Talent: Chloe Zeegen

vor 4 Jahren

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Chloe Zeegens Geschichten klingen so poetisch wie große urbane Gedichte. Sie sind modern, witzig und lesen sich wie Butter. Trotzdem haben sie eine Botschaft. Das gibt es selten.

Nachdem Chloe Zeegen in einer bürgerlichen Familie in England aufgewachsen ist, verheiratet war und einen guten Posten hatte, brach sie aus. Sie ließ sich scheiden, zog nach Berlin und outete sich auf Facebook als Lesbe. Damit begann ihre Karriere als literarischer Internet-Star. Jetzt erzählt sie von einem freien Leben und spielt mit Emoticons, Hashtags und Sprachphänomenen. Ohne Punkt und Komma formuliert sie ihre Gedanken am Handy oder Laptop. Ihre Texte sind komponiert wie Gedichte. Reime erstrecken sich über mehrere Sätze, der Anfang einer Passage spiegelt das Ende. Das fällt vor allem auf, wenn sie ihre Texte auf ihren Lesungen frei aus dem Kopf vorträgt: „Ich sage etwas wie ich will auf meinem Bett liegen mit der Balkontüre offen und es ist warm von der Sonne im Raum und ich bin auf dem Bett neben dir und alles was ich hören kann ist die Musik die wir spielen und wie ich schreibe und die Straße vier Stockwerke tiefer.“ Zeegen umarmt Popkultur wie Philosophie. Man spürt, dass die Autorin gebildet ist – sie hat in Oxford Philosophie und Deutsch studiert – aber diese Erkenntnis wird den Lesern nicht aufgedrängt. Sie ist eine Künstlerin der subtilen Bedeutung und darum so lesenswert.

Text: Maja Hoock
Foto: Fabian Blaschke

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