Nägel wie Kunstwerke

vor 2 Wochen

Concept Stores boomen, doch dieser hier ist anders. ISLA Berlin ist ein Raum von Frauen für Frauen. Hier kannst du deine Nägel machen lassen, Streetwear shoppen, einen DJ-Workshop besuchen oder einfach nur abhängen und Musik hören. Fräulein hat sich mit der Gründerin Charissa Chioccarelli getroffen und über Business und Sisterhood, in ihrer Wahlheimat Berlin, unterhalten.

Fräulein: Du hast deinem Store nicht irgendeinen Namen gegeben. Hinter dem Namen ISLA steckt eine kleine Story. Magst du sie mir erzählen?

Charissa: Die Straße hier, in dem der Laden ist, heißt Inselstraße. Also habe ich überlegt, etwas aus diesem Wort zu machen, doch ich mochte nichts, das so simpel ist und Island oder Insel im Namen trägt. Eine Freundin, die zu der Zeit auf Mallorca war, schickte mir ein Bild auf dem das Wort Isla stand, was auf Spanisch Insel heißt. Ich mochte den Sound des Wortes und dass es so kurz und einfach ist. Dann habe ich ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass es auch ein schottischer Name ist, der ursprünglich für Jungen verwendet wurde und heute eher als Mädchenname genutzt wird. Das passt gut zum Konzept des Ladens, da ich hier Streetwear verkaufe, die an sich für Männer entworfen ist, ich sie aber vorrangig für Girls anbiete. Isla ist weder Deutsch noch Englisch und die meisten verbinden mit diesem Namen erst mal nicht viel, ich mag dieses unvoreingenomme daran.  Außerdem assoziiert man mit einer Insel einen Ort, an dem man sich gut fühlt und das möchte ich auch mit meinem Geschäft bewirken.

 

Was ist das Besondere an dem Konzept von ISLA?

ISLA ist ein Laden für Frauen, in dem nicht nur Streetwear angeboten wird sondern auch Events und Workshops stattfinden. Das Herzstück ist allerdings der Nail Salon, in dem wir außergewöhnliche und kreative Designs anbieten. Das Besondere ist, das Kundinnen auch mit ihren ganz eigenen Ideen herkommen können und wir setzen sie auf ihren Nägeln um. So etwas gibt es bislang noch nicht in Berlin und aus diesem Bedarf ist die ganze Idee zu ISLA entstanden. Ich selbst bin schon länger in verrückte Nageldesigns verliebt, hatte aber Schwierigkeiten einen Laden zu finden, der meine Wünsche umsetzt. Ähnliches gilt auch für Streetwear Shops für Frauen. Man muss immer in Shops für Männer, wo meistens auch nur Männer abhängen oder arbeiten und dann wird man auch noch häufig darauf hingewiesen, dass es hier nichts für Girls gibt. Das fand ich irgendwie nervig und dachte, das kann ich ändern.

Bei ISLA gibt es also auch Männer-Kollektionen, aber immer mit dem Hintergedanken, dass sie auch von Frauen getragen werden können. Das heißt in unseren Lookbooks zeigen wir die Sachen an weiblichen Models. Dass Frauen auch mal zu Männermode greifen ist nicht völlig neu, aber hier präsentieren wir sie in einem Kontext für Frauen. Der dritte Aspekt sind die Events, wo ich mich bemühe regelmäßige Ausstellungen, Meet-Ups, Flohmärkte oder DJ-Workshops zu organisieren. Wir haben ein CDJ Komplettset im Laden und jeder, der mag kann auch einfach mit seinem USB-Stick vorbeikommen und auflegen beziehungsweise üben.

 

Welche Brands bietest du an und für welchen Anlass kommen Girls zum Shoppen?

Ich habe angefangen mit Streetwear-Marken wie Obey, Fila oder Daily Paper. Mittlerweile kommen auch kleinere Labels, wie AllesBerlin, auf mich zu. AllesBerlin versteht sich als sexy Clubwear. Diese Mischung aus Steetwear und Clubwear funktioniert sehr gut in Berlin und das möchte ich weiter ausbauen.  Wir haben viele Girls die samstags reinkommen und sagen „Hey, wir gehen heute ins Berghain, habt ihr ein Outfit für uns?!“

 

Du hast vorher als Influencer Manager bei Zalando gearbeitet. Inwiefern helfen dir diese Erfahrungen und Kontakte heute?

Sehr. Ich habe dadurch ein gutes Netzwerk in Berlin aufgebaut, dass ich keine andere Stadt, wie zum Beispiel meine Heimatstadt Amsterdam, in Betracht gezogen habe, um einen Store aufzumachen. Außerdem habe ich auch gelernt, was mir fehlt. In einem großen Unternehmen wie Zalando musst du immer Kompromisse eingehen und aufgrund der Strukturen ein großes Stück deiner Eigenständigkeit und Kreativität aufgeben. Das ist jetzt natürlich ganz anders, wenn du dein eigener Boss bist.

 

Denkst du ein Konzept wie ISLA würde auch in einer anderen Stadt funktionieren?

Ich denke schon, aber Berlin ist momentan DIE Stadt für Concept Stores. Außerdem sind Frauen in Berlin sehr unterstützend zueinander, ich verspüre hier viel Sisterhood wie man sagen würde, was sehr hilfreich ist. Das Konzept von ISLA ist zwar besonders, aber auch nicht völlig abgehoben, sondern folgt eher einem sehr natürlichen Bedürfnis, wie ich und viele andere Girls es haben. Ich denke alle Frauen haben gerne schöne Nägel und man bekommt hier auch nicht nur verrückte Styles, sondern auch ganz klassische Designs. Das gleiche gilt für den Bedarf mehr Möglichkeiten für Frauen, die sich mit dem DJ-ing beschäftigen wollen, zu bieten. Diese Branche ist noch sehr männerlastig und neun von zehn DJ’s auf einem Line-Up sind männlich. Das ist keine Frage des Interesses, sondern liegt eher an dem verschlossenen Netzwerk in der Clubszene. Das möchte ich gerne etwas aufbrechen und Frauen an dieser Stelle supporten.

Hinter dem Kreativen steckt ja nun auch der Businessaspekt. Sich selbstständig zu machen birgt Risiken, wie bist du mit ihnen umgegangen?

Ich habe die Vorbereitung kaum als Stress wahrgenommen. Auch wenn ich einen Fulltime-Job hatte und am Wochenende für ISLA arbeiten musste, hat es mir Spaß gemacht. Erst in der Nacht vor der Eröffnung konnte ich nicht schlafen und haben realisiert, was ich gemacht habe und dass ich jetzt eine riesen Verantwortung trage. Nicht nur für mich, sondern auch für Angestellte. Eine meiner Nageldesignerin ist sogar extra von London nach Berlin gezogen. Also die ersten zwei bis drei Wochen waren sehr nervenaufreibend, aber in einem positiven Sinne.

 

Es gibt immer noch viel weniger Frauen als Männer, die ein Business gründen. Entweder, weil Investoren nicht so an ihren Ideen interessiert oder Förderungen nicht auf ihre Bedürfnisse geschnitten sind oder Banken ihnen nur eine geringere Kreditwürdigkeit zutrauen. Wie hast du das empfunden?

Ich sehe in dieser Richtung eine sehr gute Entwicklung für Frauen. Es gibt viele Initiativen die Frauen unterstützen oder Online-Marketing-Konzepte die gezielt auf selbstständige Frauen zugeschnitten sind. Aber da ist auch die Seite von Männern, an denen du vorbeimusst und die dich nicht ernst nehmen, weil du einen Nagelsalon aufmachen möchtest. Oder du diese Blicke von Älteren bekommst, weil sie dein Frauenbezogenes Konzept nicht verstehen. Im Großen und Ganzen hatte ich keine Schwierigkeiten, insbesondere weil ich einen Business Angel an meiner Seite hatte, also jemand der Erfahrung in der Unternehmensgründung hat, dieses Wissen weitergibt und dich auf deinem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt. Das war wirklich eine große Hilfe, weil er dich auf Terminen begleitet oder dir wichtige Leute vorstellt. Das war viel wert, vor allem, weil mein Deutsch nicht so gut ist und die deutsche Bürokratie eine Bitch ist.

 

Was würdest du jungen Frauen, die ihr eigenes Business starten wollen, mit auf den Weg geben?

Zu allererst: Just do it. Ich habe auch keinerlei Erfahrung bezüglich aller Aspekte der Selbstständigkeit gehabt. Ich konnte nicht mal einen Nagel lackieren. Aber es gibt nichts, was man nicht nachschlagen kann beziehungsweise findet man jede Hilfe die man braucht heutzutage Online. Man sollte nicht ängstlich sein und auf Leute zugehen können, denn das wird man müssen.

 

Was planst du momentan für ISLA?

Es werden noch eine Menge neuer Brands dazukommen. Ich muss mich noch mehr um den Online-Shop kümmern. Außerdem möchte ich gerne gesundheitsorientierte Kurse, wie zum Beispiel Yoga, anbieten. Am Ende dreht sich nämlich alles um das Miteinander bei ISLA. All Gender and Ages Welcome!

 

ISLA
islaberlin.com
contact@islaberlin.com
Inseltrasse 13
10179, Berlin
+491629741809

Interview: Miriam Galler
Fotos: ISLA

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