Ein Fotoprojekt kämpft gegen Klischees

vor 3 Wochen

„Kurze Haare, karierte Holzfällerhemden, ungeschminkt“ – Die klassische und mit Klischee überzogene Standardantwort auf die Frage, woran man eine Lesbe erkennt.

Natürlich gibt es sie genau so, denn Klischees entstehen nicht von selbst, doch gibt es zwischen schwarz und weiß auch ganz viel Buntes. Und genau diese bunte Vielfalt zeigt Fotografin Rita Braz in ihrem Fotoprojekt Q Revolt. Für ihr frisch erschienenes Buch hat sie 100 Frauen, die Frauen lieben, porträtiert, um mit oben erwähnten Stereotypen zu brechen. Rita, die gebürtig aus Lissabon stammt, arbeitet seit 2010 als Art Director und Fotografin in Berlin und produziert unter anderem für Nike, Heineken und Warner Music. Mit Fräulein sprach sie über ihr Projekt.

 

Fräulein: Wie kamst du zu der Idee einen Bildband zu veröffentlichen, der lesbische Frauen porträtiert?

Rita Braz: Die Idee ein Projekt zu entwickeln rund um das Thema Frauen, die Frauen lieben, war mir ein persönliches Bedürfnis – Ich selber liebe eine Frau und fühle mich nicht zugehörig zu dem bestehenden Stereotyp. Weder mein Aussehen noch mein Verhalten passt zu dem einer „herkömmlichen“ Lesbe, deshalb war es mir wichtig, das Bild zu brechen und andere Facetten lesbischer Frauen zu zeigen. Ich denke, dass Stereotypen durch eine Angst vor dem Unbekannten entstehen und man diese nur bekämpfen kann, in dem man die Vielfalt der Menschen zugänglich macht.

Das heißt die lesbische Frau ist immer noch ein Klischee in unseren Köpfen?

Ja. Die Leute denken immer noch, dass lesbische Frauen aussehen müssen wie Männer, mit kurzen Haaren und maskulinem Verhalten. Natürlich gibt es die auch, aber es gibt so viele andere Typen – genauso wie es sie bei heterosexuellen Frauen auch gibt. Dieses Spektrum an Weiblichkeit möchte ich mit Q Revolt zelebrieren.

„Ich konnte mich mit dem bestehenden Bild von einer lesbischen Frau nicht identifizieren.“

Wo hast du die Frauen für dein Projekt gefunden?

Ganz unterschiedlich. Einige Frauen sind Freunde von Freunden, andere habe ich einfach angeschrieben und ein Großteil hat sich bei mir gemeldet, weil sie daran interessiert waren ein Teil des Projektes zu werden. Für mich war es wichtig, eine Art Kuration durch die 100 Porträts zu entwickeln, damit ich die Vielfalt erreichen konnte nach der ich gesucht habe.

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Das erste Portrait habe ich bereits 2013 gemacht. Doch so richtig habe ich mit der Arbeit erst 2017 begonnen, nach dem ich eine Kickstarter-Kampagne gestartet hatte. Durch das Geld, welches ich damit eingenommen habe, konnte ich die 100 Portraits produzieren und anschließend das Buch und die dazugehörige Ausstellung vorbereiten.

Was ist dein Wunsch für die homosexuelle Gemeinschaft?

Ich wünsche mir, dass es eines Tages keine Rolle mehr spielt oder es Fragen dazu gibt, von wem man sich angezogen fühlt.

Das Buch ist online unter www.qrevolt.com erhältlich.

Bilder: Q Revolt

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