Amazone des Kosmos und der Schizophrenie: Cecilia McGough

vor 7 Monaten

Eine Astronomin, die sich für den offenen Dialog mit Schizophrenie einsetzt.

„Ich bin einfach jemand, der seine Albträume nicht ausschalten kann, auch, wenn ich nicht mehr schlafe“, so beschreibt Cecilia McGough ihre Schizophrenie. Seit Cecilia ein kleines Mädchen war, wusste sie, dass mit ihr etwas nicht ganz stimmt. Als sie dann ihrer Mutter davon erzählt, sagt diese: „Niemand darf davon erfahren, du musst an deine Schwestern denken, die Leute werden glauben du bist verrückt und gefährlich“. Cecilia, die einen Major in Astronomie und Astrophysik hat, fängt vor vier Jahren an zu halluzinieren. Sie sagt selber, dass sie gelernt hat ihre Halluzinationen zu kontrollieren und vor allem so normal wie möglich zu wirken.

„Schizophrene müssten eigentlich alle Oskar Nominierungen für ihre schauspielerische Leistung erhalten“

sagt sie. Zu Cecilias immer anwesenden Halluzinationen gehört ein weiß geschminkter Clown mit einer roten Perücke. Er sei immer da. Tun würde er aber nichts. Was wirklich beängstigend sei, sei das Mädchen mit den langen dunklen Haaren, das ein Messer mit sich trägt und Ähnlichkeit mit der Darstellerin aus dem Horrorfilm „The Grudge“ hat. Sie könne im Gegensatz zu dem Clown mit ihr interagieren. Sie wisse genau wann sie was sagen muss, um Cecilias Unsicherheiten weiter hervorzubringen. Manchmal attackiert das Mädchen Cecilia mit einem Messer und hindert sie daran einem normalen Tagesablauf folgen zu können. Mittlerweile kann Cecilia aber sehr gut zwischen Halluzination und Realität unterscheiden. Die meisten Halluzinationen seien unrealistisch, so wie der ihr immer folgende Clown oder das langhaarige Mädchen. Sie halluziniert manchmal aber auch von kleinen Spinnen, die über ihren Körper krabbeln. Da sei es schwierig den Bezug zu der Realität nicht zu verlieren. Im Februar 2014 versucht Cecilia Selbstmord zu begehen. Sie überlebt und acht Monate später erfährt ihr Umfeld von der Schizophrenie. Sie setzt die Welt über einen Blogeintrag, den sie auf Facebook teilt, in Kenntnis. Ganz freiwillig kam sie jedoch nicht zu diesem Entschluss. Nachdem sie von ihrem zweiten Klinikaufenthalt in das Studentenwohnheim zurückkehrt, machen sich einige ihrer Freunde Sorgen und rufen die Polizei, die sie dann in eine weitere Klinik eskortieren. Also entschied Cecilia sich nun allen von ihrem „Geheimnis“ zu erzählen. Die Reaktionen waren überwältigend positiv und unterstützend. McGough, die bereits Gründerin und Präsidentin der Penn State Pulsar Collaboratory (einer Vereinigung junger Physiker) ist, gründet die erste nonprofit Organisation in den USA, die sich für Studenten mit Schizophrenie einsetzt. Es ist wichtig, diese Geschichten zu erzählen. Zu erklären, warum jemand stark ist und was ihn zu dieser Person gemacht hat. Wir hören Erfolgsgeschichten, kriegen aber nur den einen Teil des Erfolges mit. Jedoch fangen Erfolgsgeschichten da an, wo es schwierig ist, da wo man aufgeben möchte und da wo man das Gefühl hat, es ginge nicht mehr weiter. Cecilia ist nicht nur ein Vorbild für Menschen mit psychischen Problemen, sondern für alle die das Gefühl haben: „Ich weiß nicht mehr weiter.“ Und auch wenn irgendwann Erfolg eingetreten ist, bedeutet das nicht, dass das Leben nur noch rosig weitergehen wird. Cecilia hat den Jackpot geknackt, sie ist Astronomin, Gründerin und Vorsitzende von zwei Organisationen. Ihre Schizophrenie begleitet sie aber weiter. Das hält sie nicht auf. Im Gegenteil, es macht sie zu einer der einzigartigsten Persönlichkeiten unserer Zeit. Ihre millionenmalig angeklickte TED-talk Rede beendet Cecilia mit den Worten:

„Mein Name ist Cecilia McGough. Ich habe Schizophrenie und ich bin kein Monster.“

Text: Maria Kustikova
Bilder: PR

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