Buchtipp: Fernab der Zivilisation

vor 7 Monaten

Vor etwa 30 Jahren zieht Ariane Golpira mit ihrer fünfjährigen Tochter Gisa aus Deutschland in den peruanischen Dschungel und arbeitet dort gemeinsam mit ihrem Freund als Goldgräberin. Jetzt blicken beide zurück auf ihr Leben in der Wildnis. „Dschungelleben“ ist eine sonderbar schöne Lebensgeschichte. 

„Worüber hatte ich mir zuletzt eigentlich Gedanken gemacht? Dass mein Handgepäck auf der Flugreise nach Peru geklaut worden war? Ob ich mich nach der Scheidung wieder auf einen Mann einlassen wollte? Nichtige Gedanken, gemessen an dem, was sich hier ereignete.

Ich verschmolz geradezu mit der Heiligkeit dieser Natur. Es war ein Gefühl, als hätte ich eine Kathedrale betreten. Gläubig war ich nie gewesen, hier aber hatte ich zum ersten Mal im Leben den Eindruck, es gäbe doch einen Gott und ich wäre ihm ganz nah. Der Urwald war mächtig und er hatte mich in seinen Bann gezogen.“ (aus dem Prolog, Dschungelleben)

Als Model lernt Ariane Golpira Anfang der 1990er Jahre Designer und Goldgräber Michael kennen. Nach fünf Monaten Beziehung fliegt sie mit ihm nach Peru. Nur drei Wochen später meldet sie ihre Tochter vom Kindergarten ab und beschließt, nach Peru zu ziehen um dort als Goldgräberin zu arbeiten. Es wird die wichtigste Entscheidung, die Ariane in ihrem Leben trifft und auch die mutigste.

Bei ihrer ersten Expedition – 27 waren es insgesamt – ist sie 31 Jahre alt. Fast 30 Jahre bleibt sie und obwohl sie heute aus u.a. gesundheitlichen Gründen zurück in Deutschland ist, hat sie ihre Lebensreise im Dschungel noch nicht beendet. Es ist der Ort, wo sie wahres Glück findet, wo sie mit Tochter Gisa lernt, mit Tieren zu kommunizieren, Geräusche zu deuten und Schatten zu lesen. Und es ist der Ort, an dem sie lernt, für Gerechtigkeit zu kämpfen und die erschreckenden Konditionen des Goldabbaus kennen lernt. 

Das Buch erscheint am 12. Mai 2020 im Riva Verlag. 

Ariane Golpira, aus dem Prolog:

„Dass Goldabbau auch Kinderarbeit, Sklaverei und Zwangsprostitution bedeuten konnte, ganz abgesehen davon, dass dafür ganze Berge abgetragen werden mussten und so ebenfalls hochgiftiges Zyanid zum Einsatz kam, das ins Grundwasser sickerte und Unbeteiligten großes Leid zufügte, wurde mir erst hier richtig bewusst. Ich war fassungslos dass man das einfach so hinnahm, dass der Einsatz von Quecksilber sogar noch gefördert wurde. Von Gold würden die Menschen auch weiterhin fasziniert sein. Wenn man ihnen also den Rohstoff anbieten konnte, ohne dabei die Natur, aus der man ihn entnahm, zu schädigen, dann wäre das vielleicht doch ein Schritt in die richtige Richtung. Als Michael mir zuvor gesagt hatte, entscheidend für ihn sei, im Urwald leben zu können, nicht das Geld, das er dort mit der Goldgeeinnung verdiente, hatte ich ihn nicht so recht verstanden. Was genau zog ihn in die Wildnis? Jetzt aber spürte auch ich die enorme Anziehungskraft dieses Ortes auf unserem wunderschönen Planeten. Hier wollte ich bleiben. Nicht nur für einen Urlaub, sondern länger. Und nicht aus Habgier, sondern um im Einklang mit der Natur mein Leben zu bestreiten, zu fühlen, was Leben im ursprünglichen Sinn bedeutet.“

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