Der Look der Voodoo-Barbie

vor 5 Jahren
 

 

getImageNicki Minaj hat mit ihrem Erscheinen einen Style neu definiert. Zumindest in der amerikanischen Rap-Szene. Jetzt verkauft sie diese Mode – und sie ist nicht mal schlecht.

Minaj kam und spätestens ab diesem Zeitpunkt waren Frauen in R&B-Videos nicht mehr nur hübsch und sexy, sondern mehr: Die Sängerin inszeniert sich selbst  als Freak-Diva. Sexy ist sie dabei trotzdem. Ihre 1,57 m Körpergröße pusht sie mit Stilettos auf 1,70 m und den runden „Bubble Butt“ stellt sie in Leggins oder Bleistiftröcken zur Schau. Diese Röcke kann man sich jetzt auch nach Buxtehude bestellen.

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Die Mode der „Harajuku Barbie“, wie eines der 15 Alter Egos Minajs heißt, kann jetzt also jeder tragen, denn sie hat eine eigene Linie herausgebracht. Darunter finden sich viel Statement-Kleidung, Ghetto-Look und etwas Seapunk: Handtaschen mit Schlagring-Griff, Dreiecke in allen Variationen und Caps mit Nieten und Ketten. Minajs Barbie-Anspielungen sind also durchaus ironisch zu verstehen: Als Onika Maraj auf Trinidad geboren und nun als Rapperin und R&B-Sängerin in den Staaten erfolgreich, ist sie eine Mischung aus platinblonder Realdoll und schwarzer Voodoo-Zauberin. Sie vereint das zugespitzte westliche Schönheitsideal der hübschen Puppe mit dem der runden „Big Mama“ aus Trinidad. Heraus kommt eine Mischung aus süßem Mädchen und Gangsterbraut aus Harlem. So ist die Kunstfigur ein in sich vereinter Gegensatz, der sie so viel spannender macht, als eine bloß kostümierte Lady Gaga. „Niemand ist einfach nur schwarz oder weiß“, sagt sie. „Es gibt so viele Schattierungen dazwischen.“

http://www.youtube.com/watch?v=DaFGumABaEc

Die 31-jährige Minaj ist in den USA extrem populär, saß in der American Idol Jury, verkauft ihr eigenes Parfum und hat teilweise zehn Millionen Youtube-Klicks. Umso erstaunlicher ist, dass sie in Europa so wenig Beachtung findet, vergleicht man ihre Medienpräsenz mit den langweiligen Skandal-Tussies, die unsere Pop-Nachrichten bestimmen. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie sich musikalisch zwischen harmlosen Großraumdisko-Songs (Starships, Alarm) und eben künstlerisch interessanten, obskuren Rap-Stücken bewegt. Diese muss man suchen, aber es lohnt sich nicht zuletzt wegen der zugehörigen Videos. In „Massive Attac“ etwa windet sich Minaj als Dschungel-Kämpferin wie ein tollwütiger Panther auf dem Boden und in „Monster“ taucht sie mit Reitgerte auf (Minajs Alter Ego „Roman Zolanski“) und kündigt ihrem Opfer (Minajs Alter Ego „Harajuku Barbie“) an: „I’ll eat your brain“. Sie rappt dabei in einer seltsamen Tonlage, schnell und leiernd wie der Gebetsgesang einer durchgedrehten Priesterin. So muss man die Kunstfigur Minaj als zwei Personen betrachten: Die Geldmaschine und die Künstlerin, die es mit ihrem rhythmischen Gesang schafft, wirklich interessante Stimmungen zu erzeugen. Ob man nun gleich ihre Leoparden-Leggins tragen muss, bleibt dahingestellt. (M. Hoock)

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