So stell‘ ich mir die Liebe vor: Carolin Lerch

vor 2 Wochen

Carolin Lerch musste nicht lange überlegen, wie sie sich die Liebe vorstellt. Die Wiener Modedesignerin zeichnete einen Hasen und eine Katze an einem Lebensbaum. Im Interview erklärt sie, warum.

„Ich glaube, dass wahre Liebe zwischen zwei Menschen ein Prozess ist, der nie aufhört, sich zu entwickeln. Ich liebe seit zehn Jahren die gleiche Person und diese Beziehung reift immer mehr. Wenn man so lange zusammen ist, mit seinem Partner teilt. Erst dann entsteht diese wundervolle Symbiose zwischen zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind.

Ich glaube an die eine, große Liebe. Alle anderen Lieben fallen wohl in die Kategorie „Verliebt-sein“. Das ist was ganz anderes als Liebe. Viele sagen, Sex hat nichts mit Liebe zu tun – ich sage, Verliebt-sein hat nichts mit Liebe zu tun. Je jünger man ist, desto weniger glaubt man, dass man andere braucht. Wenn man älter wird, lernt man, dass das nicht stimmt. Erst mit dem Alter beginnt man, die Liebe wirklich zu verstehen. Ich liebe es, verliebt zu sein, und ich brauche das Gefühl immer wieder. Es ist wie ein Sonnenaufgang oder eine chemische Reaktion: unaufhaltsam. Aber wenn man jung ist, haben erste Küsse und dieses Kribbeln eher was mit einem Selbstbeweis zu tun. Wenn man älter wird, legt man dieses egozentrische Denken ab und projiziert seine Liebe auf jemand anderen.

Das ist auch bei einer guten Freundschaft so. Mit der Zeit lernt man gewisse Leute schätzen und eben auch lieben. Eine tiefe Liebe kann einen stärken, stützen, aber auch schützen. Sie balanciert dich aus. Wenn man geliebt wird, fühlt sich das warm an, wie ein sanftes Streicheln am Kopf oder ein herzliches Schulterklopfen. Im übertragenen Sinne vielleicht auch wie ein Sonntagmorgen, an dem man aufwacht und merkt, dass man liegen bleiben kann. Ohne Zeitdruck, ohne schlechtes Gewissen.

Meine Zeichnung ist eigentlich ein Familienwappen, aber es illustriert für mich vor allem die Liebe. Es geht mir um die gemeinsame Ruhe, die der Hase und die Katze teilen. Sie sind vollkommen zufrieden. Und so unterschiedlich sie auch sein mögen, sie treffen an dem Lebensbaum zusammen – weil es so sein soll, weil sie füreinander bestimmt sind.“

Carolin Lerch studierte an der Academy of Fashion in Antwerpen und war Assistentin von Bernhard Willhelm. 2004 gründete sie ihr eigenes Label Pelican Avenue.

 

Zeichnung: Carolin Lerch

Protokoll: Lisa Leinen

Dieser Beitrag erschien in der Fräulein Nr. 2.

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