Fotografie: Chioma Nwana sucht einen neuen Blick auf schwarze Frauen

vor 2 Jahren

Diese Fotoserie ist uns nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Wir wollten herausfinden, welche  Geschichte dahinter steckt – und haben dabei eine tolle, junge Fotografin kennen gelernt. Chioma Nwana ist 20 Jahre jung und betrachtet durch ihre Linse schwarze Frauen aus einer neuen Perspektive.

Zwei Mädchen in weißen Shirts und weißen Turnschuhen, mit dem Rücken an einer weißen Wand gelehnt, stehen eng beieinander. Ihre Arme berühren sich leicht. Fragend schauen sie in die Kamera. Vielleicht auch gedankenversunken oder bestimmt. Ihre Blicke ergänzen sich und heben sich gleichzeitig auf. Die Stimmung, die das Foto vermittelt ist nicht festgeschrieben. Sie vibriert. Der Bildaufbau dagegen ist alles andere als dynamisch: Die gelbe Straßenmarkierung und der parallel dazu verlaufende Abschluss der Hauswand geben dem Foto einen statischen Rahmen. Gehalten von der Symmetrie der Linien blicken die jungen Frauen den Betrachter direkt an.

Welche Geschichte steckt hinter diesen Fotos? Wer sind die beiden und für wen posieren sie? Die Fotografin heißt Chioma Nwana und studiert im zweiten Semester Neurowissenschaft an der Uni in New York. Die Verbindung von Fotografie und Neurowissenschaften klingt spannend, aber so richtig vorstellen kann man sich die Person nicht, die tagsüber mikroskopiert und abends Requisiten für Shootings organisiert. Was haben die beiden Felder für Chioma gemeinsam? Mit beidem lässt sich außerhalb bekannter Schubladen denken. Beides fordert heraus, neue Zusammenhänge zu verstehen und zu beschreiben. Der einzige Unterschied: Während die Wissenschaft ein Gefühl von Hektik und Ruhelosigkeit in ihr auslöst, versetzt sie das Fotografieren in einen Zustand von Entspannung.

Bei all ihren Fotos fällt auf: Chioma fotografiert schwarze Frauen. Und das ist Absicht, definitiv – wie sie sagt. Immer und immer wieder werde die schwarze Frau unterschätzt, marginalisiert und übersehen. Sie nutzt das Medium Fotografie und ihre Aufnahmen als Plattform, um dieses Thema neu aufzurollen und eine andere Perspektive auf dunkelhäutige Frauen zu kreieren. Sie will zeigen, wie schön jede einzelne schwarze Frau ist, und dass sie es verdienen, sich auch genau so zu fühlen.

Zurück zum Ursprung des Interviews: Was hat es mit der Fotoserie mit den zwei jungen Frauen im weißen Shirt auf sich? Douye Yaboh und Timi Yahob sind Zwillinge. Und zwei sehr enge Freundinnen der Fotografin. Geplant haben sie das Shooting einen Tag vorher per SMS. Die einzige Vorgabe, die Chioma ihnen gab: „Bringt weiße Schuhe mit, den Rest sehen wir vor Ort.“ Sie gingen um die Ecke, kauften zwei weiße Oberteile und machten die Fotos noch direkt vor dem Laden.

Weil die beiden finden, dass sie sich nicht ähnlich sehen, wollte Chioma den Moment schaffen und festhalten, in dem Douye und Timi wie richtige Zwillinge aussehen. Sie findet, es ist ihr gut gelungen. Durch ihre Fotos eröffnet sich ein neuer Blickwinkel. Dabei geht es um Ermächtigung und um Gesehenwerden – nicht nur für die Frauen vor der Kamera, sondern auch für die Fotografin selbst.

Mehr über Chioma erfahrt ihr hier.
Beitrag: Alicja Schindler

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