Im Interview: Fran Stringer

vor 7 Monaten

Die Kreativdirektorin von Pringle of Scotland über Tradition, Strickware und den Relaunch von The Bulletin. 

Das Pringle of Scotland Magazin „The Bulletin“ wurde nun erstmals von Fran Stringer, Women’s Design Director des Hauses, wieder ins Leben gerufen. Gegründet wurde das Magazin ursprünglich 1949 um über Ereignisse im Unternehmen zu berichten, Nachrichten der Vorgesetzten zu übermitteln und über Hochzeiten und Geburten innerhalb der Arbeitnehmer zu berichten. Die persönlichen Geschichten des Hauses stehen auch bei der Neuauflage des Magazins im Vordergrund: Die Absolventen William Scarborough und Julie Greve erzählen verschiedene Geschichten, Scarborough dokumentierte Pringles Fabrik in Hawick, während Greve ikonische Teile aus dem Archiv porträtiert. Fräulein sprach mit Fran Stringer über den Relaunch von The Bulletin, die Herausforderungen bei einem Traditionshaus zu arbeiten sowie die ikonischen Designs – das Twinset und Argyle-Muster – von Pringle of Scotland.

Fräulein: Sie arbeiten seit zwei Jahren als Creative Director bei Pringle of Scotland. Welche Herausforderungen bringt die Arbeit für solch ein Traditionshaus mit sich?

Fran Stringer: Es ist weniger eine Herausforderung als vielmehr eine Belohnung – aber Pringle of Scotland ist eine der ältesten britischen Luxusmarken und blickt auf eine über zwei Jahrhunderte lange Geschichte zurück. Daher ist es immer wichtig, diese Geschichte zu respektieren und zu reflektieren. Unser Erbe ist nicht nur Schottland – das wir natürlich weiterhin als unser Herz und Zuhause betrachten – aber auch, Tradition neu interpretiert und einige der bekanntesten Strickmotive erfunden zu haben, darunter das berühmte Argyle-Karo und sogar der Begriff Strickware. Jede Saison tauchen mein Team und ich in die Archive ein und entdecken völlig andere Geschichten, Referenzen und visuelle Inspirationen – ich glaube nicht, dass uns jemals die Ideen ausgehen oder die Inspiration irgendwann aufhört!

 

Sie haben bereits für andere Marken gearbeitet, bevor Sie zu Pringle of Scotland kamen. Wie hat sich Ihr Arbeitsstil seitdem verändert? Haben Sie Neues gelernt, als Sie der Marke 2016 beigetreten sind?

Es war erhellend, nicht nur zu einer Marke mit solch einer prestigeträchtigen Geschichte zu kommen, sondern auch zu so sachkundigen Experten – es geht nicht nur um das Endprodukt, sondern auch um das Garn, die Innovation bei der Herstellung unserer Stücke und ein konstanter Pioniersgeist. Es gibt Expertise im Handstricken und erstaunliches Wissen über Wolle, aber es gibt auch viele Momente, die durch Pringle in die Modegeschichte eingegangen sind. Zum Beispiel das Bedrucken von Strickwaren oder das weltweit bekannte Argyle. Und das Twinset – Pringle hat das Cashmere-Twinset erfunden!

 

Die Designs der Marke wurden von Mitgliedern der königlichen Familie und Prominenten wie Grace Kelly getragen. Was würden Sie sagen, wie sieht der/die typische P.O.S. Kunde/Kundin aus?

Ich denke, wie bei vielen Traditionsmarken gibt es keinen „typischen“ Pringle-Kunden, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Stile und Persönlichkeiten. Da sind diejenigen einer älteren Generation, die sich an Pringle nach dem Krieg erinnern – all die hübschen Twinsets der fünfziger Jahre. Dann gibt es diejenigen, die die 80er-Jahre lieben – Argyle, Logos, Poloshirts und Sportswear. Dann haben wir neue, jüngere Kunden, die mit Authentizität und Wissen zu einer Marke hingezogen werden – für die jetzige und die nächste Generation von Kunden ist es gerade die Tatsache, dass wir Geschichten haben, die so wichtig sind. Sie wollen keine fade Marke ohne Werte.

 

Was ist dein Lieblingsmoment von Pringle of Scotland aus der Vergangenheit?

Es ist viel zu schwer, nur einen auszuwählen! Für die SS19-Kollektionen haben wir uns von den Sportswear-Motiven aus unseren neueren Archiven inspirieren lassen und ich habe es geliebt, die Möglichkeit zu haben, mit unseren Logos zu arbeiten und ikonische Sportswear-Designs neu zu interpretieren. Vorher war ich in Fair Isle verliebt – es ist eine so traditionelle und berühmte Textur und es war aufregend, mit ihr zu spielen und sie mit anderen Mustern wie Leoparden-Print zu kombinieren, was wir für AW18 auch gemacht haben. Wir beziehen uns immer auf einen Moment aus den Archiven und geben ihm einen Twist. Die Vergangenheit insgesamt ist also mein Lieblingsmoment!

 

Wie schaffen Sie es, traditionelle Aspekte wie das Argyle-Muster und die Kaschmir-Twinsets zu transformieren und in eine neue Garderobe aufzunehmen?

Wir behalten die Design-Codes und die Handschrift von Pringle bei der Arbeit stets im Auge. Die Marke soll an ihr Erbe gebunden werden und dennoch modern und für die heutige Zeit relevant bleiben. Wenn es eines gibt, das die Leute von Pringle of Scotland mitnehmen sollen, dann ist es, dass Strick nicht nur etwas für den Winter ist! Wir haben hart daran gearbeitet, die leichtesten Strickwaren zu verstehen und zu testen, um unsere Strickwaren so vielseitig und tragbar wie möglich zu machen. Ich bin ein großer Verfechter von „All-Knit-Dressing“ – ein toller, leichter Cashmere-Rock mit modernen, sportlichen Splits und einem leichten Rollkragen unter der softesten Strickjacke.

 

Sie haben sich auch entschieden, das Pringle Bulletin neu zu starten – warum?

Unsere Geschichten sind für den Stoff unseres Unternehmens so wichtig wie die gestrickten Maschen. Deshalb haben wir uns entschlossen, ein altes In-House-Magazin namens The Bulletin wiederzubeleben und zu relaunchen. Es enthält Geschichten, die nicht nur unsere Geschichte, sondern auch britische Talente und die hervorragenden Freunde der Marke feiern. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um neuen Talenten eine Plattform zu geben, wie es in der Vergangenheit häufig von Pringle üblich war. Daher haben wir kürzlich Absolventen sowie etablierte Talente aus der Industrie in Auftrag gegeben.

 

Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Pringle Of Scotland in 5 Jahren?

Ich möchte einfach weiterhin Strickwaren entwerfen, die zum Alltag moderner Männer und Frauen gehören. Ich möchte, dass diese vielseitig und schön sind. Ich möchte mich auch weiterhin für die Vielseitigkeit und Brillanz von Garnen einsetzen – die Innovationen, die Traditionen, das Alte und das Neue zu einem zeitlosen und erkennbaren Pringle verschmelzen.

Interview: Pia Ahlert
Bilder: PR

 

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