Umgeben von Denim

vor 4 Monaten

Ihr Vater, Tony Lonsdale alias Blue Jean King, brachte im Jahr 1971 die erste Schlaghose nach Europa, ihr Patenonkel gründete die Jeansmarke Made in Heaven – Chloe Lonsdale ist zwischen Denim groß geworden und übernahm das Jeans-Erbe von Vater und Patenonkel. Anlässlich des Launches zu ihrer neuen Capsule Collection sprach sie über die einflussreiche Epoche der 70er Jahre und darüber, was an einer guten Jeans besonders wichtig ist.

Fräulein: Chloe, mit der „Marrakesh 1971 Capsule Collection“ kehrst du wieder zu den Wurzeln deiner Marke zurück. Warum hast du dich dazu entschieden jetzt die „Marrakesh flare“ neu zu erfinden?
Chloe: 1971 war das Jahr in dem mein Vater die ersten Schlaghosen in das vereinigte Königreich importierte, die er dann in seinem Jean Machine Store auf der King’s Road in London verkaufte. Es war außerdem das Jahr in dem Made in Heaven die ersten britischen Schlaghosen designte. Das erste Mal für das Vereinigte Königreich aber auch für Europa. 1971 markiert auch den Anfang einer Epoche in der Jeans als Zeichen der Rebellion von den Jungen, Hippen und Bohemen genutzt worden ist.

Wir wollten die Wichtigkeit des Jahres 1971 für die Marke verdeutlichen. Deswegen designten wir die „Marrakesh Capsule 1971“-Linie, welche sechs Denim-Kleidungsstücke beinhaltet, inspiriert vom Made in Heaven-Archiv. Die originale „1971 Marrakesh Flare“ wurde neu erfunden um die legere freigeistige Einstellung von damals wiederzugeben.

 

Was sind die klaren Merkmale der M.i.h Marrakesh flare?
Die „Marrakesh flare“ wird bereits über dem Knie weiter, was untypisch ist, da die meisten Schlaghosen erst unter dem Knie weiter werden. Das bedeutet, dass, wenn die Jeans gekürzt werden muss, sie nicht an Form oder Sitz verliert. Außerdem beinhalten sie unser Erkennungsmerkmal, die vorderen Taschen, welche für eine grade und klare Silhouette sorgen, sowie unsere Hintertasche, welche den Po optisch anhebt. Das bedeutet, dass die „Marrakesh flare“ die Kurven der Frau unterstreicht.

 

Die 70er sind eine der beliebtesten Modeepochen. Designer lassen sich immer noch von von dieser Zeit inspirieren. Warum sind die 70er so faszinierend?
Die Mode in den 70ern hat es den Menschen erlaubt ihre Freiheit auszudrücken. Die Jeansmodelle der 70er sind unisex und demokratisch. Frauen wurden von der ausdrücklich femininen Kleidung befreit. Die Entwürfe der Capsule Collection spiegeln diese neue Einstellung und Liberation der Frau wieder. Das immer wiederkehrende Aufleben der 70er ist keine Überraschung. Die Relevanz der Epoche, wenn das gesellschaftliche Klima betrachtet wird, ist heute erneut sehr aktuell.

 

Du bist im Denim Business aufgewachsen. Kannst du dich an deine ersten Assoziationen mit der Jeans erinnern?
Ich bin umgeben von Denim aufgewachsen. Mein Vater gründete den Jean Machine Store und mein Patenonkel gründete Made in Heaven im Jahr 1969. Meine Mutter war selber Denim-Model und meine Schwestern und ich haben uns als Kinder durch die Berge alter Jeanshosen auf dem Dachboden gewühlt, die wir dann in Röcke umnähten. Ich wusste schon immer, dass ich ein Teil der Modeindustrie sein will und Denim war, auf Grund meiner Kindheit, eine natürliche Richtung für mich. Wir hatten solch ein wunderbares Archiv von Made in Heaven Jeans aus den 70ern, dass es eine Schande gewesen wäre, die Gelegenheit verstreichen zu lassen. Deswegen habe ich genau diese Gelegenheit vor 13 Jahren genutzt. Ich wollte das perfekte Jeanspaar kreieren, Jeans mit minimalen Details in schmeichelnden Schnitten und authentischen Waschungen.

 

 

Ich liebe Jeans, die mit der Zeit wie eine zweite Haut für mich werden.

Als Expertin: Welche Merkmale sollte ein gutes Paar Jeans besitzen?
Sowohl die Qualität des Materials als auch Schnitt sind meiner Meinung nach absolut essentiell. Die Jeans sollte jeden Tag, jede Woche und jeden Monat besser werden und nicht nach der ersten Wäsche total ausleiern.

 

Wie viele Paare besitzt du selber? Und wie hat sich Denim aus deiner Perspektive über die Jahre hinweg geändert?
Ich bin kein Messi. Weniger war immer mehr für mich. Ich liebe Jeans, die mit der Zeit wie eine zweite Haut für mich werden, darum besitze ich im Moment etwa sieben oder acht Paare, die ich auch so lange trage bis sie auseinanderfallen.

Auch, wenn die Menschen mit Jeans Authentizität assoziieren, sind Jeans vor allem ein Vorreiter in Sachen Änderung. Denim war mal fester Bestandteil der Arbeiterkleidung, heute siehst du Denim in allen Fashionbereichen. Denim ist vor allem führend in neuen Strömungen. Angefangen in Fashion weiter zu Stretch und endend bei der technischen Performance. Das Aufregendste liegt für mich in der Änderung und Innovation bei der Denim Herstellung, auch der Aspekt der nachhaltigen Produktion. Bei M.i.h arbeiten wir daran die Menge an Wasser für die Produktion dramatisch zu kürzen, um ein Paar Jeans herzustellen. Zusätzlich nutzen wir Denim aus recycelter Baumwolle, um die Menge von neuen Materialien, die in der Modebranche genutzt werden zu reduzieren. Es geht darum das wertzuschätzen, was man hat.

 

Gibt es einen Stil, den du nicht magst?
Das Material sollte respektiert und zum größten Teil sich selbst überlassen werden. Ich kann es zum Beispiel gar nicht leiden wenn jemand von hinten so aussieht, als hätte er sich in Bleiche gesetzt, weil der Übergang so harsch ist. Das ideale Stück ist eine Kombination aus Stärke und Haltung gepaart mit Einfachheit. Also so, wie es auch begonnen hat.

 

Warum hast du dich dazu entschieden deine Marke zu M.i.h Jeans umzubennen?
M.i.h steht für Made in Heaven. Es ist der Name der Denim Marke meines Patenonkels aus den 70ern, eine der Marken, die in dem Jean Machine Store meines Vaters in London verkauft wurde. Als ich meine eigene Firma gründen wollte, gab er mir den Segen den Namen zu nutzen und einige der originalen Modelle wiederbeleben zu dürfen, von welchen einige heute noch zu den heutigen Bestsellern gehören.

 

Interview: Pia Ahlert
Bilder: PR

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