Sachen gibt es: Wofür wir Tiere quälen

vor 4 Jahren

Alleine in Deutschland wurden 2012 knapp drei Millionen Ratten, Kaninchen, Fische, Primaten und Vögel für Versuche in der Medizin- Chemie- und Beautyindustrie herangezogen und dabei oftmals gequält und getötet. Tendenz steigend. 

Weltweit könnten es über 100 Millionen Tiere sein. Während die Lebensmittelindustrie die Märkte mit billigem Fleisch überschwemmt und edle Pelze wieder in Mode kommen, müssen wir uns die Frage stellen, ob der weltweite Umgang mit Tieren noch unseren ethischen Standards entspricht? Ob es unser Wohlstand und unsere Gesundheit wert ist, derart fatal in die Schöpfung einzugreifen? Die folgenden Beispiele geben nur einen kleinen Eindruck davon, welche Gräuel Tieren tagtäglich von Menschen angetan werden. 

Mode
– Über 100 Millionen Nerze, Füchse, Wölfe, Luchse oder Eichhörnchen werden jährlich weltweit für die Herstellung von edlen Pelzmänteln getötet. Darunter circa 400.000 auf deutschen Pelzfarmen. Ein gutes Geschäft. Bis zu 1 Milliarde Umsatz macht die Pelzindustrie in Deutschland, 1,5 Milliarden die Pelzfarmen in den Mitgliedstaaten der EU.
In Pelzfarmen gezüchtete Tiere werden oftmals in kleinsten Käfigen gefangen gehalten, der Kot nur einmal die Woche entsorgt, die daraus resultierenden Infektionen mit Antibiotika unterdrückt. Schon 8 Monate alte Nerze werden vergast. Füchse oftmals mit Strom getötet.
Für einen 100 cm langen Pelz-Mantel müssen 9 Luchse oder Füchse, 20-28 Nerze, 38 Kaninchen oder 64 Chinchilla sterben. Auch der Lebendrumpf für Daunenjacken- und Decken ist eine alltägliche Prozedur. 

Kosmetik
Seit 2004 dürfen fertige Kosmetikprodukte in der EU nicht mehr an Tieren getestet werden, seit dem 11. März 2013 ist der Verkauf von an Tieren entwickelten Kosmetika untersagt. Dennoch stieg die Zahl der Tierversuche in der EU zuletzt wieder an. Viele der Produkte werden einfach im Ausland vertrieben.
Bei den Tier-Tests sind starke Verätzungen und Verbrennungen Normalität. So werden schleimhautreizende Stoffe an Kaninchen getestet, der sogenannte Draize-Test. Dabei sind schon seit den 80er-Jahren alternative Verfahren mit Zellkulturen und bebrüteten Hühnereiern bekannt.
Nerzöl aus Nerzkadavern in Shampoos, Haarkuren oder Cremes, Mustelaöl oder Minkoil genannt, ist für die Kosmetikbranche eine wichtige Substanz. Trotz vieler Skandale und Debatten sind zudem bis heute oftmals zermuste Tierhäute, zermahlende Tierknochen und sogar Plazenta in Antiaging-Cremes enthalten.

Medizin
Jungen, weiblichen Ratten werden die Eierstöcke entfernt um an ihnen die Wirkung von Antibabypillen zu testen.
Alleine in Deutschland werden jährlich bis zu 10.000 Affen Elektroden ins Gehirn gepflanzt oder an ihnen die Wirkung von Giftstoffen und Krankheitserregern getestet.
Auf den Bärenfarmen in Vietnam und China wird Bären für Heilmittel der traditionellen chinesischen Medizin bei lebendigem Leib Gallenflüssigkeit entnommen, Tausende von den von der Ausrottung bedrohten Tieren werden dabei getötet. Genutzt wird die Flüssigkeit um Augen- und Leberbeschwerden zu  behandeln. Das Verbot des Handels mit Bärengalle verhindert nicht, dass viele es weiterhin als lukratives Geschäft betreiben. In Südkorea kostet laut der Animals Asia Foundation eine ganze Gallenblase bis zu 7.500 Euro.

Nahrung
Deutschland entwickelt sich langsam zum weltgrößten Billigfleisch-Exporteur. In unseren Schlachthöfen werden bis zu 27.000 Tiere pro Stunde getötet und jährlich über 5,6 Millionen Tonnen Schweinefleisch produziert. Über 67 Millionen Hühner werden zur Fleischgewinnung gehalten. Das Filet bleibt meist für die deutschen Haushalte. Der Rest wird zerkleinert exportiert. Etwa nach Afrika.
Durch Überzüchtung zur besseren Fleischgewinnung stellen sich bei manchen „Fleischrassen“ (so weißblaue Belgier-Rinder) zunehmend Gendefekte ein, die sogenannte „Muskelhypertrophie“. Das Skelett und die inneren Organe halten der Muskelmasse nicht mehr stand. Die Tiere kollabieren unter ihren deformierten Gelenken.
Des Weiteren werden in den Mastbetrieben im „Millisekunden-Takt“ (SZ) männliche Küken geschreddert, Schweinen die Ringelschwänze abgeschnitten, damit sie sich diese nicht gegenseitig unter Stress abbeißen, Kaninchen werden gar zu Kannibalen, Kühe „trauern“ nächtelang um die ihnen abgenommenen Kälber, von denen in Deutschland jedes Jahr über 340.000 geschlachtet werden.

Entertainment
Seit den 1960er-Jahren werden Orcas (Schwertwale) oftmals als Jungtiere gefangen und in Aquarien ausgestellt. Ihr außergewöhnliches soziales Verhalten sowie ihre komplexe Jagdtechnik und Kommunikation wurde von Experten wie Glen Martin als „Manifestation von Kultur“ beschrieben. Aufgrund von Stressfaktoren wie kleinen Schwimmbecken und andauernder Trainingsroutine wurden manchen Orcas starke Neurosen attestiert. Manche der Tiere sind verstümmelt. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen mit Pflegern. Heutzutage leben weltweit 45 Orcas in Aquarien, 32 davon wurden in der Gefangenschaft geboren.

Dieser Beitrag erschien in der Fräulein Nr. 11
Illustrationen: Miriam Michelon

Verwandte Artikel