DJ Bambii und ihr Einsatz für mehr Inklusion in der Musikszene

vor 3 Wochen

Diverse globale Klänge mit einem elementaren Hochgefühl in ihrer Arbeit vereinend, weiß Kirsten Azan – a.k.a. Bambii – genau, welche Botschaften sie verbreiten will und welche Motivationen sie antreiben. Während sie sich in ihrer Heimatstadt Toronto seit Jahren einen Namen gemacht hat, nutzt sie ihren zunehmend internationalen Erfolg vor allem, um mehr Sensibilität für die Kämpfe von POC und Frauen in der Kunst zu schüren.

Zum DJ-ing kam Kirsten nachdem sie die Kunsthochschule abbrach, eine Zeit lang mit etlichen Jobs mehr schwamm als sich über Wasser zu halten, und Veranstaltungen mitorganisierte, für die sie keinen passenden DJ fand. Die Lücke begann sie schließlich selbst zu füllen und konnte mit ihren Sets als Bambii soviele Zuhörer*innen begeistern, dass sie inzwischen auch selbst produziert und eine eigene – inklusive, LGBTQ-freundliche und bezahlbare – Partyreihe namens „JERK“ in Toronto hostet. Im kurzen Interview mit Fräulein bespricht sie Inklusion, ihre Maxime, Ziele und ihren Rat an Artists of Color.

 

Eine elementare Frage: Erinnerst du dich an den ersten Record, mit dem du dich in die Musikwelt verliebt hast? 

Ich könnte gerade gar keine spezifische Platte nennen, aber ich weiß, dass der einzigartige Geschmack meiner Mom großen Einfluss auf mich hatte. Sie hat so ziemlich alles gehört. Jeden Tag so diverse Musik zu Hause zu hören war unglaublich wichtig für mich.

 

Deine Genre-übergreifenden Sets spannen Hip Hop, R&B, House und mehr. Gibt es DJs, die deine Arbeit besonders inspiriert haben?

Meine allererste DJ-Inspiration war eine enge Freundin aus Toronto: Nino Brown. Sie war eine der ersten weiblichen DJs, die ich in Toronto habe auflegen sehen, und ihre trinidadischen und pakistanischen Wurzeln scheinen sehr in ihrem Sound durch. Sie hat ein großartiges, musikalisches Gespür und war auch mein erstes Vorbild bezüglich Genre-Bending und Diversität in Sets.

 

Schaffst du selbst Musik mit der Ambition, Andere zu inspirieren? 

Meine Hauptambition ist glücklich zu sein, und das zu machen, was mich persönlicher Freiheit am nächsten bringt. Ich lege auf, weil ich Musik und ihre Macht leidenschaftlich liebe: die Geschichten, die sie erzählt und die Menschen, die sie zusammenbringen kann. Daneben denke ich, dass es meine Verantwortung ist, ehrlich und inklusiv zu sein. Ein gutes Beispiel dafür zu sein, wie man diese Macht nutzen kann, um Gleichbereichtigung in musikalischen Räumen zu schaffen.

 

Dafür plädierst du u.a. lautstark in deinem Artikel für Flare Magazine, As a Black Woman in 2018, My Creative Expression Is Still a Political Act. Was ist das Wichtigste, das du anderen Artists of Color nahelegen möchtest? 

Mein Rat für jeden Artist of Color ist kontinuierliche Selbstbefragung. Selbstbefragung ist der einzige Prozess, der dich zu deiner eigenen Wahrheit führt und externe, unterschwellige Richtlinien demontiert, die von unserer Gesellschaft kommen – da wir nur all jene Dinge machen, und all jene Dinge denken, von denen wir glauben, dass sie erlaubt sind.

 

Du teilst deine Leidenschaft auf verschiedenen Wegen: Du legst auf, du produzierst, du hostest eine eigene Partyreihe. Gibt es andere Tätigkeitsfelder, die dich außerdem reizen würden?

Ich könnte mir gut vorstellen, eine Lehrerin zu sein, wenn ich nicht auflegen würde. Ehrlich gesagt kam ich zu dieser Feststellung durch die DJ-Workshops, die ich veranstaltet habe. Und durch One-on-One-Sessions. Ich habe realisiert, dass es mich wirklich glücklich macht, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben, damit Andere sich wohler in ihrer Haut fühlen können. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Dinge Unzugänglichkeit vermitteln und denke, dass man stets auf die verschiedenen Lernstile Anderer eingehen muss.

 

 

Interview: Dieu Linh Nguyen Xuan
Bild: Agatha Powa

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