Fräulein’s Leseempfehlungen zum Wochenende

vor 3 Wochen

Die lesenswertesten Artikel zu der #metoo-Debatte und zum Thema Körper.

Wenn eine Debatte in den letzten Wochen für Aufruhe gesorgt hat, dann war es wohl #metoo. Sie hat ein weit verbreitetes Verhalten an die Oberfläche gebracht und eine neue Debatte über Sexismus entfacht. Die Wurzeln dieses Problems liegen so tief in den dunklen Sphären unserer Sozialisierung, dass viele Kommentare entweder voller Verunsicherung sind oder einfach nicht weit genug gehen. Die Jahrtausend alte Schwierigkeit, die dahinter liegt ist, dass Frauen als Körper wahrgenommen werden, Männer als Genius. Kampagnen wie #mehralsmeinkörper, Fotostrecken über die Schönheit hinter dem vermeintlich Hässlichem oder Diskurse über die dunkle Seite von Schwangerschaft zeigen welches Stigma in Frauenköpfen festsitzt.

 

#ohnemich

„Für sich selbst gut aussehen“ zu wollen, ist daher ein Widerspruch in sich. Bequeme oder praktische Kleidung kann man für sich selbst anziehen wollen, in einem einsamen Akt des Körperkomforts, in einem Robinson-Akt sozusagen. „Schicke“ Kleidung oder „sexy“ Outfits dagegen kann man nicht für sich selbst anziehen wollen – die Wörter „schick“ und „sexy“ haben keinen Sinn außer in der sozialen Beziehung zu anderen, in einer Robinson-Welt hätten sie keine Bedeutung. Es ist klar, dass, wenn eine Frau das oft genug gemacht und tief genug verinnerlicht hat, sie es auch ohne konkrete Adressaten und Gegenüber tun wird, auch allein in ihrer Wohnung und auch in einer anonymen Fußgängerzone in einer fremden Stadt. Aber dann ist der Blick des anderen soweit verallgemeinert und verinnerlicht, dass es den konkreten anderen nicht mehr braucht. Ein Artikel von Barbara Kuchler auf Zeit Online.

 

On Self-Respect: Joan Didion’s 1961 Essay from the Pages of Vogue

Der beste Text zur #metoo Debatte erschien schon 1961 in der Vogue. Die später weltberühmte Joan Didion (zuletzt mit Sonnenbrille von Jürgen Teller für Céline fotografiert) macht sich darin Gedanken über Selbstachtung. Absolut zeitlos. Eine sehenswerte Dokumentation über ihr Leben gibt es aktuell auf Netflix. Zum schönen Essay geht es hier.

 

A Different Kind Of Pregnancy Announcement

The mind will take you to the depths of desperation, distort fact and eradicate truth if you let it. When you close your heart, invariably, too, you close your mind — and there is no light. Von Leandra Medine.

 

Müssen wir anders über Schwangerschaftsabbrüche reden?

Ich denke schon. Und zwar ehrlicher, offener, emotionaler, aber vor allem viel häufiger. Betroffenen Frauen nützen all die Plakate und Märsche emotional meines Erachtens wenig, aber dennoch ein bisschen. Damit das Mörderinnen-Stigmata, das uns von Gegner*innen immer wieder aufgedrückt wird, endlich verschwindet. Das habe ich vor allem beim Durchforsten diverser Foren gemerkt, in welchen nach Rat Suchende oft mit Müttern konfrontiert werden, die ein solches Handeln fassungslos zurücklässt. Gegenseitige Akzeptanz und das Auslassen unerschütterlicher Extreme wäre ein erster Schritt, wo persönliche Beweggründe doch unergründlich sind und der Kern dieser langjährigen Debatte trotz allen Fortschritts bestehen bleibt. Was wiegt schwerer: Der Schutz des ungeborenen Lebens – oder das Recht der Mutter, über ihren Körper selbst zu bestimmen? Von Nike Jane.

 

#mehralsmeinkörper

Die Abtreibungsdebatte in den USA wird immer krasser, in Russland wurde häusliche Gewalt teilweise legalisiert und auch in Deutschland wurden alarmierende Statistiken veröffentlicht: Das BKA meldet, dass immer noch jeden zweiten Tag in Deutschland eine Frau* an den Folgen von Gewalt stirbt. Und auch BILD trägt immer noch täglich dazu bei, Frauen* auf ihre Körper zu reduzieren und Sexismus zu verbreiten. Wir wissen, Frauen* sind mehr als ihre Körper und wollen die Vielfalt von Frauen* feiern. Seit über zwei Jahren legen sich die Macherinnen der „Stop Bild Sexism“-Kampagne immer wieder mit Deutschlands größter Tageszeitung an. Ein Beitrag von Britta Häfemeier, Lisa Purzitza auf Libertine.

 

Photographs capture the story behind scars

Die Fotografin Sophie Mayanne hat in Kooperation mit Femme Culture in London ihre Fotografie „Behind The Scars“ in einer Ausstellung gezeigt. Es geht um die Definition von Schönheit(idealen), das Frauenbild, Imperfektionismus. Zu sehen auf Dazed.

 

 

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