Selbstliebe und Sisterhood nach Princess Nokia

vor 1 Monat

Zeit für einen Liebesbrief an die radikale Rapperin.

Das zweigeteilte Video zu ihrer Single „Flava“ ist ein kleiner, aber repräsentativer Schnipsel aus der gewaltigen Welt von Destiny Frasqueri a.k.a. Princess Nokia. Von intimen Tanz-, Frisier- und Smokesessions im Jugendschlafzimmer schneidet „Flava“ abrupt ins unnachgiebige Uptown-Environment; von einem bedächtigen, sanftbelichteten Monolog über Selbstliebe zu einem harten, herausfordernden Beat. Die 25-Jährige afroamerikanische Rapperin weiß, wie sie ihre radikal feministische Mission zu realisieren hat – ob mit sanfter oder gnadenloser Stimme, ob spirituell oder in Riot-Girl-Manier; stets jedoch an der Seite ihrer Freundinnen, voller 90ies-Referenzen und mit gleißendem Selbstbewusstsein.

„You don’t know what it is to be me, and I don’t know what it is to be you. That is because we are made different from each other, but all girls are meant to shine.
All girls are meant to be something special in this world, even if they’re told they’re not supposed to be … They might paint a pretty picture of your likeness but you are just as deserving. In fact, you deserve even more.“ – "Flava", Princess Nokia

Kontinuierlich Ghetto und Punk, Tomboy-Kultur und Harlem-Renaissance-Literatur, ihre Taino- und Yoruba-Vorfahren sowie Religionen wie Santería referenzierend, hat Princess Nokia spätestens mit dem Drop ihrer dritten Mixtape „1992“ bewiesen, dass sie trotz Mainstream-Erfolg und großer Social-Media-Präsenz absolut unabhängig geblieben ist. Ihr Ansatz ist und war schon immer DIY – sei es ihre intuitive Konzertkultur, ihr Genrehopping oder ihre Soundcloud-Historie: unter dem Namen Wavy $pice begann sie 2010 Tracks hochzuladen, erfuhr mit dem Lo-Fi-Banger „Bitch I’m Posh“ ihren Durchbruch und veröffentlicht dort auch aktuell noch Inhalte des bezaubernden „Smart Girl Club“ – ihr selbstgegründetes Kollektiv für „urban feminism, sexuality, relationships, spirituality, music, art, and interview[ing] people and laugh[ing] and [making] fun of myself“. Nota bene: Diese Podcast-Episode über Selbstliebe und Akzeptanz kann tränenreich werden.

Letztendlich macht es einfach unsagbaren Spaß, ihr zuzuhören. Ihre Worte sind leidenschaftlich, unverfroren, empathisch, intelligent und zugänglich – ob in Raptracks, Meditationen oder Interviews. Und es tröstet. Und bestärkt. Destiny Frasqueri sah sich schon immer als Misfit, aber in der Unkonventionalität und Imperfektion findet sie Schönheit für sich, ihre Community und ihre Sisterhood. Aus einer Bürde verwandelt sie etwas Beflügelndes, denn sie ist eine selbsternannte Bruja, eine Hexe.

 

Text: Dieu Linh Nguyen Xuan

Bilder: PR/Indigo

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