„Das Brunch ist ein Erlebnis, kein Pop-up-Café“

vor 3 Jahren

Brunchen ist ein Trend, der endlich wieder nach Deutschland zurückkehrt. Ein Feldzug des guten Essens, der nach dem Aufstehen beginnt und das Potenzial hat, den ganzen Tag zu bestehen.

Frühstück geht nur vormittags? Nicht bei Das Brunch. Xenia und Sophie von Oswald stellen den Trend in den Fokus ihres Events, lassen kulinarische Einflüsse aufeinandertreffen und Ländergrenzen auf dem Gaumen verschmelzen. Jede Saison schaffen sie für einen Tag den Raum für Magie, die sich in Form von besonderen Gerichten, einer einzigartigen Location und der Zusammenarbeit mit jungen, interessanten Menschen zeigt. Das Brunch ist eine Bühne für pochierte Eier und Gewürze aus Nahost in den Hauptrollen, die alle Sinne anspricht, Ruhe vermittelt, Genuss zelebriert. Fräulein hat mit den Schwestern darüber gesprochen, was wirklich gutes Essen ausmacht und herausgefunden, warum Brunchen viel mehr als ein Trend ist. 

Wie kam es zu Das Brunch? Was hat euch in Deutschland gefehlt?
Sophie: Wir sind in Australien aufgewachsen und wollten die dort viel weiterentwickelte Frühstückskultur nach Deutschland holen. Es war uns vor allem wichtig, das Event mit besonderen Orten in Berlin zu verbinden. Wir veranstalten Das Brunch einmal in der Saison und entwickeln zur Jahreszeit passende Rezepte. Es ist viel mehr ein Erlebnis als ein Pop-up-Café.
Xenia: Sophie hat Das Brunch vor etwa zwei Jahren mit ihrer Freundin Julia ins Leben gerufen. Ich war damals noch in London, bin aber miteingestiegen, als ich nach Berlin gezogen bin. In Deutschland fängt der Brunch-Trend jetzt wieder richtig an. Wir kennen das noch aus Sydney und Melbourne, dass man am Wochenende spät aufsteht, Sport macht und sich danach mit Freunden zum Frühstück trifft.

Habt ihr einen besonderen Bezug zu den Locations?
Sophie: Richtige Kriterien haben wir nicht, aber die Location muss auf ihre Art einzigartig sein. Wenn uns die Atmosphäre oder die Geschichte des Ortes gefällt, ist es erst einmal egal, ob es eine Küche gibt oder nicht. Wir haben schon alles mitgemacht (lacht).

Die Wahl des Ortes hebt euch wahrscheinlich am meisten von herkömmlichen Cafés ab.
Sophie: Absolut. Die Leute kommen nicht nur zum Essen zu uns, sondern bleiben teilweise den ganzen Tag. Sie genießen ihr Frühstück, relaxen in den Sitzecken und nehmen sich richtig Zeit, die Stimmung aufzusaugen. 

Wie schafft ihr diese Wohlfühl-Atmosphäre?
Xenia: Der Platz spielt eine große Rolle. Bei uns haben die Leute nicht das Gefühl, dass hinter ihnen schon die nächsten Gäste stehen und auf ihren Tisch warten.
Sophie: Außerdem achten wir sehr auf die Ästhetik und arbeiten dafür immer mit verschiedenen Leuten zusammen. Dieses Mal helfen uns zum Beispiel die Mädels von Salty (S.alt Design Co., Anm. d. Red.), einer neuen Interior-Styling-Firma. Es hat sich über die Jahre ein großes Netzwerk entwickelt, dass wir jetzt unter einem Dach präsentieren können.
Xenia: Bei uns werden mehrere Ebenen verbunden: Ein Event mit leckerem Essen, guter Musik und der Möglichkeit, junge Berliner Unternehmen, Händler oder auch Produzenten kennenzulernen.

Damit zieht ihr bestimmt viele Hipster an, oder?
Xenia: Das Publikum ist je nach Locationwahl sehr gemischt, wobei schon viele junge Leute vorbeikommen.

Das Brunch findet ja nur einmal in der Saison statt. Wie läuft die Planung ab?
Sophie: Wir fangen etwa zwei Monate vor dem Event an, die Location zu suchen. Zu Anfang war es sehr schwer, die Menschen von Das Brunch zu überzeugen. Es hat oft ewig gedauert, bis sie verstanden haben, was wir genau machen. Jetzt ist es viel einfacher, weil wir schon bekannter sind und die Leute Lust auf eine Zusammenarbeit haben.
Xenia: Unsere Gerichte sind saisonal ausgerichtet und wir arbeiten immer mit frischen Produkten. In der Kombination der Zutaten versuchen wir, neue Geschmackswelten zu schaffen. Wir bringen viele persische Einflüsse ein, weil unsere Mutter aus dem Iran kommt und uns das Kochen beigebracht hat. Die Rezepte testen wir fünf bis sechs Mal und experimentieren so lange, bis es perfekt ist.

Klingt nach einem aufregenden Prozess.
Sophie: Durch unsere persische Mutter haben wir einen starken Bezug zur Middle-Eastern-Küche und nicht wirklich zur deutschen. Ich finde zwar viele Gerichte lecker, aber mir fehlen die Gewürze und Kräuter. Es gibt aber viele Restaurants in Berlin, die klassische deutsche Rezepte interpretieren und zum Beispiel Königsberger Klopse einen neuen Twist geben. Trotzdem schätzen wir das Essen aus dem asiatischen Raum mehr. Zutaten wie Rosenblätter oder Orangenblütenwasser sind einfach magisch.

Ist ein normales Frühstück bei euch genauso aufwendig?
Xenia: In der Woche gibt es bei uns oft nur eine Banane auf die Hand. Wenn wir aber Zeit am Wochenende haben, fangen wir gerne erst um 12 Uhr mit dem Frühstück an und machen uns zum Beispiel pochierte Eier auf Brot. Wir stehen grundsätzlich mehr auf salzige Sachen (lacht).

Genau wie du sagst, greifen viele Menschen im Alltag zum Frühstück to-go. Soll Das Brunch eine Entschleunigung schaffen?
Xenia: Für uns war es immer wichtig, unsere Familie oder Freunde zu treffen und sich Zeit zum Essen zu nehmen. Mit dem Event wollen wir die Menschen zusammenbringen und einen Tag des Genusses schaffen. In der Woche hat man oft nicht die Zeit dafür, am Wochenende sollte man sie sich aber nehmen.
Sophie: Die Menschen nehmen dadurch das Essen auch wieder bewusster wahr. Es findet eher eine Auseinandersetzung mit dem statt, was auf ihre Teller kommt.

Könnt ihr euch vorstellen, Das Brunch noch größer aufzuziehen? Oder kommt Qualität vor Quantität?
Sophie: Auf jeden Fall kommt die Qualität zuerst. Wir brauchen aber auch die zwei Monate pro Saison zur Planung eines Brunch Events. Es ist sehr viel Zeit, die wir neben unseren Jobs für Das Brunch aufwenden. Außerdem finde ich es schön, dass es nicht so oft stattfindet, sondern jede Saison ein Knaller wird. Es soll etwas Besonderes bleiben.

Das Brunch findet am Samstag (10. Dezember) von 10 bis 18 Uhr im Refugio Café Berlin statt.

Interview: Louisa Markus
Bilder: Rebecca Crawford, PR

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