Im Interview: Amelie Mooseder

vor 4 Monaten

Wir haben uns mit Amelie Mooseder von BMW Motorrad über Wettrennen, Adrenalin und roten Lippenstift unterhalten.

Fräulein: Beschreibe bitte in drei Worten, was Motorradfahren für dich bedeutet.

Amelie Mooseder: Motorradfahren bedeutet für mich Freiheit, Abenteuer und mein allerliebstes Hobby.

Fräulein: Ich habe gelesen, du bist mit 7 Jahren zum ersten Mal in Kontakt gekommen mit deinem ersten Motorrad oder mit Motorrädern generell. Konntest du dir zwischenzeitlich auch vorstellen, was anderes beruflich zu machen oder stand da eigentlich im Grunde schon fest, dass das deins sein wird?

Amelie Mooseder: Also tatsächlich bin ich sogar schon früher mit Motorrädern in Kontakt gekommen. Meine Eltern sind sehr Motorrad-affin und mein Papa hat immer schon Motorräder in seiner Garage gehabt. Ich saß schon mit zwei Jahren das erste Mal auf dem Tank von Papas Motorrad und bin mitgefahren. Mit 7 Jahren hab ich dann mein erstes eigenes Motorrad bekommen. Mein Bruder und ich haben es uns geteilt. Wir waren überglücklich und super stolz. Für uns war es das coolste Hobby, das man als Kindhaben kann und damit sind wir aufgewachsen. Bis heute bin ich dankbar, dass ich damit so früh angefangen habe. Ich habe einen gesunden Respekt vor dem Motorradfahren, aber keine Angst davor. Ich glaub das ist immer so, wenn man etwas von Kindesbeinen an gelernt hat, dann ist es so in dir drin. Dass daraus etwas berufliches werden kann, hatte ich mir damals ehrlich gesagt noch gar nicht erträumen können

Fräulein: Dann ist es so ein Teil von dir.

Amelie Mooseder: Genau. Motorradfahren ist ein Teil von mir geworden und ist seit meiner Kindheit mein liebstes Hobby und heute sogar mein Beruf.

Fräulein: Also es hat dich dann auch nicht zwischendurch in eine andere berufliche Richtung verschlagen?

Amelie Mooseder: Doch, tatsächlich bin ich erstmal in die zahnmedizinische Richtung gegangen. Hier habe ich nach dem Abi eine Ausbildung gemacht. Dennoch war Kommunikation schon immer mein zweites Standbein, welches ich parallel studiert habe. Während dem Studium konnte ich ein Praktikum bei BMW Motorrad machen und habe sofort gespürt: Wow, das hier ist genau das Richtige für mich. Zwischen dem Praktikum und heute liegen 8 Jahre. Ich habe mein Studium abgeschlossen und arbeite tatsächlich heute in der Abteilung Markenerlebnis bei BMW Motorrad, mein Traumjob.

Fräulein: Ja, das glaube ich dir. Also würdest du quasi auch sagen, du unterscheidest beim Motorradfahren nicht zwischen deiner Passion und deinem Beruf?

Amelie Mooseder: Richtig, das ist für mich eins. Jeden Tag mache ich mein Hobby zum Beruf. Ich fahre meistens auch mit dem Motorrad in die Arbeit. Und es vergeht eigentlich kein Wochenende ohne Motorradfahren. Das bestimmt mein Leben und deshalb ist es so schön, dass auch meine Familie und meine Freunde alle Motorrad-affin sind. EinHobby macht ja immer dann am meisten Spaß, wenn man es teilen kann.

Fräulein: Dann hab ich noch gelesen, dass du nicht nur Hobby-Motorradfahrerin, sondern auch offizielle BMW Motorrad Werksfahrerin bei den „Sultans of Sprint“ bist. Kannst du kurz anreißen, was es damit auf sich hat und wie du dazu gekommen bist?

Amelie Mooseder: Ja richtig. Ich nehme offiziell für BMW Motorrad an „1/8 Meilen Sprint-Rennen“ teil. Dabei geht es darum sein Motorrad, welches technisch und optisch meist stark modifiziert wurde, auf der 1/8 Meile – ca. 202m, auf Höchstgeschwindigkeiten zu beschleunigen. Es treten immer zwei Fahrer gleichzeitig gegeneinander an. Wer zuerst durchs Ziel fährt gewinnt und kommt weiter. Der andere scheidet sofort aus. Zu dieser Motorsport Disziplin bin ich durch Zufall gekommen. Ich war oft bei Events zu Gast wo solche Rennen stattfanden und habe die Sprintrennen aus dem Zuschauerraum heraus bewundert. Schon beim ersten Rennen wuchs der Wunsch in mir, das einmal selbst auszuprobieren. Eines Tages sollte ich sehr spontan bei einem Show Sprint für einen Freund einspringen. Er vertraute mir und überließ mir sein Motorrad. Ich ahnte nicht, dass mein allererster Gegner auf der 1/8 Meile kein Geringerer sein sollte als Sébastien Lorenz, der spätere Gründer der „Sultans of Sprint“. Und sein Motorrad die unbezwungene „Lucky Cat“. Er gewann das Rennen und ich die Herzen der Zuschauer. Seit diesem Moment bin ich mit dem Fieber der Sprintrennen infiziert. Ich nahm nun immer wieder an dem ein- oder anderen Rennen mit Motorrädern von Freunden teil. Die Motorräder wurden immer professioneller und ich immer schneller. Als Frau in dieser Männerdomäne war ich auch nicht gerade unauffällig.

Fräulein: Weil du es auch gerade schon erwähntest: Männerdomäne. Ist es für dich inzwischen einfacher geworden, dich in dieser Männerdomäne zu bewegen oder spürst du, dass du dich noch regelmäßig beweisen musst?

Amelie Mooseder: Ich fahre nun seit 2014 Sprintrennen. Seit 2016 gehe ich professionell mit einem Schweizer Rennteam, welches meine Sprint-Motorräder baut, für BMW Motorrad an den Start. Zu deiner Frage, ob ich mich in dieser Männerdomäne beweisen muss kann ich dir antworten: Mein Ehrgeiz verlangt es von mir. Jeder der bei diesen Rennen vor großem Publikum antritt, will gewinnen. Das hat glaube ich nichts mit dem Geschlecht zu tun. Dennoch könnte ich mich vorstellen, dass man mich manchmal vielleicht unterschätzt, weil wir Frauen schon von Natur aus evtl. etwas vorsichtiger an gewissen Dinge herangehen. Wer mich aber schon mal auf der Rennstrecke fahren gesehen hat, der wird sich hoffentlich seine eigene Meinung von mir machen.

Fräulein: Also ist es so eine gute Mischung aus Vergnügen und Wettkampf?

Amelie Mooseder: Eigentlich schon. Wobei es mittlerweile richtig professionell zugeht. Wir treten mit BMW Motorrad in der sogenannten „Factory Class“ an. Hier treten verschiedene Motorradhersteller an, um ihre neuesten Umbauten unter Beweis zu stellen. Damit alle die gleichen Voraussetzungen haben, werden die Motorräder vor Rennbeginn auf den Prüfstand gefahren und gewogen. Leistung und Gewicht müssen bei allen Motorrädern im selben Verhältnis stehen. Nach mehreren Rennen in ganz Europa wird am Ende der Saison der Gewinner der Klasse gekürt. Und hier kämpft natürlich jeder um einen Platz auf dem Treppchen. Um hier noch einmal auf deine Frage mit Frauen und Männern zurückzukommen, also ich hoffe, ich bin mittlerweile ein ernst zu nehmender Gegner und in der Szene akzeptiert, aber noch sind Frauen eher rar. Ich wünsche mir auch gerne noch mehr Frauen im Starterfeld.

Fräulein: Hast du das Gefühl, dass sich im Vergleich zu vor 5 oder 10 Jahren mittlerweile mehr Frauen für das Motorradfahren und den Motorsport interessieren?

Amelie Mooseder: Ja auf jeden Fall und das finde ich großartig. Man sieht auf den Events deutlich, es werden immer mehr junge Leute und auch immer mehr Frauen. Ein gemischtes Publikum tut der Stimmung auf jeden Fall gut. Hier noch eine lustige Anekdote wenn Zuschauer mein umgebautes Motorrad im Flugzeugdesign bewundern und auf dem Tank lesen: Pilot Amelie Mooseder. Dann lausche ich gerne heimlich den Diskussionen ob das Motorrad tatsächlich von einer Frau pilotiert werden kann. Spätestens an der Start-/ Ziellinie wurden sie dann hoffentlich aufgeklärt. Doch manche Leute sind dennoch überrascht, dass da unter dem Helm eine Frau steckt. Ich nehme das gerne als Kompliment auf.

Fräulein: Kann ich mir vorstellen. Gibt es eine Geschichte in deiner Karriere, die du niemals vergessen wird?

Amelie Mooseder: Da gibt´s ganz viele. Deswegen beschreibe ich vielleicht die für mich schönsten Momente. Einer davon ist es auf jeden Fall beim legendären Glemseck 101 Festival vor Tausenden von Zuschauern mit dem Motorrad an die Startlinie zu fahren. So viele Menschen die mir zuschauen und zujubeln, das ist schon ein ganz besonderes Gefühl. Genauso ein Gänsehaut Moment ist es für mich zu wissen, dass wir auf den legendären Rennstrecken dieser Welt fahren dürfen. Z.B. Monza in Italien oder Spa Francorchamps in Belgien, hier wurde einst Motorsportgeschichte geschrieben. Und heute, für 5,8 Sekunden, so lange brauche ich mein Motorrad zu beschleunigen, darf ich 200 Meter dieser legendären Rennstrecke befahren. Da wird man auch schon mal ehrfürchtig. Solche besonderen Tage lasse ich dann gerne abends mit dem ganzen Team gemeinsam Revue passieren und bin dankbar das erleben zu dürfen.

Fräulein: Was würdest du jungen Frauen raten, die sich für einen Beruf interessieren, der stark männerdominiert ist? Und das muss jetzt gar nicht Motorsport sein.

Amelie Mooseder: Traut euch! Wir Frauen dürfen ruhig noch selbstbewusster sein mit unseren Fähigkeiten und dem was wir können. Nur weil es irgendwelche alten Konventionen gibt, muss man sich denen nicht fügen. Die Zeit ist reif und die Akzeptanz in der Gesellschaft gegeben, dass man mal was anders macht, gerade als Frau. Und ich glaube wir wären überrascht, wie positiv das ankommen kann. Ich zum Beispiel ziehe mir vor jedem Start meines Rennens noch einmal die Lippen mit knallrotem Lippenstiftnach, um ganz bewusst etwas mehr Weiblichkeit in diese Männerdomäne zu bringen. Meine Bedenken, dass könnte vielleicht falsch verstanden werden, waren völlig unnötig.Die Leute finden es super. Deshalb Ladies: Traut euch und glaubt an euch!

 

Interview: Rina Kasumaj
Bilder: BMW

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