Weekend Reads zum Wochenende

vor 2 Monaten

Heute ist Weltfrauentag und zu diesem Anlass haben wir für euch unsere Lieblingsartikel zum Thema Gleichberechtigung zusammengestellt. Es geht um Alltagsrassismus, Geschlechterkategorien bis hin zu vierzig Gründen, die uns veranlassen sollten heute gemeinsam für die Einhaltung der Rechte aller Menschen auf die Straße zu gehen. Zusätzlich gibt es eine Spielanleitung und eine Prise Heiterkeit.

Warum zwei Geschlechter wenig Sinn machen – aus biologischer Sicht

Die Athleten Caster Semenya gilt als einer der bekanntesten intergeschlechtlichen Menschen der Welt. Mehrfach wurde der Mittelstreckenläuferin vorgeworfen in Wirklichkeit ein Mann zu sein. Ihre Konkurrentinnen beklagen, sie genieße ihnen gegenüber unfaire Vorteile, aufgrund ihrer angeblich hohen Testosteronwerte. Nun tagt der Internationale Sportgerichtshof CAS. Bis zum 26. März soll entschieden werden, ob Testosteronlimits für Mittelstreckenläuferinnen mit intergeschlechtlichen Anlagen rechtens sind. Supernova nimmt die Geschichte von Semenya zum Anlass, um die binäre biologische Kategorie des Geschlechts neu zu hinterfragen. Dabei bricht das Magazin mit traditionellen Vorstellungen.
„Aus biologischer Sicht reichen zwei Schubladen einfach nicht aus, um Geschlecht zu verstehen. Man müsste es sich eher wie eine Skala zwischen zwei Punkten vorstellen und fast alle Menschen sind an einem anderen Punkt irgendwo dazwischen. Oder vielleicht noch eher wie ein Koordinatensystem. Oder ein Sonnensystem.“ Ferner heißt es: „Und wer glaubt, Menschen ihrem biologischen Geschlecht nach in zwei abgeschlossene Kategorien einsortieren zu können, der sollte das erst mal mit einer Tüte Haribos versuchen.“

Warum mich die Wo-kommst-du-her-Frage stört

Die ZEIT ONLINE Politik- und Gesellschaftsredakteurin Vanessa Vu versucht in und mit ihren Artikeln Menschen zu verstehen. Besonders diejenigen, die nicht verstanden werden. Damit gemeint sind Hassende und Gehasste, Ausgegrenzte und Andere. Vannessa Vu ist das Kind vietnamesischer Eltern. In einem ihrer Beiträge über Alltagsrassismus erklärt sie warum sie die „Woher-kommst-du-Fragen“ nur noch nach ihren eigenen Bedingungen beantworten möchte. „Für die Woher-kommst-du-Fragenden ist diese Frage harmlos. Sie stellen sie und haben sie kurze Zeit später vergessen. Ich habe sie nie nach wenigen Sekunden vergessen. Egal was ich tue, ob ich mich gegen die Frage auflehne oder sie stoisch beantworte und negative Erinnerungen zulasse – am Ende bin ich die Verliererin. Deswegen stört sie mich.“

Aus dem Weg, hier kommt ein Mann

Wie häufig passiert es euch, dass ihr im Alltag, auf dem Weg zur Arbeit, zum Supermarkt oder zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Männern – häufig privilegierten, weißen Männer – den Weg frei machen müsst? Zumindest der britischen Historikerin Charlotte Riley ergeht es täglich so. Deshalb kreierte sie ein Spiel, einen kleinen rebellischen Akt, der den Status Quo der aktuellen Gleichberechtigung von Frau und Mann hinterfragen soll. Helen Hahne von Edition F erklärt die Spielregeln von „Patriarchy Chicken” und warum wir es alle mal ausprobieren sollten.

„Die Idee dazu kam ihr [Charlotte Riley] auf ihrem Arbeitsweg. Sie pendelt täglich von Ost-London nach Southhampton und macht dabei bisher, nach eigener Aussage, vor allem eins: Männern ausweichen – und darauf hat sie einfach keine Lust mehr. Deshalb das Spiel. Die Regeln sind auf den ersten Blick simpel: Männern nicht ausweichen und, zumindest in der Version, die Riley am liebsten spielt, dabei lächeln. Die Umsetzung ist allerdings gar nicht so einfach. Denn es gilt, den sozialen Instinkt, ausweichen zu wollen, zu überlisten. Und damit bewusst in Kauf zu nehmen, mit Männern zu kollidieren.“

40 Gründe, am Weltfrauentag auf die Straße zu gehen!

Julia Korbik hat für den erfolgreichen Berliner Blog „This is Jayne Wayne“ vierzig Gründe zusammengetragen, die uns quasi zwingen morgen für mehr Gleichberechtigung zu protestieren. Allein Grund eins sollte uns alle vor die Tür scheuchen: „Erst in 217 Jahren werden Männer und Frauen überall auf der Welt gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, das zeigt der Global Gender Gap Report von 2017.“

Colour your Life

Im Leben scheint es Dinge zu geben, die uns fast alle auf gleiche Weise glücklich machen – unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter. Die Designerin Ingrid Fetell Lee beschäftigt sich mit der Frage, warum das so ist und erzählt wie sich ihr eigenes Verhalten veränderte: „Ich fing an überall kleine Momente der Freude zu entdecken, in einem gelben Oldtimer oder cleverer Straßenkunst. Es war, als hätte ich eine rosarote Brille an, und jetzt, wo ich wusste, wonach ich suchen sollte, sah ich es überall.“

Die Sonne genießen, für Menschenrechte kämpfen und die kleinen Freuden des Lebens (neu) entdecken. Wir wünschen euch ein tolles Wochenende!

 

Text: Teresa Löckmann

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