Filmtipp: Tangerine L.A. – Im goldenen Sonnenlicht von L.A.

vor 3 Jahren

Filmtipp: Tangerine L.A. – Transgender Sexarbeiterinnen im goldenen Sonnenlicht von Los Angeles.

„Merry Christmas, bitch!“: Es ist der Morgen des 25. Dezember, Sin-Dee Rella, frisch aus dem Knast entlassen, begibt sich auf eine 88-minütige Verfolgungsjagd, mit dem Ziel Freund und Zuhälter Chester wegen angeblicher Betrugsgerüchte zur Rede zu stellen und ihrer Gegenspielerin die Stirn zu bieten. Gefolgt wird Sin-Dee von ihrer besten Freundin Alexandra, die Sin-Dee Rella zu besänftigen versucht, ihrem wutentbrannten und entschlossenen Schnellschritt jedoch kaum folgen kann.

Der Film spielt in Los Angeles, zwischen Santa Monica und der Highland Avenue, direkt am inoffiziellen Straßenstrich des Viertels. Regisseur Sean Baker wollte den Drehort unbedingt dorthin versetzen, entwickelte jedoch erst im Nachhinein eine Story dazu. Mit geringem Budget und einem iPhone schaffte dieser trotz einfacher Mittel beeindruckende Bilder auf die Leinwand.

Tangerine L.A. ist auf den ersten Blick ein hektisches Arrangement, eine hitzige Verfolgungsjagd Sin-Dees, zwischen Schnipsen, Schnalzen und geballter Punchlines der Extraklasse (Zitat: „You didn’t have to chrisbrown the bitch“). Ein Schlagabtausch aus einer fast slapstickartigen Performance zwischen Sin-Dee, Alexandra und den Nebendarstellern, die Sin-Dee bei ihren Ermittlungen helfen sollen. Musikalisch untermalt wird die kraftvolle Leinwandpräsenz von donnernden Paukenschlägen, aufbauenden Streichern, gefolgt von animierenden Beats, was dem Film eine ungestüme Dynamik verleiht.

Auf den zweiten Blick taucht der Zuschauer jedoch in eine Geschichte atypischer Hauptfiguren ein, in den Alltag von transgender Sexarbeiterinnen in der City of Angels. Das soziale Gefälle der filmischen Kulisse zwischen dem Red-Light-District und dem glamourösen, unerreichbaren Hollywood könnte markanter nicht sein. Leuchtend ummantelt in warme Sonnenstrahlen, dazu das permanente Blaulicht der Polizeiautos, Palmenhaine und Betonlandschaften, ist Tangerine L.A. eine schöne Erzählung der intensiven sowie stürmischen Freundschaft zwischen Sin-Dee und Alexandra. Regisseur Sean Baker vermag es, trotz harter Sprüche, eine weiche und unterhaltsame Skizzierung zweier Individuen auf den Screen zu bringen, ohne jegliche Stigmatisierung oder Romanisierung.

Besonders schön: eine Episode aus der lebendigen Metropole L.A.’s vom armenischen Taxifahrer, den Prostituierten, transgender Lebenserfahrung, den Cops mit Kaffeebechern und zwielichtigen Diskothekenbetreibern. All diese, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, erhalten dank des gedämpften Lichteinfalls einen strahlenden Glanz, der wie ein sanfter Instagramfilter wirkt. Hypnotisierend in der untergehenden Sonne der Großstadt Kaliforniens.

Auf den Filmfestivals wurde der Film bereits zum Publikumsliebling gekürt und erhielt durchgehend positive Kritiken. Ab dem 7. Juli 2016 könnt ihr Tangerine L.A. in ausgewählten deutschen Kinos ansehen.

Tangerine L.A.
USA 2015, Kinostart Deutschland: 7. Juli 2016
Regie: Sean Baker
Bilder: Filmstill aus Tangerine L.A.
Beitrag: Samira Ghoualmia

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