Die deutsche Punk Ikone: Nina Hagen

vor 10 Monaten

Man bezeichnet Nina Hagen auch gerne als “The Godmother of Punk”. Seit den letzten vier Jahrzehnten fasziniert sie durch ihr charismatisches und facettenreiches Erscheinungsbild und natürlich ihre eigenwillige Art.

Das wilde Berlin der 70er und 80er Jahre, rief so einige Ikonen hervor, die den deutschen Punkrock und die Neue Deutsche Welle besonders prägten. Eine unter ihnen: das Multitalent Nina Hagen. Die Ikone fing als Opernsängerin, mit einem vier Oktaven Stimmumfang, an und hatte dann ihren ersten Durchbruch mit dem Sommerhit: “Du hast den Farbfilm vergessen” — dieser beweist die Ironie ihres Daseins. Nina erwies sich als eine zutiefst beeinflussende Künstlerin in der Punkszene und war eine Vorreiterin in Sachen Selbstinszenierung, Selbstbestimmung und Radikalität.

Bekannt ist sie für ihre lange schwarze, hochtoupierte Mähne, schrilles Make-up und natürlich ihre einzigartigen Outfits, von denen wir heute noch träumen. Es ist nicht einfach eine klare Linie, in ihrem unberechenbaren und risikofreudigen Style zu finden. Ob ein schwarz-weiß kariertes Mesh-Top, eine pelzbesetzte, weiße Lederjacke oder ein Leoparden-Rock, Nina Hagen kennt keine Grenzen zwischen feminin und makaber. Manchmal erinnert sie mich an Moritica von der Addams Family, nur als Herrin der Finsternis in schrillen Neonfarben.

Nina verkörperte verschiedene Charaktere auf der Bühne, als sie, mit der Nina Hagen Band, die sie 1977 in Kreuzberg gründete, auftrat. Das machte sie unter anderem einzigartig, aber auch ihre exzentrische und provokative Mimik. Sie wusste, wie man die Aufmerksamkeit auf sich zieht und schockierte mit bissigen Songtexten, die sie mit ihrer markanten Stimme knurrte oder schreite. Für “Street”, Hagens fünftem Studioalbum, entwarf sie sogar zusammen mit dem Designer Jean-Paul Gaultier und der britischen Punk-Modekünstlerin Vivienne Westwood, drei verschiedenen Outfits, die sie auf dem Cover trug.

Gerade weil Nina damals gegen alle Normen rebelliert hat, sei es ästhetisch oder politisch, sollte man in Zeiten des Social-Media-Narzissmus ein Beispiel an ihr nehmen und viele Aspekte des Lebens aus einem anderen, vielleicht eher ironischen Blickwinkel betrachten. Während wir zwanghaft versuchen irgendwelchen Idealen auf verschiedensten Plattformen gerecht zu werden, glotzt Nina TV. Den Songtext zu “TV-Glotzer” könnte man im übertragenden Sinne wörtlich nehmen:

Allein!
Die Welt hat mich vergessen
Ich hänge rum!
Hab’s bei allen verschissen
Ich sitz‘ zu Hause!
Keine Lust zu gar nichts
Ich fühl‘ mich alt!

Im Sumpf wie meine Omi:
Ich schalt‘ die Glotze an
Happiness, Flutsch Flutsch, Fun Fun

Obwohl bereits 1978 entstanden, ist der Songtext noch heute von Bedeutung, denn dieser spiegelt unsere derzeitige Gesellschaft wider – man müsste nur TV mit Instagram austauschen. Und wenn wir uns unwohl fühlen, benutzen wir Filter, um Happiness zu erzeugen.

Ihr schräges Weltbild reicht von Ufos und Außerirdischen bis hin zu politisch relevanten Themen und genau das macht Nina Hagen aus. Sie sagt, was sie denkt, und ist, wer sie will. Nina hat ihre Erscheinung als Punkbraut nicht nur zur Vorliebe für Leder, Nieten und schwarzen Eyeliner gebraucht, sie hat die Gelegenheit genutzt, um Stimmen und Geschichten anderer zu erheben. Deshalb sollten wir alle etwas Nina Hagen werden und uns nicht allzu ernst nehmen, aber trotzdem laut sein, um relevante Themen nicht totzuschweigen.

Text: Francesca Schliephake
Bild: Jim Rakete

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