Filmtipp: Appropriate Behavior – Das Regiedebüt von Desiree Akhavan 

vor 3 Jahren

Bildschirmfoto 2015-06-09 um 14.47.50

Desiree Akhavan zählt zu den spannensten Schauspiel- und Regietalenten aus den USA. In ihrem Regiedebüt erzählt sie augenzwirkend von Trennungsschmerz und der verflixten Suche nach der eigenen Identität.

Fans der HBO-Kultserie GIRLS dürften Desiree Akhavan bereits von ihrem Gastauftritt in der 4. Staffel kennen, wo sie Hannah Howarths (Lena Dunham) angriffslustige Kommilitonin Chandra spielte. Mit ihrem Regiedebüt „Appropriate Behavior“ will Akhavan jetzt die Filmwelt umkrempeln und wird bereits als der neue, weibliche Woody Allen gehandelt.

Zur Story: Ein Paar trennt sich und die weibliche Hauptfigur Shirin, von Desiree selbst gespielt, steht mit einem Mal vor den Scherben ihrer einstigen Beziehung. Dabei ist die Endzwanzigerin an ihrer Misere selbst nicht ganz unschuldig, denn die Amerikanerin mit iranischen Wurzeln ist bisexuell, was sie ihren Eltern aber bisher konsequent verheimlicht hat – selbst als Shirin schon längst mit ihrer (Ex-)Freundin Maxine (Rebecca Henderson) zusammenlebt. Klar, dass die Herzdame das irgendwann nicht mehr mitspielen will und mit Sack und Pack die gemeinsame Wohnung verlässt.

Die Folge ist der Versuch Shirins sich wieder aufzurappeln, herauszufinden, wer sie eigentlich ist und was sie vom Leben erwartet. Hin- und hergerissen zwischen ihrer muslimischen Herkunft und der eigenen sexuellen Orientierung versucht die neurotisch bis chaotisch veranlagte Großstädterin ihren Platz in der Welt zu finden. Das sorgt an ein oder anderer Stelle nicht nur für einen spontanen Lacher, sondern erinnert spätestens dank der langen Spaziergänge durch Brooklyn an die Bildsprache von Woody Allen oder auch Lena Dunham, mit der Desiree Akhavan auch das Studium am renommierten Smith College in Massachusetts verbindet.

Appropriate Behaviour

Doch bei allen Parallelen zu ihrer eigenen Person liefert Desiree Akvahan mit ihrem Film, der 2014 auf dem Sundance Film Festival Premiere feierte, kein rein autobiographisches Werk. Das zu betonen, ist ihr wichtig. Natürlich ging es ihr zwar von Anfang an darum die eigene Bisexualität mit ihrer iranischen Abstammung und den allgemeinen Problemen der Erwachsenwerdens zu thematisieren. Doch Akvahan tritt für ihren Film einen Schritt zurück, betrachtet alles aus der Distanz heraus und transportiert das Ganze schließlich in eine fiktive Geschichte. Zwar war auch ihr eigenes Outing anfangs nicht leicht für die Familie, Doch heute hat die Regisseurin wieder ein sehr enges Verhältnis zu den Eltern, die am Set deshalb auch mal schnell die Rolle des Kabelträgers oder des Caterers übernehmen.

Appropriate Behavior ist unbedingt sehenswert, denn selten wurde so humorvoll erzählt, wie wir mit unseren eigenen Spleens und Neurosen klar kommen können, ohne uns selbst in Frage zu stellen. In Deutschland läuft Appropiate Behavior seit dem 14. Mai in den Kinos. Wo der Film läuft, kann man hier sehen.

Text: Laura Sodano

Bilder via Pro Fun Media

Verwandte Artikel