Inspiration: Oracular Spectacular von MGMT

vor 2 Jahren

Kurz vor Jahreswechsel erscheinen oft unerwartete Ankündigungen im Newsfeed, die für blitzartige und unaufhaltsame Euphorie sorgen. Eine solche News, die mein Indie-Herz höher schlagen ließ, überraschte mich an Weihnachten.

 

MGMT, das New Yorker Psychedelic-Indie Duo, schrieb via Twitter: „Happy bday jesus. Merry holidays everyone. Happy birthday, everyone: 2016 is the year MGMT re-dominates your mind hole, see you then“. Seither munkeln wir, dass MGMT an einem neuen Album arbeitet.

Als ich über diese Zeilen stolperte, kramte ich gleich in meiner alten Playlist nach der Platte, die mich noch immer nostalgisch werden und in Gedanken versunken in meine Kopfkissen fallen lässt – Oracular Spectacular. Acht Jahre später fühle ich mich ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Irgendwo zwischen Erwachsensein, jugendlichen Träumereien, Verwirrung und Sehnsucht nach den Anfang 20ern. Kaum ein anderes Album traf den Nerv der Zeit so gut, wie Oracular Spectacular. Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser sprachen für eine Generation von Indie-Teens. Meine Generation. Sie beschrieben ein Lebensgefühl, die Wünsche und Sehnsüchte einer Jugend. Naiv, verträumt, verliebt. Hippiemädchen auf Festivals mit Bandana im sonnengefärbten Haar, die nach dem bunten Regenbogen am Horizont griffen.

„Electric Feel“, „Kids“ oder „Time to Pretend“ spielen mit großen Emotionen, die von experimentellen, atmosphärischen Synthie-Melodien getragen werden. Schon der Titel Oracular Spectacular gibt uns das Gefühl, auf einer kosmischen Reise unter dem Einfluss psychedelischer Drogen zu sein. Die Songs standen auf Dauerschleife auf unseren MP3 Playern und waren die großen Hymnen, die aus den Boxen unserer urigen Lieblings-Clubs schallten. Das Video zu „Electric Feel“ bringt das Gefühl auf den Punkt. Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser tanzen mit einer Horde junger Menschen in bunten Shorts und kurzen Kleidern durch Sommernachtwälder. Oh Andrew, drücken möchte ich dich, dir Blumen ins Haar stecken und barfuß mit dir durch weite Felder laufen. Es schien so, als würde einem die Welt zu Füßen liegen. Raus aus der Kleinstadt, auf Reisen in ferne Länder, umgeben von aufregenden Menschen. Hinter jeder Tür wartete eine Achterbahn der Gefühle, kleine Abenteuer und Liebesromanzen.

Irgendwie hat man das Gefühl, die Stunde der Indie-Musik aus dieser Zeit sei vorbei, nicht mehr Avantgarde genug. Für mich aber, wie wahrscheinlich für viele Mittzwanziger, erinnert Oracular Spectacular an einen besonderen Lebensabschnitt, dem ich noch lange mit einem verliebten Auge hinterher trauern werde.

Von Alina Amato
Bild via Sony Music

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