Sunflower Bean – Aus Liebe zum Rock’n’Roll

vor 4 Jahren

 Sunflower Bean berühren, weil sie authentisch und ehrlich klingen: nach dem Lebensgefühl einer träumenden Jugend.

Fräulein Magazin, Sunflower Bean

Zu Sunflower Bean möchte man sich auf der Suche nach kleinen, dunklen Clubs mit klebrigen Theken und zu tief hängenden Decken durch die Straßen der Großstadt treiben lassen. Die drei New Yorker Julia Cumming, Nick Kivlen und Jacob Faber sind Teil einer zeitgenössischen Subkultur, die an den Zauber des alten Rock’n’Roll glaubt und diesen mit dem Lebensgefühl von heute versöhnt. Sie appellieren an uns, den Laptop zuzuklappen und wieder in die Welt hinauszugehen, in eine kleine Bar vielleicht und uns von noch unbekannten Bans begeistern zu lassen.

Fräulein: Ihr seid in Brooklyn aufgewachsen. Inwiefern denkt ihr hat die Stadt euren musikalischen Stil beeinflusst?
Nick: Um 2010 herum war Brooklyns Musikszene ein unglaublich positiver und kreativer Raum, wenn es darum ging DIY-Rockkonzerte zu besuchen. Es war sehr inspirierend diese coolen, neuen Bands zu sehen und zu denken: „Wow, wenn die das können, dann kann ich das auch“. Als wir zusammenkamen wollten wir etwas tun, was viele Bands in Brooklyn zu diesem Zeitpunkt nicht taten. Viele Bands waren sehr grungig und vom Post-Rock/Noise/Experimental beeinflusst. Diese Genres lehnten die Stilmittel und Charakteristika des frühen und klassischen Rock’n’Rolls ab. Wir wurden von diesen Klischees geradezu angezogen.

Mit welchen Künstlern seid ihr aufgewachsen?
Nick: Für mich waren DIIV sehr inspirierend. Zu sehen wie sie groß wurden, wie sie besser und immer erfolgreicher wurden, jedes Mal wenn ich sie sah, hat mich viele Dinge gelehrt. Es war wie ein Platz in der Frontrow auf dem man eine ganz neue DIY Band dabei zusehen konnte, wie sie zu etwas Besonderem wurde. Eine andere Band mit der ich aufgewachsen bin ist Total Slacker. Sie waren unglaublich einflussreich was die Entstehung unserer Band betrifft. Unglaublich gut, schon fast hypnotisierend. Ich wollte sein wie diese beiden Bands.

Welche Menschen möchtet ihr mit eurer Musik erreichen?
Nick: Ich denke, dass unser Publikum eine sehr besondere und wunderschöne Mischung aus Leuten ist, die der Musik und Kunst aus dem subkulturellen Bereich folgen. Das ist das was ihnen wichtig ist und was sie lieben. Sie sind keine passiven Zuhörer, wie es die meisten Top 40 Hörer sind. Sie forschen nach, finden ganz neue, ungewöhnliche Dinge und kaufen Vinyl. Sie bezahlen dafür eine Band an einem Montagabend in einer Bar zu sehen, in die vielleicht 200 Leute passen. Sie sind wie wir. Und wenn wir nach einem Gig raus zum Merchandise-Stand gehen und mit ihnen  rumhängen, dann sind wir wie sie.

Erinnert ihr euch an den Moment, in dem ihr euch entschieden habt die Musik zum Beruf zu machen und nicht den traditionellen Weg zu gehen, wie es viele andere tun?
Nick: Ich habe angefangen darüber nachzudenken, die Musik zum Beruf zu machen, als ich in der 11 Klasse war. Meine alte Band, Turnip King, hat damals einen Gig nach dem anderen in der Stadt gespielt. Jede Woche. Es fühlte sich an, als sei es meine Bestimmung. Vor zwei Jahren habe ich die High School verlassen und manchmal kann ich gar nicht glauben, dass all das passiert. Ich bin sehr glücklich darüber, jeden Tag meines Lebens.

Macht ihr euch Sorgen über euren zukünftigen Erfolg?
Nick: Ich liebe es unterwegs zu sein, Musik zu machen, Alben aufzunehmen und in neue Länder zu reisen. Es wäre schwer den Erfolg ab einem bestimmten Grad zu ignorieren. Für mich bedeutet Erfolg das zu tun was du möchtest und die Kunst zu schaffen nach der du persönlich strebst. (Nick)

Es scheint, als sei Rock’n’Roll zurück. Bands wie Wolf Alice und DIIV genießen sehr viel Aufmerksamkeit seit den letzten Jahren. Wir haben Ellie Rowsell für die letzte Ausgabe interviewt. Was hat euch zur Rockmusik geführt. Seid ihr gelangweilt von Bands und Künstlern, die den kommerziellen Weg einschlagen?
Nick: In den USA existiert die Aufmerkamskeit auf Rockmusik geradezu gar nicht, es sei denn es handelt sich um ein Nebenprojekt eines bekannten Rockstars. Du wirst im Radio keine Rockmusik finden – du musst selbst danach suchen. In Großbritannien und Europa bekommen Rockbands sehr viel mehr Aufmerksamkeit, wenn auch viel weniger als Künstler aus anderen Genres. Ich interessiere mich wenig für Bands, die ich als kommerziell bezeichnen würde. Allerdings ist es immer noch hart für Musiker die Gitarre spielen. Von daher tu das, was du tun musst, um deine Rechnungen zu bezahlen. Sie haben meinen Segen. Und wenn sie damit auch noch Leute erreichen ist das auch gut.

Ihr habt in einem Interview gesagt, dass Rock’n’Roll Leben retten kann. Wart ihr in einer Situation, in der die Musik eure Rettung war? Aus einer Beziehung oder vor Selbstzweifel?
Nick: Als ich aufwuchs war Rockmusik nicht besonders beliebt. Ich wurde immer als das seltsame Gothic-Kid gesehen, ein Außenseiter in der High School. Rockmusik gibt Kindern die anders sind, die nicht unbedingt in das System passen und nicht der Mainstream-Kultur folgen, die Möglichkeit einen Platz darin zu finden. Ich kann mich mit der Mainstream-Kultur nicht identifizieren. Rock’n’Roll und Kunst retten dich vor dieser Kultur. Hör dir zehn Minuten lang die Top 40 im Radio an und du weißt wovon ich rede.

Mir gefällt die Artwork von Human Ceremony. Wo kam die Idee mit den Uhren her? Was bedeutet Zeit für euch? Denkt ihr über das Konzept von Zeit viel nach?
Nick: Das Plattencover ist etwas ironisch gemeint. Unsere Band hat einen besonderen Sinn für Humor, der nicht immer für jeden verständlich ist. Das Albumcover war nicht so gedacht, es super ernst zu nehmen, obwohl es ein sehr schönes Bild ist und auch gestalterisch großartig aussieht. Wir machen uns gerne ein wenig über mysteriöse und okkulte Symboliken lustig die wir mögen und die sich auch in der Rockmusik wiederfinden (Led Zeppelin, T.Rex…). Uhren sind extrem aufgeladene und symbolische Erfindungen des Menschen. Wir sind schließlich die einzige Spezies, die weiß, dass Zeit überhaupt existiert. Vielleicht repräsentieren Uhren unsere Menschheit. Ich habe darüber bis zu diesem Zeitpunkt nie nachgedacht.

Ihr seid alle sehr modeaffin. Julia, du modelst neben der Musik, für Labels wie Saint Laurent und Vetement. Kein anderer Designer in der Modeindustrie schafft es wie Hedi Slimane Rockmusik und Fashion miteinander zu verbinden. Wie wichtig ist Mode für junge Musiker sich auch durch Mode ein Stück weit auszudrücken?
Julia: Style ist eine Ausdrucksform und eine Möglichkeit seine eigene Identität zu schaffen und diese dadurch zu zeigen.

Wie geht ihr mit der Konkurrenz zwischen jungen Künstlern um und dem Druck, der von der Musikindustrie kommt?
Jacob: Darüber denken wir nicht wirklich nach. Wir tun das was für uns am besten ist und darauf legen wir den Fokus.

Was hat sich in den letzten drei Jahren zwischen euch verändert? Seid ihr wie Geschwister oder Freunde?
Jacob: Es hat sich nicht wirklich etwas verändert, seit der Veröffentlichung des Albums. Wir verbringen so gut wie jeden Tag miteinander. Und das tun wir eigentlich seitdem wir die Band gegründet haben. Ich würde sagen, dass wir in einigen Angelegenheiten eher wie Geschwister sind. Wir sind natürlich Freunde, nur viel enger – so wie es bei Geschwistern ist. Wir die Familien der anderen und können sehr offen einander gegenüber sein.

Beitrag: Alina Amato
Fotos: Jermaine Francis
Sunflower Bean jetzt in der Fräulein!

Das Album Human Ceremony von Sunflower Bean ist im Februar über Fat Possum erschienen.

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