Fearless Futurists: Im Gespräch mit Franka Marlene Foth

vor 6 Monaten

„Ohne Tanzen und Musik geht gar nichts. Ohne Bewegung werde ich depressiv. Ich muss meinen Körper immer spüren. Ganz bewusst.“ – Franka Marlene Foth 

 

Franka Marlene Foth ist Tänzerin, Choreografin, Performance-Kuratorin und Pionierin neuer Ausdrucksformen und Community-Building. Mit ihrem Kollektiv gibt sie der Berliner Contemporary Tanz- und Club-Kultur eine neue Stimme. Nike Air hat sich zum Ziel gesetzt, unbesungene Held*innen wie Forth zu vereinen um gemeinsam die kulturelle Zukunft mitzuprägen und zu gestalten. In Zeiten von COVID-19 wird dies zu einer Mission, von der wir alle lernen können. Jetzt ist die Zeit, Visionen für eine bessere Zukunft zu entwickeln. Fräulein sprach mit der Berliner Künstlerin: Warum Tanz ein Urinstinkt ist und warum wir in Quarantäne-Zeiten alle Tanzen und Masturbieren sollte.

 

Fräulein: Erinnerst du dich an dein erste Paar Nike Sneaker?

Franka Marlene Foth: Ja ich erinnere mich ganz genau. Es war ein Nike Cortez, weiß mit goldenem Swoosh. Ich denke das war ca. 1997/98. Die Cool Kids aus Wedding trugen den Nike Air Max 97. Ich musste meine Mama lange dazu überreden, sie mir auch zu kaufen. Schuhe haben eben damals gezeigt, welcher Gang du angehörst. Ist ja eigentlich irgendwie immer noch so. Der Air Max 90 kam dann ein bisschen später, zu der Zeit habe ich dann mehr in Kreuzberg abgehangen. Dort war das auf jeden Fall DER Schuh. Er gehörte zum Lifestyle, sowohl die Sprüher- als auch die Club-Szene trug ihn. Und auch ich habe ihn getragen, bis mein Zeh vorne raus kam.

Der beste Nike-Sneaker zum Tanzen?

Früher habe ich zum Training Nike Air Max 180, Nike Dunks oder Shox getragen. Heute Trainiere ich ja meistens barfuß.

Der ikonischste Nike-Sneaker?

Airforce 1. Aber wenn man aus Berlin Wedding kommt, so wie ich, dann tatsächlich auch NIKE TN. Dass die wieder in sind, hätte ich nie gedacht!

Schon mal einen Nike-Sneaker customizen lassen?

Nein, leider nicht!

Was ist deine ganz persönliche Konnotation wenn du an Nike denkst, v.a. als Tänzerin?

Ich verbinde eigentlich meine ganze Tanzlaufbahn mit Nike. Mein ganzes Leben verbringe ich ja schließlich sowieso in Trainingsklamotten und wenn man als Tänzerin in den 2000ern aufgewachsen ist, war Nike einfach ein Muss. Es war der Dressscode schlechthin für Tänzer*innen und ich haben diesen seither nie abgelegt. Die Nike Women Kampagne mit Sofia Boutella damals war ein totaler Ansporn und eine große Inspiration. Ich kann mich sogar an ein Nike Woman Tanz-Casting erinnern, an dem ich teilnahm. Das war glaube ich 2006.

Erzähl uns mehr über deine Nike-Kollaboration: Wie kam sie zustande?

Nike hat mich vor ca. eineinhalb Jahren kontaktiert, weil sie meine choreografische Arbeit toll fanden und mich als Künstlerin mit meinen Projekte supporten wollten. Das haben sie bis jetzt auch ganz hervorragend umgesetzt. Die Zusammenarbeit bedeutet für mich wirklich viel. Sie ist eine Wertschätzung meiner Kunst und eine Anerkennung als Athletin, was mir wiederum eine noch größere Reichweite ermöglicht.

Hat sie in unserer jetzigen Krisenzeit eine noch größere Bedeutung für dich gewonnen?

Ja, in Zeiten von social bzw. physical distancing ist es finde ich besonders wichtig, kreativ zu bleiben, neue Wege zu finden seine Kreativität auszuleben, umzudenken, andere, neue Potentiale zu entdecken und sich neu zu erfinden. Es ist auf jeden Fall eine Challenge, aber das bin ich in meinem Beruf gewohnt. Ich finde es wichtig, dass man sich mental unterstützt und so die Community fördert.

Wie kann Tanz oder Sport uns in Zeiten wie diese helfen?

Sport zu treiben oder zu tanzen öffnet einem einfach noch viel mehr Möglichkeiten. Es öffnet den Körper, den Geist und bringt einen weg von der Kopflastigkeit, die oft unser Leben bestimmt. Auch tritt einfach eine ganz andere Achtsamkeit ein, wenn man sich seines Körpers wirklich bewusst wird und ihn auch einsetzt. Nike unterstützt mich auch hier, meine Ideen zu verwirklichen und ermöglicht es mir, weiter zu arbeiten. Dadurch fühle ich mich gesehen und bin wirklich sehr dankbar.

Wann hast du angefangen zu tanzen und Unterricht zu nehmen? Und wo hast du Tanz gelernt?

Ich habe mit sieben Jahren angefangen zu tanzen und nie mehr aufgehört. Ich habe an allen möglichen Tanzschulen in Berlin trainiert und so viele Klassen wie möglich genommen. Jeden Tag bin ich direkt nach der Schule zum Training. Ich bin zu allen Workshops gegangen und habe immer versucht, alles mitzunehmen.

Mit welchem Tanzstil hast du begonnen und welche hast du zusätzlich probiert oder gelernt?

Ich habe mit Ballett und Streetdance angefangen. Dann habe ich jahrelang als HipHop und House Tänzerin Meisterschaften getanzt und relativ schnell meine ersten Jobs als Background-Tänzerin bekommen. Jazz, Contemporary, Popping, Locking…es war alles dabei.

Gibt es einen Tanzstil, mit dem du gar nichts anfangen kannst?

Selbst wenn, würde ich das hier nicht sagen, denn solange die Menschen tanzen und dabei Spaß haben, ist doch alles gut!

Was ist deine schönste Tanzerinnerung?

Die schönsten Momente sind die, wenn man endlich auf der Bühne steht und ein Projekt realisiert. Oder auch einfach ein richtig erfüllendes Training hatte, und das dann mit seinen TanzkollegInnen teilen kann. Der Zusammenhalt und das unglaubliche Gefühl von Einheit, das Teilen einer Passion, welches alle Tänzer verbindet, ist schwer zu beschreiben. Aber das ist tatsächlich das absolute Hoch.

Was sind deine schlimmsten Tanzerinnerungen?

Schlimm ist es, wenn man Verletzungen hat und nicht auf seinem normalen Level trainieren kann und nicht weiß, ob der Körper sich regeneriert.

Welche Musik-Richtung inspiriert dich am meisten beim Tanzen?

Das wechselt immer wieder, je nach Stimmung. Ich höre wirklich ALLES.

Beschreibe uns, was Tanz und Bewegung für dich bedeutet.

Adrenalin, Endorphine , das beste der Welt. Ohne Tanzen und Musik geht gar nichts. Ohne Bewegung werde ich depressiv. Ich muss meinen Körper immer spüren. Ganz bewusst. Tanzen ist sehr wichtig für mein mentales und körperliches Wohl. Das kommt aber auch einfach so aus mir herraus, schon immer. Ich denke Tanzen ist fast etwas wie ein Urinstinkt des Menschen. Deswegen gehen ja alle in Clubs tanzen. Wir brauchen das!

Kannst du das Gefühl beschreiben, was mit deinem Körper passiert, wenn du anfängst zu tanzen?

Schwierig. Irgendwie ein Auflösen von allem anderen. Als wäre Tanzen das einzige was Sinn macht, ohne einen speziellen Sinn zu ergeben.

Wie würdest du mit ein paar Worten den menschlichen Körper beschreiben?

Flexibel, wandelbar, anpassungsfähig. Nicht sonderlich schön, wenn man ihn mit der Tierwelt vergleicht 🙂

Wie lang war deine längste Choreografie bis jetzt?

2 Stunden.

Und deine kürzeste?

1 Sekunde.

Deine emotionalste Choreografie?

Jede Choreografie ist emotional. Weil sie immer ganz instinktiv und intuitiv aus mir herauskommt.

Was verbindet all deine Choreografien?

Ich denke eine gewisse eigene Ästhetik und die Symbiose mit der Musik.

Was macht einen guten Tänzer aus? Wie wird man zu einem erfolgreichen Tänzer?

Ein guter Tänzer zeichnet sich durch seinen Drive aus, seine Präsens und seine Vielseitigkeit bezogen auf Tanzstile, denn dadurch entwickelt sich seine ganz persönliche Note. Um erfolgreich zu sein sollten Tänzer aufhören, untereinander zu werten. Man sollte offen bleiben und darf nie aufhören, sich weiter zu entwickeln und sich von anderen inspirieren zu lassen.

Was macht einen guten Choreografen aus?

Ein guter Choreograf sollte stets eine eigene Vision haben. Ich halte nichts von Nachahmen.

Du magst es, Tanzstile zu mixen um daraus deinen eigenen zu kreieren. Wie würdest du deinen eigenen Tanzstil beschreiben?

Experimentell, multi-dimensional.

Erzähl uns mehr über dein Kollektiv FMKF 030: Wann und warum hast du es gestarted?

Ich wollte schon lange eine Tanz Company gründen. Leider finde ich diesen Begriff irgendwie veraltet und glaube, dass es Tänzer, zumindest vom Gefühl her, einschränkt. Da ich mit vielen verschiedenen Künstlern, Tänzern, Musikern, Sound Designern, Sängern, Visual Artists, Fashion Designern etc. arbeite, wollte ich etwas Unverbindliches schaffen. Deswegen nenne ich es Kollektiv. Keiner muss fest dabei bleiben. Es gibt schon einen Kern an festen Leuten, aber ich möchte eine ständige Neuentfaltung von Künstlern und künstlerischem Austausch, von Ideen und Inspiration fördern.

Wie würdest du die heutige Vision des Kollektivs beschreiben?

Authentische Kreativität in so vielen verschiedenen Bereichen wie möglich umsetzen, darbieten und fördern.

Wer sind deine Collaborators?

Die Collaborators sind immer wieder neue, inspirierende Menschen, Künstler, Brands, die passend und projektspezifisch ausgewählt werden.

Gibt es eine inspirierende Tanzikone in deinem Leben?

So viele, aber wenn ich mich entscheiden muss: Michael Jackson. Is klar.

Und eine Stil-Ikone?

Mama 100%

Das Thema der neuen Ausgabe der Fräulein ist „Geburt“. Inwiefern kann Tanz eine Widergeburt darstellen?

Ich glaube jedes Mal wenn ich tanze bzw. bei jedem Projekt, jeder choreografischen Arbeit, findet eine Art Wiedergeburt statt. Ich versuche mich immer neu zu erfinden. Es ist jedes Mal wie eine Häutung. Danach ist man immer ein bisschen jemand anderes und bricht auf zu neuen Ufern, in unbekannte Sphären.

Deine Top 5 Tipps für die Quarantäne?

  1. Mit sich selbst beschäftigen, aber mal richtig 😉
  2. Musik hören so viel es geht
  3. Mit Freunden telefonieren und sich mal richtig austauschen. Soziale Kontakte pflegen for real.
  4. Bewegen, Bewegen, Bewegen, Masturbieren

 

 

Text: Sina Braetz

Foto: Nicola Rehbein

 

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