Interview: Kristin Kontrol

vor 3 Jahren

Dancing with Kristin Kontrol!

Den meisten dürfte Kristin Kontrol, mit richtigem Namen Kristin Welchez, unter dem Pseudonym Dee Dee bekannt sein, Sängerin und Gitarristin der US-amerikanischen Garage-Rock Band Dum Dum Girls. 2011 war das große Erfolgsjahr der vierköpfigen Girls-Rockband, ihre Songs liefen zwischen verruchten Kellerclubs, Bars und unzähligen Festivals. Nun schwimmt Dee Dee als Kristin Kontrol in eigenen musikalischen Gewässern. Auf der Suche nach neuen musikalischen Sphären und einer eigenen, klaren Stimme, veröffentlichte die Musikerin Ende Mai ihr erstes Soloalbum, X-Communicate. Anders als der Sound und die musikalische DNA der Dum Dum Girls, spielt Kristin Kontrol auf X-Communicate mit tanzbarem 80ies Pop, New Wave und Synthie-Einflüssen, womit sie sich klar vom Sound der Dum Dum Girls absetzt. Ein Gespräch über eigene musikalische Wege und darüber, wie ihr Pseudonym Dee Dee ihr dabei half an sich selbst zu glauben.

Fräulein: Kannst du dich an den Moment erinnern, in dem du entschieden hast Musik als Solokünstlerin zu machen?
Kristin Kontrol: Das war 2007, als ich die Band verlassen hatte, in der ich damals spielte. Ich habe gelernt Gitarre zu spielen, Songs zu schreiben und begonnen unter dem Namen Dum Dum Girls Musik zu machen. Kristin Kontrol ist lediglich eine Erweiterung und Fortsetzung von dem. Die Musik die ich machte passte einfach nicht mehr in das wirklich herausragende Konzept von Dum Dum Girls.

Wann entstand die Idee zu den Songs und zum Sound von X-Communicate?
Die Idee zu X-Communicate kam nachdem ich die letzte Tour zu Too True beendet hatte. Im Januar 2015 habe ich angefangen zu schreiben und Demos aufzunehmen, aber bis zu den Songs, die es auf X-Communicate geschafft haben, hat es viele Monate und Songs gebraucht. Ich habe so sehr versucht die Musik, die ich zuvor machte, weiter auszubauen. Es war ein Trial-and-Error Prozess, um meine Stimme zu finden.

Vor deinem Soloprojekt warst du vor allem unter dem Namen Dee Dee bekannt. Was steckt hinter Kristin Kontrol? Denkst du, es war notwendig unter einem anderen Namen mit deinem Soloprojekt herauszukommen? Vielleicht um unabhängig von dem zu sein, was du zuvor gemacht hast?
Dee Dee war ein Pseudonym und dann eine Rolle, die sehr gut ins Konzept von Dum Dum Girls passte. Es war mein erster, richtiger Versuch Songs zu schreiben und meine Welt dem Rest der Welt zu zeigen. Ich hatte mein ganzes Leben Schwierigkeiten damit Vertrauen in mein Können zu setzen und dieses wertzuschätzen. Dee Dee zu sein half mir dabei gegen diese Probleme anzugehen. Mein Wunsch Musik zu machen, auch über Dum Dum Girls hinaus, traf mit meinem Bedürfnis überein, Musik zu machen als ebenjene Person, die ich wirklich bin.

Der Sound auf X-Communicate klingt anders als das was deine Fans von dir bislang kannten. Hat sich dein persönlicher Musikgeschmack über die Jahre verändert?
Ich habe immer schon eine breites Spektrum an Musik geliebt. X-Communicate ist ein Versuch die Tür zu öffnen und das was ich liebe zu erweitern. Die Menschen, die mich schon sehr lange kennen, sind von diesem Schritt nicht besonders überrascht gewesen. Aber ich verstehe meine Fans und Kritiker, die mich nur als Dee Dee Dum Dum kennen, die es als eine viel größere, bedeutende Veränderung sehen. Ich bin darüber hinaus gewachsen.

Denkst du, das Soloprojekt war ein wichtiger Schritt, um neue und unterschiedliche, musikalische Vorlieben zu entdecken?
Ein Soloprojekt zu machen, frei von dem festen Konzept von Dum Dum Girls, war wichtig und unverzichtbar für mich, um als Musikerin weiter zu wachsen. Ich brauche ein Medium, das nicht an eine bestimmte Szene oder einen bestimmten Style gebunden ist.

Was waren die Herausforderungen, mit denen dur während der Entstehung von X-Communicate konfrontiert wurdest?
Was den kreativen Prozess angeht nicht viele. Einige Songs haben sich als Puzzle präsentiert, insofern als dass ich zu viele Stücke geschrieben hatte, oder als dass sich unsere ersten Produktionsversuche nicht richtig anfühlten. Aber all das waren sehr angenehme Aufgaben.

Welche Menschen möchtest du mit diesem Album erreichen? Wie würdest du die Atmosphäre auf dem Album beschreiben?
So viele unterschiedliche Menschen wie möglich. Es geht dabei nur um die Beziehung. Letztendlich geht es auf dem Album um Liebe und Veränderungen – also sehr universale Themen.

Fühlt es sich anders an alleine auf der Bühne zu stehen? Ist es aufregender?
Ich bin nicht per se alleine; einer meiner Produzenten ist mein Musical Director, Andrew Miller. Wir werden darüber hinaus von Raphael Radna an den Synthesizer und am Bass begleitet und Jamie Ingalls an den Drums und Samplern. Es ist aber eine Kristin Kontrol Show. Und ja, es fühlt sich aufregender an. Ich habe eine Menge Spaß.

Was hast du über dich in den vergangenen Jahren gelernt?
Ich bin wohl eher ein langsamer Lerner? Manchmal musst du schwierige Entscheidungen treffen und dabei bedarf es an Risiken. Denn nichts zu tun bedeutet, dass du eine Mitschuld daran trägst, unzufrieden und unglücklich zu bleiben.

Letzte Frage: Gibt es einen Lieblingssong auf dem Album, einen Song, der deine Erfahrungen der letzten Jahre besonders widerspiegelt?
Alle Songs sind Reflektionen. „(Don’t) Wannabe“ ist mein Lieblingslied, sowohl im Hinblick auf das Songwriting und die Melodie der Vocals, als auch auf die Produktion (Kurt Feldmann hat den Song produziert). „Smoke Rings“ ist ein weiterer Lieblingssong. Dieses Lied wurde nur wenige Tage bevor das Album fertiggestellt wurde geschrieben. Ich hatte das Gefühl, dass dem Album dieser finale Song fehlte. Es ist wirklich unglaublich intensiv diesen Track zu performen.

Interview: Alina Amato
Foto: Jimmy Fontaine via BB Gun Press

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