Inspiration: Eiskalte Engel

vor 2 Jahren

Als Ryan Phillippe Dauerwelle trug und Reese Witherspoon ihre Unschuld verlor.

 

Vor über 15 Jahren haben wir Cruel Intentions (Eiskalte Engel) zum ersten Mal auf VHS-Kassette gesehen – mit Ryan Phillippe als Verführer mit stolzer Dauerwellenfrisur, Sarah Michelle Gellar als intriganter Stiefschwester und Reese Witherspoon als unschuldig, uniformiertes Schulmädchen mit Flechtzöpfen. Es fühlt sich dennoch erstaunlich nah an, wie ich zusammen mit einer Freundin im Kinderzimmer zwischen Steiff Kuscheltieren und Trinkschokolade dem damals noch blutjungen Ryan Phillippe als Sebastian und dessen Apfelpo entgegen schmachtete. Eiskalte Engel ist ein 90’s Klassiker, ein All-time favorite meiner Generation, der von Zeit zu Zeit in unseren Erinnerungen aufpoppt. Ein perfekter Sonntagabendfilm für wehmütige Endzwanziger.

Der Film von Roger Kumble basiert auf Choderlos de Laclos’ verwickeltem Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ von 1782, spielt aber im New York der späten 90’er Jahre. Was genial ist, so spiegelt sich die Dekadenz des Ancien Régime kurz vor der Französischen Revolution doch ganz wunderbar in den amerikanischen Rich Kids wider, die sich im Laufe des Films zunehmend in Intrigen, Romanzen und der Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Liebe verfangen. 

Cruel Intentions zeigt dazu einen ganz wesentlichen Konflikt im Leben jedes jungen Mädchens das zu einer Frau reift. Wie entwickeln wir uns mit unseren weiblichen Reizen zu selbstbewussten, autonomen Persönlichkeiten, ohne in der Gesellschaft primär als Sexobjekt wahrgenommen zu werden? Möchte man in die Rolle der mädchenhaften Reese Witherspoon (Annette) schlüpfen oder in die Position der giftigen Sarah Michelle Gellar (Kathyrn)? Um ihren Hals hing immer ein mit Koks gefülltes Kreuzamulette, mit dem sie sich die Nase puderte, und nach ebenjener Verruchtheit haben sich die pubertierenden Jungs die Finger geleckt. 

Cruel Intentions behandelt, wenn auch mit überspitzen Hollywood-Pathos, romantische und tugendhafte Eigenschaften, die vom perfekten ersten Mal träumen lassen. Es ist eine moderne West Side Story der 90er, die tatsächlich alles bedient: den Kampf zwischen Rivalen, Eifersucht und verletzter Stolz, lesbische Küsse und Rolltreppenromantik. Ja, diese Szene, in der Annette die Rolltreppe hinauffährt und am anderen Ende von Sebastian überrascht wird, ist wohl als eine der kitschigsten Szenen in die Filmgeschichte eingegangen. Dabei träumen wir doch alle davon einmal im Leben einen solch rosaroten Hollywood-Moment zu erleben!

Inzwischen genießt der Film geradezu Kultstatus und das hat er nicht zuletzt dem Soundtrack zu verdanken, einem der besten der letzten 20 Jahre. Vom ersten bis zum letzten Song klingen die 15 Titel wie Poesie. Beginnend mit „Every Me and Every You“, aufgehört mit The Verves“ Bitter Sweet Symphony“, als Annette in Sebastians Jaguar über die Autobahn weht. An warmen Frühlingstagen wie diesen ist der Soundtrack der schönste Stimmungsmacher für ein wenig 90’s Charme.

Beitrag: Alina Amato
Fotos: Stills aus Eiskalte Engel via Tumblr

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