In the streets: eine Fotoserie

vor 4 Wochen

Für Fräulein selektierte der Londoner Fotograf Jermaine Francis Bilder aus seinen Arbeiten zwischen 2017 und 2019. Warum ihn die Straßen so faszinieren und wie er mit der Covid-19 Krise als Künstler umgeht.

Fräulein: Was war deine Vision hinter der Serie?

JF: Die Bilder sind eine Selektion aus verschiedenen Projekten. Die Straßen erzählen für mich Geschichten, über die Gesellschaft und Kulturen und reflektieren unsere Zeit. Ich finde es interessant, wie die Umgebung und dessen Interaktion Dialoge kreieren können, innerhalb von Räumen. Mein letztes Projekt vor dem Lockdown beschäftigte sich mit Bewegung, mit der Spannung und Interaktion innerhalb eines spezifischen urbanen geographischen Raums, auch mit der Klaustrophobie die sich entwicklen kann. Wenn ich jetzt zurückschaue

FR: Was löst es in dir aus, wenn du dir jetzt die Bilder anschaust?

JF: Es ist ein merkwürdiges Gefühl zu sehen, wie diese Bewegungsfreiheit in den Bildern und und die Interaktion, physikalisch und psychologisch, auf einmal etwas Fremdes ist für uns. Ausgelöst von etwas Unsichtbaren. Das Projekt, an dem ich gerade arbeite, ist eine Reaktion auf unsere neue Realität.

FR: Wie hat dich COVID-19 persönlich und professionell betroffen?

JF: Es war manchmal sehr schwer, dass ich meine Liebsten, meine Mutter und meine Freunde, nicht sehen konnte. Obwohl du dich durch die Technologie mit ihnen connecten kannst, wird es niemals nie Intimität und Berührung mit einer Person ersetzen. Ich wuchs allerdings als Einzelkind auf und bin es daher gewohnt, allein zu sein. Es gibt viele, für die es aber ganz und gart nicht einfach ist.  Sie wissen nicht, wie es ist, mit seinen eigenen Gedanken allein dazustehen  ohne soziale Interaktion oder Stimulation.

Zum Glück bin ich noch immer in der Lage zu arbeiten, mein Online Journal sowie die Produktionsarten werden stark motiviert durch die Auseinandersetzung mit den aktuellen Bedingungen. Natürlich sind wir alle besorgt über die finanziellen Konsequenzen, viele Menschen werden nicht mehr in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können und das in vielen Sektoren.

FR: Hat die Krise deine Perspektive auf das Leben und die Kunst verändert?

JF: Ich denke das Kunst und Kultur in der jetzigen Zeit noch wichtiger geworden sind. Und diese Periode hat noch einmal meine Haltung verstärkt, dass Zeit so wertvoll ist, um sie zu verschwenden. Du solltest dem nachstreben, was dich glücklich macht. Auch glaube ich, dass die Zeit unsere Haltung zu bestimmten, kleineren Dingen verändert hat, z.B. ein verspäteter Zug, eine längere Taxifahrt, das Anstellen um Lebensmittel zu kaufen. All das ist nicht mehr so wichtig, in Anbetracht dessen, was der Virus anrichtet.

FR: Was vermisst du am meisten?

JF: Meine Freunde zu sehen, in natura. Einen Freund zu umarmen. Die Spontanität im Leben. Die Energie der Stadt. Und das Reisen.

FR: Wie nutzt du die Zeit gerade?

JF: Ich habe viele Dinge wiederentdeckt, wie z.B. Bücher zu lesen. Ich probiere, jeden Tag Sport-Übungen zu machen und auf meinen Spaziergängen versuche ich jedes Mal andere Wege zu gehen. So habe ich wirklich meine Wohngegend neu entdeckt. Ich koche viel und probiere neue Dinge aus, edite viele Projekte und halte viel Kontakt zu meinen Freunden um zu sehen, um es ihnen gut geht. Und um ihnen zu sagen, dass ich hier bin, auch, wenn es nur für ein „Hallo“ ist.

FR: Was sind deine Top 5 Quarantäne Tipps?

JF:

  1. Schaffe dir eine tägliche Routine, das hilft, um deinen Tag zu strukturieren. Aber behalte dir die Flexibilität, um ein bisschen Variation gegen die Monotonie zu bewahren. Und sei nicht so hart mit dir, auch wenn du ein Tag verbracht hast, ohne wirklich etwas gemacht zu haben. Schöne Momente allein, mit deinem Partner oder Kindern zu verbringen ist nichts, worüber man ein schlechtes Gewissen haben sollte.
  2. Kommunikation ist wichtig. Besonders in Zeiten, in denen wir viel Zeit mit unseren eigenen Gedanken verbringen. Für viele kann eine verstärkte Angst und Stress überwältigend sein. Mit einem engen Freund zu sprechen ist immer gut.
  3. Comedies! Es ist immer wichtig zu lachen, in dunklen Zeiten. Es ist wichtig, einen Raum außerhalb der Negativität zu finden. Das kann durch einen Podcast passieren oder einem Film.
  4. Bewegung! Sie ist wichtig für deinen Verstand und deine Seele. Ganz gleich ob es ein Spaziergang ist, Yoga, Stretching oder ein ganzes Workout.Es gibt zahlreiche Apps und Youtube Channels die helfen.
  5. Musik! Nichts kann so die Stimmung verändern wie Musik. Einfach mal sein handy oder Computer ausschalten und guten Musik hören, nichts kann das schlagen. Und tanze. Ich sage immer: tanze, als ob dir jemand zuschauen würde.

Bilder: Jermaine Francis

Text: Sina Braetz

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