Interview: Skandalöse Verführung

vor 5 Monaten

Daphne Bugey ist die Nase hinter dem neuen Duft SO SCANDAL von Jean Paul Gaultier. Auch hat sie Ikonen wie Kenzo Amour, Eau d’Italie, K by Dolce & Gabbana, Aura by Thierry Mugler sowie viele Düfte für Le Labo keiert. Wir haben mit der Französin über ihren neuen Duft gesprochen, über ihre olfaktorischen Erinnerungen aus der Kindheit und warum AI eine neue Zukunft der Parfumbranche eröffnen könnte.

DAPHNE BUGEY

Fräulein: Frau Bugey, was war das ikonischste Parfüm Ihrer Jugend?

DB: Chanel No 5. Meine Mutter hat den Duft damals getragen. Auch die Guerlain Düfte von ihr prägten mich sehr.

FR: Wonach riecht der Sommer für Sie?

DB: Nach Pfirsichen, Monoi, Kokosnuss, Algen, Salz – nach dem Leben am Meer.

FR: Und der Winter?

DB: Nach saftigen Orangen, Mandarinen, Gewürzen und Kaminfeuer.

FR: Welche Gerüche erinnern Sie an Ihre Kindheit?

DB: Durch meiner Mutter war ich verliebt in alle klassischen Guerlain Düfte: Mitsouko, Shalimar, L’Heure Bleue, Nahema. Ich erinnere mich auch an den süßen Duft von Orangenblüten, aus der Zeit, in der ich in Bagdad und Alger gelebt habe. Und last but not least: der Duft einer Tarte Tatin frisch aus dem Backofen.

FR: Benutzen Sie zu Hause Raum-Düfte?

DB: Nein. Ich möchte, das mein Zuhause neutral und frei von Düften ist. Das ermöglicht mir, eine Pause zu haben und vereinfacht mir das Arbeiten.

FR: Wenn Sie etwas in ein Parfüm verwandeln könnten, ganz gleich ob realistisch oder nicht, welcher Duft wäre das?

DB: Der zarte Duft meiner Kinder – aber der wäre sehr kompliziert zu reproduzieren – zu viele Kombinationen, zu viele Emotionen.

FR: Erinnern Sie sich an Patrick Süskind’s Roman Das Parfüm?

DB: Ja! Ich habe es vor sehr langer Zeit gelesen, es ist ein Klassiker. Obwohl die Hauptfigur ein totaler Psychopath ist, erklärt es sehr gut den Geruchssinn und die beängstigende Macht von Düften.

FR: Haben Sie jemals einen Duft für jemanden customized?

DB: Nein. Allerdings werde ich oft von engen Freunden inspiriert oder von Personen/Persönlichkeiten, die ich treffe und die mich berühren.

FR: Wäre das Customizen von Düften etwas, das größer werden könnte in naher Zukunft?

FR: Es existiert ja schon, allerdings ist es sehr teuer. Was alternativ passieren könnte ist, dass Konsumenten ihren eigenen Duft kreieren mit der Hilfe von AI, indem sie verschiedene Basen kombinieren. Das könnte in der Tat sehr interessant sein, allerdings glaube ich, dass es nicht die Vision eines Artistic Directors oder eines professionellen Parfümeurs ersetzen könnte.

FR: An welchen Körperstellen sollte man ein Parfum tragen?

DB: Wo immer man auch möchte. Besonders natürlich dort, wo man einen Duft mit jemand anderem teilen möchte.

FR: Was ist Ihrer Meinung nach die schönste Duftkomponente?

DB: Schwierig zu sagen! Ich denke, ich würde mich für Rose entscheiden. Der Duft von Rosen ist einfach magisch und man kann Rosendüfte extrem gut variieren. Es macht immer Spaß, einen neuen Rosenduft zu entwickeln.

FR: Geben Sie uns drei Worte, die SO SCANDAL beschreiben.

DB: Sexy, überschwänglich und so…skandalös.

FR: Was ist denn so skandalös an SO SCANDAL?

DB: SO SCANDAL ist eine Bombe an Sinnlichkeit. Es ist eine Explosion an weißen Blumen – Orangenblüten, Sambac-Jasmin, Tuberose, gemixt mit cremiger Milch und sinnlicher Himbeere.

FR: Wer trägt SO SCANDAL?

DB: Eine selbstbewusste Frau. Oder jemand, der mächtiger, femininer und unabhängiger sein möchte. Eine Frau, die mit dem Skandal flirtet.

FR: Wann trägt man SO SCANDAL?

DB: Zu jeder Zeit. Es gibt keinen falschen Moment, um ein bisschen skandalöser zu sein.

 FR: Was ist der größte Unterschied zwischen SCANDAL und SO SCANDAL?

DB: SCANDAL ist holzig, ein Patchouli-Duft, während SO SCANDAL ein Bouquet an weißen Blumen ist. Die Sucht, die SCANDAL auslöst, beruht auf einer Overdose an Honig, bei SO SCANDAL hingegen ist es die Milch. SO SCANDAL ist ein Mindset, ein Manifest der Weiblichkeit und des Muts.

 FR: Wie kam es dazu, dass Sie als Duo zusammen mit Fabrice Pellegrin an dem Duft gearbeitet haben?

DB: Es ist immer interessant mit jemandem zu kollaborieren, weil man so eine kollektive Kreativität entwickeln kann. Wir sind beide verantwortlich für den neuen Duft.

FR: Sie haben bereits 80 Düfte kreiert, stimmt das?

DB: Ich weiß es nicht, ich habe wirklich gar keine Idee.

FR: Welcher Duft war für Sie der ikonischste Duft, an dem Sie gearbeitet haben?

DB: Neben SCANDAL und SO SCANDAL, Kenzo Amour, K by Dolche & Gabbana und viele Düfte, die ich für Le Labo kreiert habe.

FR: Was macht einen guten Duft aus?

DB: Ein Duft ist für mich dann gut, wenn man auf ihn immer wieder zurückkommt, der einem ein gutes Gefühl verleiht, der uns attraktiv und verführerisch macht. Ein Duft, den man oft tragen möchte, den man vor anderen Düften bevorzugt und an den man sich erinnert.

FR: Gibt es irgendwelche No-Goes für einen guten Duft?

DB: Nein, ich denke nicht. Man muss Regeln brechen und neue Dinge ausprobieren. Wenn sich das als schwierig herausstellt, ist das bloß eine neue Herausforderung.

FR: Wie arbeiten Sie an einem neuen Duft? Wo beginnt Ihre Arbeit?

DB: Zunächst tauche ich in das Universum einer Brand ein und danach in das spezifische Projekt. Sobald ich ein Verständnis entwickelt habe, entscheide ich mich, welche Geschichte ich erzähle, welche Emotionen ich ausdrücken möchte. Das wandel ich dann in eine olfaktorische Richtung um.

FR: Mit welchen Restriktionen müssen Sie arbeiten, wenn Sie einen Duft entwickeln?

DB: Es gibt hauptsächlich zwei Restriktionen: Zum einen ist das eine technische Restriktion, wie z.B. die Verfügbarkeit von Rohstoffen, das Beachten von bestimmten Sicherheitsregulierungen, eine Deadline oder Kosten. Zum anderen sind es Restriktionen, die vom Kunden kommen, der eine olfaktorische Richtung vorgibt.

FR: Wie mutig sind Duft-Konsumenten heute? Wie hat sich dies in den letzten Jahren entwickelt?

DB: Mit dem rasanten Wachstum an nichigen Parfum-Brands, ist die Auswahl enorm groß geworden. Die Konsumenten haben heute sehr viel mehr Optionen und auch mehr Möglichkeiten, um sich und ihre Persönlichkeit auszudrücken. Sie sind bereit, ein größeres Risiko einzugehen und die Gesellschaft erlaubt es ihnen mittlerweile. Man muss nicht mehr dem klassischen Ansatz von maskulinen und femininen Düften folgen. Heute kann man tragen, was man möchte.

 

 

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