Highlights der Haute Couture Schauen in Paris

vor 5 Jahren

Seit vergangenem Sonntag werden in Paris die Frühjahrs-Haute-Couture-Kollektionen gezeigt. Hier kommen unsere Höhepunkte aus der Welt der tausendstündigen Handarbeit und sechstelligen Klamottenpreise.

Anders als bei der Prêt-à-Porter werden letztere nicht mit einem Jahr Vorlauf bis zum Verkauf in den Geschäften vorgestellt. Haute Couture Kleidung wird ausschließlich auf Privatbestellung und maßangefertigt hergestellt. Mit Haute Couture assoziieren wir zunächst aufwendige Handarbeit, bis ins kleinste Detail, die vorrangig in Abendkleidung umgesetzt wird. Dass Haute Couture nicht gleich Haute Couture ist, soll unsere Analyse, die die Schauen der letzten Tage Revue passieren lässt, zeigen.

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Maison Margiela Couture by John Galliano

Während die ersten Looks der Haute Couture Kollektion für dieses Frühjahr von John Galliano für Maison Margiela verhältnismäßig tragbar aussahen, wirkte der zweite Teil wie eine Symbiose aus Vivienne Westwood und David Bowie. Make-up- und Haar-Styling waren hier ganz nach John Gallianos üblichen Geschmack. Die ersten Models hingegen trugen Frisuren, die der der südafrikanischen Sängerin Yolandi der Band Die Antwoord ähnelten. Highlight der Kollektion waren die kniehohen Stiefelvariationen mit etwas weiterem Schaft und Lackapplikationen auf Wildleder oder Kollagenprints, wie man sie aus früheren Maison Margiela Saisons auf Boots kennt. Und auch in einer Haute Couture Schau fand die Oversize-Bomberjacke, für dessen Bekanntheitsgrad das Hypelabel Vêtements zuständig ist, einen Platz.

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Valentino Couture

Die Valentino Haute Couture Frühjahrskollektion hätte auch der Garderobe Helenas von Troja entstammen können. Bodenlange Kleider, Empire-Taillen, fließende Samt- und Seidenstoffe mit Plissée und aufwendigen Bestickungen. Königlichen Farben wie Gold, Rubinrot, Smaragdgrün, Saphirblau und ein edles Cremeweiß erinnern ebenso an orientalische Königshäuser und das frühe Byzanz. Betrachtet man den Arbeitsaufwand bei Herstellung der Kleider, spielt diese Kollektion ganz oben in der Haute Couture Liga mit. Die teuersten Highlights von Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli sind wohl die Umhängemäntel aus Brokat-Patchwork, feinster Seide und besticktem Organzastoff, teils mit Nerz gefüttert. Auch der Goldschmuck mit Schlangenmotiven für Oberkörper und Haar greift Referenzen aus der Antike auf. So stellt man sich wahre Haute Couture vor.

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Christian Dior

Es ist die erste Couture Kollektion, die ohne Raf Simons Leitung entstand. Insgesamt wirkt die Kollektion unspektakulär, gar wirr. Fast möchte man behaupten, es gäbe keinen roten Faden. Auch assoziiert man die insgesamt 62 Looks nicht gleich auf Anhieb mit Haute Couture. Laut Lucie Meier und Serge Ruffieux, Head Designer bei Dior seit Rafs Abschied im Oktober letzten Jahres, hingegen weisen auf die moderne Pariserin hin, die spontan und unkompliziert ist. Einer der wenigen Hingucker sind die aufgestickten Maiglöckchen, einst Christian Diors Lieblingsblume, Symbole.

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Atelier Versace

Bei Atelier Versace, der Eröffnungsschau der Haute Couture Kollektionen vergangenen Sonntag, gab es gewohnt viel Haut zu sehen. Asymmetrische Schnitte, Laser-Cutout-Muster und Schlitze, die das Bein fast bis zum Hüftknochen freilegen, zieren und bedecken die teils braungebrannten teils sehr blassen Körper von Rosie Huntington-Whitley, Natasha Poly, Irina Shayk, Iselin Steiro, Julia Stegner, Lena Hardt, Jamie Borchert, Gigi Hadid, Mariacarla Boscono oder Behati Prinsloo bedürftig. Die Silhouetten und Hair und Make-up während der Schau sind auch diese Saison ein Ebenbild Donatella Versaces, die ihre Wespentaille und blondiertes Extension-Haar stets zur Schau trägt. Es entsteht der Eindruck, dass Versace es nicht nötig hat sich neu zu erfinden oder anderweitig inspirieren zu lassen. Andererseits ist die Marken-DNA von Versace so stark verankert, dass sich eine Neuausrichtung der Kollektionen allein durch eine Abdankung Donatellas als realistisch erweist. Derweil darf sich die grazile, hochgewachsene Dame mit Traumkörper und entsprechenden Show-Auftritten auf ihrem Terminkalender an verrucht-aufreizender Eveningwear erfreuen.

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Viktor & Rolf

Das Amsterdamer Duo blieb sich ganz seiner avantgardistischen Linie treu. Eine Kollektion ganz in weiß gehalten, die eher dem Resultat einer Bastelstunde glich. Großformatige, expressionistische Gesichter und Charaktere, die an Fido Dido erinnern, und Kragen- und Kopfaufsätze, die dem ganzen einen Hauch von Karnevalsköstum verpassten. Nichtsdestotrotz gilt großes Lob für die Detail- und Konzeptarbeit von Viktor & Rolfs Haute Couture Frühjahr 2016 Kollektion. Die langen Stunden der Schnittemacher mag man sich hier nicht vor Augen halten wollen. Kontrastprogramm boten die klassischen Dr.Martens, die jedes der Modelle zu ihrem weißen Look in schwarz trug.

Chanel Haute Couture Spring 2016 from Off One’s Rocker on Vimeo.

Chanel

Betrachtet man die Anzahl der Shows, die Chanel innerhalb eines Kalenderjahres austrägt, kann man schnell glauben, dass auch ein Genie irgendwann ausgelaugt sein muss. Eigentlich zeigt Karl Lagerfeld gefühlt fast jeden Monat eine Show, denn die einzigen Monate, in denen es keine Schau gibt, sind neben der Sommerpause von Juli bis September der Februar, April und November. Hinzu kommt, dass jede der Shows mit einer hohen Anzahl, zwischen 70 und 90, an Looks stattfindet. Auch in der Haute Couture Frühjahr 2016 Kollektion kommen die unverkennbaren Chanel Tweed-Kostüme mit goldener Knopfleiste zum Einsatz. Gigi Hadid und ihre Schwester Bella sowie BFF Kendall Jenner trugen neben ihren Modelkolleginnen Pumps mit Plateausohle aus Kork. Hair und Make-up erinnern an Natalie Portman in Star Wars Episode 1. Highlight bei jeder Haute Couture Show ist der letzte Look, das Hochzeitskleid, dieses Mal ganz aus Kamelien von Mica Arganaraz getragen.

Bilder:
Maison Margiela von Kim Weston Arnold

Atelier Versace, Valentino und Christian Dior von Yannis Vlamos
Viktor & Rolf von Alessandro Garofalo

Mode

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