NEWS: Die neue Fräulein

vor 2 Jahren

Fräulein

Die Sommerausgabe der Fräulein ist im Handel.

Die neue Fräulein hat zwei Gesichter, jedenfalls was unser Cover angeht. Eines ziert die 1986 in Paris geborene und in L.A. arbeitende Musikerin SOKO, das andere die ehemalige Sängerin von Moloko, die wunderbaren Roísín Murphy. Erstere steht an der Spitze einer Bewegung junger – durchs Internet sozialisierter – Künstler, die sich nach mehr Leben, mehr echten Emotionen, Sinnlichkeit und kreativer Gemeinschaft sehnen. Letztere unterwandert schon seit Jahren mit ihren so schlauen wie eingängigen Pophymnen den Mainstream. Gehört SOKO die Zukunft des Pop, hat Murphy deren Grundlagen bereits in den späten Neunziger und Nuller Jahren gelegt. Die beiden gehören zusammen wie das Yin und das Yang! Wer wollte sich da entscheiden müssen. In der neuen Fräulein zitiert die Autorin Xifan Yang ihren Großvater mit den Worten: „Nur weil ich noch träume, bin ich so alt geworden.“ Und unser Fräulein SOKO bekennt: „My Dreams Dictate my Reality.“ Das entspricht zu 100% der Fräulein- Philosophie. Wer aufhört zu träumen, der ist schon tot. Unsere Zeit ist wahnsinnig schnell und komplex geworden. Sie lässt kaum Zeit, in sich zu gehen oder seine Gedanken wandern zu lassen. Dabei ist das Träumen essentiell. Es waren nie die Realisten, sondern die Phantasten, die die Welt verändert, den Mond und den Grund des Meeres erforscht sowie die Kunst und unser Verständnis für ein besseres Miteinander geprägt haben. Überall begegnet man heute Frauen, die gegen alle Widerstände und trotz der Schnelllebigkeit unserer Zeit das Träumen nicht aufgeben wollen und dadurch unsere Welt zu einem besseren Ort machen. Frauen wie die Musikerin SOKO, die jungen (Medien-)Künstlerinnen Rachel Rose und Britta Thie, die Autorin Xifan Yang oder auch die Tochter des großen Architekten Rem Koolhaas, Charlie Koolhaas. Sie alle sind Teil einer aufregenden und dynamischen Avantgarde des 21. Jahrhunderts, die sich daran macht, die heutige Informationsflut auf geniale Art und Weise mit dem Analogen, mit Zärtlichkeit und Körperlichkeit und einem unmittelbaren Bezug zum Hier und Jetzt zu versöhnen.

Viel Spaß beim Lesen

Ihr Götz Offergeld

 Soko fotografiert von Adam Fedderly

 Roisin Murphy fotografiert von Jon Gorrigon

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