Interview: AlunaGeorge

vor 2 Monaten

Als die schöne Aluna Francis und ihr Kollege Georg Reid 2013 ihr Debütalbum Body Music veröffentlichten, waren Kritiker wie Fans gleichermaßen vom Fleck weg begeistert. Die Musik des britischen Musikduos klingt erfrischend anders, eine Mischung aus 90er Jahre R’n’B und Pop, gemischt mit elektronischen Beats und Alunas lieblichen Vocals, die eine unaufgeregte Leichtigkeit in die Tracks bringen. Ihr zweites Album I remember veröffentlichte das Duo im Sommer letzten Jahres. Wir trafen Aluna in Berlin und wurden von ihrer Präsenz gleich verzaubert.

Aluna, du bist bei London aufgewachsen. Welche Musik hast du damals gehört?
Ich bin in einem Vorort von London aufgewachsen. Dort war nicht besonders viel los und an Kultur und Musik gab es auch nicht viel. Ich habe immer sehr viel Radiohead gehört. Ich mag ganz verschiedene Stile und Künstler, unter anderem Aphex Twin, Cinematic Orchestra und Flying Lotus. Alles was experimentell ist.

Man spürt wieder eine große Sehnsucht nach R’n’B.
Ja, ich glaube es hat sich viel verändert. Erst haben die Leute Trap gehört und dann angefangen Musik von Künstlern zu hören, wie wir es sind. Traditionell geht es bei R’n’B vor allem um Texte, was ich ein wenig langweilig finde. Wir nehmen uns hier den Indie-Rock zum Vorbild, experimentieren mit der Musik und machen daraus etwas Neues. Wir verändern die Wahrnehmung von R’n’B.

Man sagt, Rock-Musik schafft einen Ort für Leute, die sich anders fühlen und in der Gesellschaft nicht hineinzupassen scheinen. Gilt für eure Musik etwas Ähnliches?
Absolut. Es geht uns um die Geschichte dieser einen Person, die in der Menge steht und albern tanzt. Die anderen Leute stehen drumherum und verurteilen diese Person, dabei sind sie eigentlich von ihr fasziniert und lieben das, was sie tut. Denn dasselbe würden sie auch tun, wenn niemand zuschaut. Unsere Musik ist eine Hymne für ebenjene verrückte Menschen, die Spaß haben und nicht darüber nachdenken, was andere von ihnen halten könnten.

In eurem Song „I’m in Control“ geht es darum, Entscheidungen zu treffen. Wir alle müssen in unserem Leben Entscheidungen treffen, auch wenn wir manchmal Angst davor haben. Wann in deinem Leben war es für dich schwer eine Entscheidung zu treffen?
Jeder von uns muss herausfinden was er will. Auch ich musste diese Erfahrung machen und lernen damit umzugehen. Also habe ich diesen Song geschrieben. Die Worte „I’m in control“ standen zunächst gar nicht in den Lyrics. Ich habe gelernt zu sagen was ich möchte. Und das war nicht immer leicht. Ich habe mit vielen anderen Mädchen gesprochen, denen es ähnlich ging. Mit dem Song möchte ich den Moment feiern, in dem man sagt was man will und sich alles zum Guten entwickelt. Auch in meinem Beruf habe ich gelernt meine Meinung mitzuteilen, doch nicht in einem Tonfall der bossy ist, sondern mit dem Gefühl, dass die Leute wirklich wissen möchten was ich denke. Ich dachte mir: „Ich habe sicherlich einige gute Ideen und ich bin mir sicher, dass ihr gerne mehr darüber erfahren möchtet. Darum erzähle ich sie euch.“

Ist es für weibliche Künstlerinnen schwieriger sich mitzuteilen und zu sagen, was sie wirklich wollen?
Ich glaube, dass es vielen Künstlerinnen schwerfällt zu begreifen, dass andere Leute tatsächlich ihre Meinung hören wollen.

Kannst du mir mehr über die Zusammenarbeit mit George erzählen?
George war immer sehr ermutigend und wollte immer meine Meinung hören. Es hat eine Weile gedauert bis ich das realisiert habe. Manchmal ist es schwer sich von diesem inneren Kampf zu befreien und sich daran zu erinnern: „Du hast schon gewonnen. Nun kannst du es genießen.“

„I’m in control“ ist in Zusammenarbeit mit einem jamaikanischen Künstler, Popcaan, entstanden. Deine Wurzeln liegen in Jamaika und Indien. Ist das neue Album davon inspiriert?
Nicht wirklich. Meine Herkunft hat meine musikalischen Entscheidungen nie beeinflusst. Mein Vater hat immer Raggae gehört, aber das war sein Geschmack und nicht meiner. Sicherlich kann man aber sagen, dass ich ein sehr gutes und tiefes Gespür für Rhythmus habe. Den Rhythmus und das richtig Timing konnte ich immer einhalten.

Euer erstes Album erschien 2013. Wie hat sich die Beziehung und Dynamik zwischen dir und George verändert?
Man muss immer bedenken, dass wir uns nicht kannten, bis wir angefangen haben zusammen Musik zu machen. Wir haben uns getroffen, einen Tee getrunken und einen Song geschrieben. Natürlich hat sich über die Zeit unsere Arbeitsbeziehung verändert, doch unsere Musik hat noch immer die gleiche Dynamik. Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht und viel über den anderen gelernt. Da wir aber nicht in einer romantischen Beziehung zueinander stehen, gibt es nur bestimmte Dinge, die wir miteinander teilen. Wir konzentrieren uns auf unsere Musik und das funktioniert sehr gut. Warum sollten wir Zeit verschwenden, wenn wir stattdessen an einem Song arbeiten könnten?

Gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders am Herzen liegt?
Nein, jeder Song ist von mir, von daher habe ich auch keinen Lieblingssong. Sicherlich gibt es aber Songs, zu denen das Performen mehr Spaß macht als zu anderen. Aber ein Lieblingslied habe ich nicht.

Auf dem Album gibt es 12 Tracks, aber die Auswahl war deutlich größer. War es schwer zu entscheiden, welche Songs es auf das Album schaffen?
Ja, sehr schwer sogar. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob wir die richtigen ausgewählt haben. Um die 70 Lieder haben es nicht geschafft.

Ihr habt während der Entstehung von I remember eine Woche zusammen im Studio verbracht. Eine intensive Zeit. Wie war das?
Am Anfang waren wir von der Idee etwas eingeschüchtert. Doch es war kein Problem, da wir vorher bereits auch schon viel Zeit miteinander verbracht haben. Wir haben zusammen gekocht, was sehr viel Spaß gemacht hat, und er hat etwas an mir entdeckt, das ihn wirklich nervt. Ich habe auf meinem iPad eine Comedy-Show geschaut, einfach da gesessen und hysterisch gelacht. Ich saß zwar in einem anderen Raum und doch hat ihn mein hysterisches Lachen verrückt gemacht.

Welche Show war das?
Es war eine britische Show, deren Namen ich vergessen habe. Ich erinnere mich, dass es um einen amerikanischen Hippie-Typen ging, der ein englisches Mädchen heiratet und bei ihrer Familie einzieht. Ein Kulturschock und sehr viel Klischee, aber sehr witzig.

Beitrag: Alina Amato
Foto: Jan Lessner

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