Inspiration: Sex and the City

vor 9 Monaten

Warum wir „Sex and the City“ für immer lieben.

Auf kürzlichen Streifzügen durch die Weiten des Internets, genauer gesagt Instagram, verfiel ich in gleichzeitige Nostalgie und Freude über den Account @everyoutfitonsatc.

Wie der Name bereits sagt, handelt es sich um eine Zusammenstellung aller Outfits der amerikanischen HBO Serie der 90er bzw. 00er Jahre. Jedes einzelne Outfit – von Carries nacktem Kleid, das zwischen ihr und Big eine so große Anziehung kreiert und so kurzerhand die Kein-Sex-beim-ersten-Date-Regel über den Haufen geworfen wird – bis hin zu Samanthas Kollektion an brillierten BHs, Mirandas androgynen Anzügen in den ersten Staffeln oder Charlottes blumigen Park Avenue Style. @everyoutfitonsatc archiviert die modischen Ausschweifungen dieser Frauen mit scharfsinnigem Humor.

Neben ihrer humoristischen Leidenschaft für extravagante Outfits, wird die amerikanische HBO Sendung bei mir wahrscheinlich immer Erinnerungen an meine Teenagerzeit hervorrufen. Und so bleibt sie bis heute ein Klassiker meines Serienrepertoire.

Noch vor meiner amtlichen Geschlechtsreife, bevor ich mir irgendeine tatsächliche Vorstellung von Liebe, Sex und Co machen konnte, begann ich die Sendung über die New Yorker Frauen zu schauen. Heute unvorstellbar, das Ganze damals auf deutsch, so dass mir der Witz verwehrt blieb und wofür ich die Serie heute doch so liebe. Damals waren es die aufregenden Zeiten von Zahnspangenresten, Post-Barbie und dem Beginn einer mager ausgeprägten Tanga-Kollektion. Eben alles an kindlichen Versuchen den steinigen Weg der Illusion zu bestreiten, was eine junge heranwachsende Frau sein sollte. Nach kulturindustrieller Pre-Internet Schulung durch knallige Cartoons um 7 Uhr morgens, „MTV-Cribs“ und „The Real World“ folgten romantische Soaps mit weiblichen Hauptrollen, die Idenifizierung boten und als Vorbilder herhalten sollten. „Sex and the City“ nahm dabei eine besondere Rolle ein. Hier ging es schließlich um erwachsene Frauen, in High-Heels mitten in New York – für mich zu jener Zeit der Inbegriff von Klasse und Erwachsensein. Nicht nur erhoffte ich mir konstruktive Lebensweisheiten um meinen Weg als junge Frau zu bechreiten, zusätzlich umrahmte die Sendung einen Hauch von Glamour und ersehntem Großstadt-Feeling. Doch vergebens waren meine infantilen Erwartungshaltungen. Statt weiblicher Reife und Gelehrtheit bestehen die Liebesweisheiten der Protagonistinnen hauptsächlich aus klischeehaften weiblichen Karikaturen.

„Sex and the City“ ist für unsere Generation einfach wenig zeitgemäß – und gerade angesichts der gegenwärtigen Serienlandschaft, wie mit „Girls“ oder „Broad City“ wirkt „Sex and the City“ wie die altmodische Omi, die sich nicht so einfach von sexistischen Kategorisierungen lösen kann. Mag sein, dass es für die damalige Zeit einen Tabubruch im amerikanischen Fernsehen darstellte, doch so verbleibt unser HBO-Liebling in sexistischen Rollenbildern stecken und ist meist wenig progressiv. Jeglicher sozialkritischer Ansatz bleibt fern. „Sex and the City“ ist keine realitätsnahe, kritische Sendung, die sich mit dem Alltag und Struggle einer Frau auseinandersetzt. Der Nährwert liegt hier nicht in Beziehungstipps, sondern in einer genial geschriebenen Comedy, mit überspitzten Charakteren in einem großartigen Look. In Erinnerung an all die tollen Szenen dieser Serie, hier meine persönlichen Lieblingsmomente:

Beginnen wir bei Carrie. Zunächst einmal sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass Miss Bradshaw mit ihrem emotionalen Jojospiel mit Big und Aidan die nervigste aller Figuren dieser Serie ist. Carrie soll hier trotzdem ein bisschen Credits für ihre Rolle bekommen: Mut und Liebe, abenteuerliche Mode und stets mit Zigarette in der Hand, sollen geehrt werden. Einmal angehaucht kritisch: „When men attempt bold gestures, generally it’s considered romantic. When women do it, it’s often considered desperate or psycho.“ Hier lustig: „I used to think those people who sat alone at Starbucks writing on their laptops were pretentious posers. Now I know: They are people who have recently moved in with someone.“ Und zum Schluss kitschig-süß: „They say nothing lasts forever; dreams change, trends come and go, but friendships never go out of style.“ Carrie

Weiter geht es mit Charlotte York. Im späteren Serienverlauf dann endlich York-Goldenblatt, meist zugeknöpft und romantisch veranlagt, spiegelt sie am stärksten das Klischee der Auf-den-Einen-wartenden-Frau wider. Doch neben multiplen Augenrollen, wenn sie unentwegt von Investmentbankern auf weißen Schimmeln träumt, verdanken wir ihr auch höchst lustige Momente oder besser gesagt ihrer depressiven Vagina. Wir einnern uns an die Sexkapaden mit Trey oder dem schlabberigen Fauxpas des Datinglltags (He raped my face-I’m never dating again.)

Miranda dagegen ist und bleibt mein Favorit und zwar aus dem Grund, weil ich mich mit ihr am meisten identifizieren kann. Es gibt tatsächlich sogar Gemeinsamkeiten: eine  geballte Ladung an Zynismus und Katzenliebe. „What’s the big mystery? It’s my clitoris, not the sphinx.“, lehrt die pessimistische Anwältin Miranda einen blonden Augenarzt in Staffel 2. Dies ist nicht nur witzig, die Serie bietet hier einen Moment, das Geheimnis weiblicher Sexualität zu lösen.

Und zu guter Letzt: Samantha Jones. Neben Sextipps wie: „Fuck me badly once, shame on you. Fuck me badly twice, shame on me“ oder neuen innovativen Adjektiven wei „dickalicios“, bereichert uns Sam durch ihre unzähligen Affären und Statements wie: „Sweetheart, you can’t go and listen to every fucking little voice that runs threw your head. You’ll go nuts“ oder auch „Hello,my name is fabulous.“

Auch nach über 10 Jahren „Sex and the City“ bleibt die Serie ein Klassiker, der uns immer wieder zum Schmunzeln und Staunen bringt.

PS: Diese Worte widmen wir natürlich der HBO Serie und nicht den peinlichen Kinofilme der 00er Jahre.)

Bilder: Stills via „Sex and the City“
Beitrag: Samira Ghoualmia

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