Moodboard: Wes Anderson

vor 3 Jahren

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Keiner weiß besser mit Details und Farben zu spielen als Wes Anderson. Seine Filme gleichen einem reich-illustrierten Bilderbuch. Was steckt hinter der ästhetischen Liebe zum Detail?

Wes Anderson macht Filme, die im ersten Moment besonders durch prägnant dekorierte Farbspiele und Inszenierungen auffallen – von den Kostümen der Schauspieler bis hin zum Interieur der Szenerien im Film. Das Senfgeld der Bordüren kontrastiert mit dem leuchtenden Türkis der Tapetenmusterung des indischen Zugs, der in Darjeeling Limited durch die staubige Wüste Rajasthan’s fährt. Oder das knallige Bonbonpink der sich türmenden Kuchenschachteln aus The Grand Budapest Hotel, in denen sich der Lobbyboy und die süße Agatha wiederfinden, gekleidet in einem weichen Babyblau.

Jede Verfilmung von Wes Anderson scheint in eine differenzierte Farbpalette getaucht: Von farbenprächtigen Knallfarben bis hin zu trübem Ocker,  in Form der weichen Fasern des Mr. Fox oder der Beschaffenheit des voluminösen Pelzes einer traurig-schönen Margot Tennenbaum. Andersons markante Ästhetik, rezipiert in unzähligen Reposts auf Tumblr, Instagram und Co,  scheint den Erzählungen auf der Leinwand fast die Show zu stehlen.

Skurril aber höchst liebenswerte Figuren spielen die Protagonisten in seinen Filmen. Meist sind es Männer, die gekennzeichnet sind von einer obsessiv-komischen Leidenschaft zu ungewöhnlichen Hobbies, oder traurig verschwiegene Charaktere, die ein gut behütetes Gemeinhis wahren. Ein weiteres Narrativ ist die inzwischen fast familiäre Besetzung der Rollen: Jason Schwartman, Bill Murray, Tilda Swinton, Owen Wilson und weitere krönen gleich mehrere Erzählungen des Regisseurs. Bei genauerer Betrachtung werden die Figuren von einer gewisse Traurigkeit umrahmt, ein Scheitern oder die Uneinigkeit sich in eine gesellschaftliche oder familiäre Rollenerwartung einzuzwängen.

Und genau hier gehen die Töne und Farben über die dekorative Ausschmückung hinaus und unterstützen die inhaltliche Bedeutung der Geschichten. Als ironische oder tragische Ergänzungen geben sie dem Dargestellten nicht nur eine ästhetisch Anstrich, sondern brillieren durch metaphorische und symbolhafte Komponenten im Kino. Das präzise dekorierte Bühnenbild – immer als ein solches zu erkennen wie auch die Kostümierungen der Figuren – erweitern den Film in seiner Erzählung.

Andersons Filme bestechen gerade durch das nicht zu übersehende Bühnenbild, wie auch durch die Inszenierung und Liebe zum Detail, ohne dabei dem mitreißenden Filmverlauf zu unterbrechen. Eine ausgefeilte Ästhetik trägt zur Gesamtkreation der Filme bei und unterstreicht durch ihre Farbgebung szenisch Komik oder Tragik. Anderson träumte vor dem Beginn seiner Karriere im Film von einer Laufbahn am Theater. Scheinbar mag sich dieser Wunsch sich in seine cineastische Darbietung eingeschlichen haben und macht sie dadurch zu einer ganz besonderen Inszenierung, die wir alle so lieben!

Bilder via Filmstills aus The Royal Tennenbaums (2001), The Life Aquatic with Steve Zissou (2004), Darjeeling Limited (2007), Fantastic Mr. Fox (2009), Moonrise Kingdom (2012),  und The Grand Budapest Hotel (2014)

Beitrag: Samira Ghoualmia

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