Interview: Tory Burch

vor 5 Jahren

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Einst ein Tomboy auf einer Farm in Pennsylvania, heute eine der weltweit reichsten Frauen mit einem globalen Modeimperium: Tory Burch.

Die US-amerikanische Designerin hat eine märchenhafte Metamorphose durchgemacht. Sie gestaltete in ihrem hellen, weißen New Yorker Atelier nicht nur feminine Frauenmode mit klassischer Silhouette, sondern auch Brillen, Accessoires, Schuhe – darunter ihre berühmten Reva Ballerinas – und ein breites Sortiment an Beauty-Produkten. Uhren folgen in diesem Herbst, eine Sportkollektion kommt nächstes Jahr noch dazu.

Sie haben Ihr Label 2004 gegründet. Hat sich Ihrer Meinung nach die Mode seither verändert?
Mode entwickelt sich stetig weiter – Designer wechseln ihre Häuser, Firmen schließen, neue Talente entwickeln sich. Die kontinuierliche Veränderung ist Teil von dem, was diese Industrie so spannend macht.

Ihre Inspiration schöpfen Sie hauptsächlich aus den 60er- und 70er-Jahren, was fasziniert Sie so an der Zeit?
Mit den 60er- und 70er-Jahren verbinde ich so viele, fantastische Stilikonen wie Faye Dunaway, Julie Christie, Marisa Berenson, Charlotte Rampling. Sie verbindet ein ungezwungen-einzigartiger Stil. Diese Ära erinnert mich zudem an meine Eltern, die oft nach Italien, Marokko und Griechenland gereist sind. Ich liebe es, Fotos von ihren faszinierenden Reisen anzuschauen.

Ihre Eltern sind also eine Inspirationsquelle für Sie?
Absolut! Nicht nur ihre Reisen, auch ihr Stil. Die Vintage Militärjacke meiner Mutter beispielsweise war einmal der Startpunkt einer ganzen Kollektion.

Was macht eine Frau schön und sexy?
Selbstvertrauen und ein Sinn für Humor. Ich denke, sexy zu sein hängt sehr stark mit Selbstbewusstsein zusammen, viel mehr mit einem Seelenzustand als mit einem persönlichen „Style“. Das hat auch die wahren Stilikonen ausgemacht und abgehoben von der Masse.

Sie sind Mutter von drei Jungs sowie CEO, als auch Designer Ihres Labels. Das hört sich nach verdammt viel Arbeit an. Wie schaffen Sie das alles?
Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen ist eine meiner größten Herausforderungen, aber ich habe einen guten Weg gefunden, alles zu managen, indem ich klare Prioritäten setze. So etwas muss man lernen. Ich fokussiere mich heute stark auf Zeitmanagement und muss manchmal einfach Grenzen setzen.

Was sind das teilweise für Grenzen, die Sie setzen müssen?
Zeit zu managen bedeutet sich klarzumachen, was man an einem Tag schaffen kann. Jeder Tag in meinem Leben ist anders und mein Terminkalender ändert sich ständig. Dennoch bringe ich meine Söhne jeden Tag zur Schule und schaffe es meistens, abends zum Essen zu Hause zu sein, selbst, wenn das bedeutet, auf dem Heimweg ein Meeting im Auto zu haben. Meine Söhne kommen immer an erster Stelle. Wenn ich keine gute Mutter wäre, wäre ich auch kein guter CEO.

Sie selber sind auf einer Farm in Philadelphia aufgewachsen. Vermissen Sie manchmal diese Zeit im Vergleich zu dem rasanten, stressigen Leben in New York?
Ich liebe es, in New York zu leben – die Stadt besitzt eine großartige Energie und tolle Persönlichkeiten. Ich empfand New York von Beginn an inspirierend, bis heute. Aber ich liebe auch das Landleben. Meine Jungs und ich gehen so oft wie möglich nach Long Island am Wochenende und verbringen so viel Zeit wie möglich.

Sie waren früher eher ein Tomboy, stimmt das?
Ja, ich wuchs mit drei Brüdern auf und war ziemlich bubenhaft. Ich habe fast meine ganze Zeit draußen verbracht, bin überall herumgerannt, habe Tennis gespielt und bin geritten. Ich habe bis zur High School fast nie Kleider getragen.


Heute kleiden Sie sich sehr weiblich, auch der Stil Ihrer Marke ist sehr feminin…
Das stimmt, aber eigentlich ist er feminin und „tomboyish“ zugleich. Ich mag den unerwarteten Mix und spiele gerne mit Kontrasten.

2009 haben Sie Ihre Tory Burch Foundation gegründet, um Frauen wirtschaftlich zu unterstützen und zu stärken. Was hat Sie zu dieser Gründung motiviert?
Als ich meine eigene Firma gegründet habe, sah ich zum ersten Mal die Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert sind. Ich wollte anderen Frauen helfen und ihnen Kraft geben, ein eigenes Business zu gründen. Unsere Programme bieten mittlerweile Zugang zu Darlehen, Ausbildungsangeboten und Mentorenprogrammen.

Wie arbeiten Sie im Design Department von Tory Burch? Wie gehen Sie an eine Kollektion heran?
Das Konzept für eine Kollektion kommt meist zuerst – eine Idee, zu der wir dann Bilder und Stoffe sammeln. Dann folgen Skizzen und die Schnittmuster. Manchmal inspiriert ein Teil auch ein anderes.

Auch wenn Sie es oft gefragt werden als einer der reichsten Frauen weltweit: Was bedeutet Luxus für Sie wirklich?
Für mich äußert sich Luxus in der Art und Weise, wie man sein Leben lebt, angefangen von der Zeit, die man mit seiner Familie und seinen Freunden verbringt, bis hin zu wie man anderen Menschen begegnet, wie man sie behandelt. Darauf lege ich großen Wert.

Sie investieren viel in Social Media und E-Commerce. Wie gehen Sie mit sozialen Medien um als Individuum auf der einen Seite und als Business-Frau auf der anderen Seite?
Das ist schwierig zu trennen. Ich kümmere mich in der Firma um Twitter und Instagram, mein Team dafür um Facebook, Pinterest, YouTube, Google+ und Co. Ich mag es, eine mehr oder weniger direkte Konversation zu führen mit den Kunden und von ihnen Feedback zu bekommen – dafür sind solche Kanäle ideal. Wir glauben, dass soziale Medien der Schlüssel zum Erfolg sind, um ein Business aufzubauen.

Was wird Ihr nächstes Projekt sein?
Uhren! Die werden in diesem Herbst gelauncht, sowie eine Sport-Kollektion im nächsten Jahr.

Tory Burch gründete ihr namensgleiches Modelabel 2004 in New York und ist heute mit 100 eigenen Stores weltweit vertreten. Die Marke ist bekannt für ihren typischen „preppy-bohemian“ Stil und umfasst mittlerweile ein Sortiment an Ready-to-wear, Accessoires und Beauty-Produkten

Interview: Sina Braetz

Dieser Artikel erschien in Fräulein Nr. 13

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