Virtualität²

vor 4 Monaten

Warum nur noch Transparenz und Digitalität uns das Gefühl geben, die Wirklichkeit begreifen zu können.

 

Sharing is caring – Klingt nach der passenden Bildunterschrift für ein Portrait der Millenial-Generation. Wir teilen Alles: Wünsche, Sehnsüchte, Inspirationen… Vor allem Instagram macht es möglich, indem es als Selbstdarstellungsportal und 1-A Spionage Tool dient, mit dem sich instinktive Neugier bestens befriedigen lässt. Nun mischt sich auch die Mode noch intensiver in das Phänomen der vernetzten Welt ein und präsentiert Kollektionen, die die reale Wahrnehmung und Virtualität fusionieren.

Nachdem bereits Karl Lagerfeld seine Chanel-Models in umstrittenen Plastiklooks durch den Grand Palais liefen ließ, folgten von Céline bis Helmut Lang so ziemlich alle Designer dem PVC-Trend, um ihn in der Handschrift des eigenen Hauses zu interpretierten. Die Begeisterung um das Phänomen „Transparenz“ klingt nicht ab. Vom durchsichtigen Shopper, bis zum Yeezy Heel aus Polyaycryl – alle wollen den Durchblick haben. Und genau hier trifft sich die konsumsüchtige Gesellschaft, die nicht genug bekommt, nicht nah genug dran sein kann, auf Modedesign.

Das Phänomen Social Media ermöglicht es uns, in die Leben unserer Freunde und Idole einzutauchen, sogar einen Blick in Ihre Handtasche zu erspähen – einfach Klarheit zu haben. Die Begeisterung für den digitalen Nacktscan klingt nicht ab. Was zum einen vermutlich an wirtschaftliche Skandalen und Betrug der Gesellschaft festzumachen ist. Zum anderen spielen eine ungewisse Zukunft und politische Zitterpartien eine Rolle. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wir entscheiden wir uns gegen versteckte Überraschungen.

In Couture Haus Maison Margiela beschäftigte sich erst kürzlich der Creative-Director John Galliano mit dem Enigma von Virtualität und Wirklichkeit. Er stellte Entwürfe zur Schau, die beim anblitzen mit der Smartphone-Kamera holographische Prisma-Reflektionen aufzeigten. Designs aus dem Hause Margiela führen unangefochten die Spitze innovativen Designs an. Und so hat auch die Artisanal Show den technologischen Battle zwischen Auge und Screen und die komplexe Problematik der Wahrnehmung zum Fashion-Thema gemacht.

Text: Berit Warta
Bilder: PR Maison Margiela

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