzt lösen muss. Es geht also eigentlich um zwei Entwicklungen.

F: Wird Elena in dem Film zur Frau?

J: Interessante Frage. Es geht in dem Film auf jeden Fall um Übergänge. Doch ich würde sagen, sie ist noch eine Stufe davor. Am Anfang des Films wirkt Elena fast geschlechtslos und „unweiblich“, weil sie nicht besonders empathisch ist. Sie entwickelt sich im Laufe des Films von einem Neutrum zu einer Frau, würde ich sagen.

F: Wie würdest du Roberts Entwicklung beschreiben?

J: Robert ist schon etwas weiter in seiner Individuation. Er ist auch emotional reifer als Elena. Robert entwickelt sich aber im Laufe des Films nicht wirklich. Er bleibt in gewisser Weise stecken. Ich habe den Eindruck er will eigentlich nicht an der Gesellschaft teilnehmen. Aber das ist ja auch sehr typisch pubertär.

F: Warum ist Robert denn nun eigentlich ein Idiot?

J: Gute Frage. Ich weiß gar nicht genau wie der Titel letztendlich entstanden ist. Ich finde eigentlich ist Robert kein Idiot. Elena behandelt ihn aber wie einen. Er ist halt der Bruder, gegen den man sich auflehnt und den man für einen Idioten hält, aber im tiefsten ihres Herzens liebt sie ihn und eigentlich ist sie auch etwas neidisch, weil er eine Art von Unschuld und Verletzlichkeit hat, die ihr fehlt.

 

Interview: Miriam Galler
Bilder: PR

 

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