Interview: Christine Standeisky, Senior Product Designer bei made.com

vor 4 Monaten

Über ihren persönlichen Design-Geschmack und das Daily-Business im Produktdesign.

Welche sind deine Lieblings-made.com-Möbelstücke?
Generell mag ich moderne Möbel mit Anspielung auf die Vergangenheit, wie zum Beispiel die Quin-Serie, die ich entworfen habe. Sie vereint traditionelle Ästhetik mit modernen Farben,  Materialien und Details. Und Ich habe mir gerade einen orangen Dylan Sessel gekauft. Der wird super in meine Wohnung passen, da ich gern Design-Klassiker mit zeitgemäßen Möbeln mische. Wie z.B. ein Sideboard aus den 50ern und das Vitra Uten.Silo.

Deiner Meinung nach die genialste aber auch die skurrilste Produktdesign-Erfindung der letzten Jahre?
Schwierig zu sagen. Eher ein künstlerisches Konzept, aber die Nendo Austellung in Mailand 2015 hat mich sehr beeindruckt. Vor allem seine neue Interpretation von Türen: Nendo’s 7 Door Concept.

Welchen Möbel-Trend machst du einfach gar nicht mit?
Ich finde das kann man nicht so vereinfachen. Ich bin der Meinung es kommt drauf an wie der Trend interpretiert wird. Wir arbeiten beispielsweise gerade an einer Kollaboration mit Supermundane. Den Stil würde ich als Street Art mit Memphis-Einflüssen bezeichnen. Selbst wenn man Memphis als Bewegung im Design nicht bevorzugt, kommt man nicht umhin diese spielerischen Designs zumindest interessant zu finden.

Hegst du auch eine Begeisterung für Mode? Was macht dir hier am meisten Spaß?
Wenn ich neue Designs entwerfe, lasse ich mich gern vom Bereich Mode inspirieren. Meinen Modestil würde ich als klassisch schlicht bezeichnen gemischt mit einem Hauch 60er/70er (nicht immer zur gleichen Zeit). Ich trage gerne mal einen A-Linien-Rock mit hohen Stiefeln und mal eine Schlaghose. Ich bin aber auch für den schlichten skandinavischen Look zu haben. Farblich halte ich mich da gerne an Nude.

Lieber Mix`n`Match oder Einheits-Look, sowohl in Sachen Interieur als auch Mode?
Definitive eher Mix and Match, zu viel von dem einem oder anderen kann überwältigend sein. Ich hab fast einen Tick was Design-Accessoires aus den 60ern und 70ern angeht. Ein Boby Storage Trolley von Joe Colombo in rot und Helit Aschenbecher in orange und braun, ergeben in einem Raum mit einem grauen schlichten Sofa und einem modernen, schlichten Teppich ein tollen passenden Mix. Eklektisch muss es sein, sonst ist es zu offensichtlich und kann dann veraltet oder einseitig wirken.

Dein größter Traum für einen Produktdesign-Entwurf?
Grenzen zu durchbrechen und dabei nicht beeinflusst zu sein, von dem was möglich ist und was nicht. Das kann sich in einer Form oder durch neue Materialien ausdrücken.

Als Senior Products Designer, woher ziehst du hauptsächlich deine Inspiration?
Ich gehe gern in Ausstellungen. Das kann eine Ausstellung im Victoria & Albert Museum sein wie zum Beispiel die Alexander Mc Queen: Savage Beauty Ausstellung oder das Museum für moderne Kunst in Stockholm, wo ich zuletzt für die Möbelmesse war. Manchmal ist es auch einfach nur ein Gefühl, eine Art Lichtblitz. Ein riesen Becher Kaffee hilft auf jeden Fall immer.

Worin bestehen deine Aufgaben als Senior Designer, sowohl im Produktionszyklus als auch im Daily Business?
Am Anfang steht immer die Recherche. Man schaut sich Zeitschrift an, pinnt fleißig auf Pinterest, macht Moodboards, besucht Messen und informiert sich allgemein, was auch Modetrends sein können. So entstehen langsam die saisonalen Themen. Zur Zeit manage ich Möbel und Polstermöbel. Das beinhaltet unter anderem die Briefs für die Saison festzusetzen und das Briefen von externen Designern. Danach geht es mehr ins Detail und spezifisch auf Projekte bezogen recherchiert man weiter. Dabei geht es um das richtige Material, das Format, die Ausführung im allgemeinen und den Look im speziellen. Der Designprozess dauert bei uns vom Brief bis zum Launch ca. 10 -12 Monate. Das kann natürlich variieren, je nachdem wie kompliziert das Produktdesign ist. Die Arbeit hört natürlich nicht mit dem Design und der darauffolgenden technischen Zeichnung auf, sondern die gesamte Produktionskette bis zum Launch wird vom Design Team mit beaufsichtigt.

Welche Möbelstücke designst du am liebsten?
Ich designe am liebsten Möbel mit minimalen aber interessanten Design-Details, die einem vielleicht erst beim zweiten Hinschauen auffallen. Sei es ein bestimmter Radius oder ein Detail wie ein kupferfarbener Schlüssel.

Was unterscheidet Möbeldesign von Interior-Design?
Interior Design sehe ich als einen mehr raus gezoomten Prozess und Produktdesign als rein gezoomt. Als Produktdesigner arbeitet man mehr Detail bezogen, wohingegen Interior Design letztendlich das Ganze zusammenbringt. Das soll aber nicht heißen, dass man das größere Ganze aus dem Blick verliert. Wir arbeiten gerne kundenbezogen und versuchen den passenden Stil für unsere Kunden zu treffen. Egal ob es ein mehr retro oder traditionell beeinflusster, oder eher minimalistischer und moderner Look ist.

Wie erfasst man Möbeltrends? In halbjährlichen Saisons?
Ja, ähnlich der Modewelt erfassen wir Möbeltrends halbjährlich. Was aber nicht heißt, dass wir uns nicht zusätzlich auch mit “Mikrotrends” befassen.

Welche Möbeltrends stehen uns bevor?
Mit mehr und mehr Menschen, die in den Innenstädten leben, steht die Funktionalität im Vordergrund. Wohnungen sind kleiner und teurer und unserer Lebensraum somit verkleinert. Daher sind Dinge die praktisch sind, dabei nicht an Ästhetik verlieren und gleichzeitig einen Hauch von Geborgenheit/Gemütlichkeit haben auf dem Vormarsch. Dieser Home-Trend zieht sich spürbar durch viele Bereiche.

Interview: Sara Teske

Bild 1: Christine Standeisky

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