Nachhaltiger laufen

vor 3 Monaten

Wem Allbirds noch kein Begriff ist, für den wird es jetzt Zeit. Seit 2016 stellt die amerikanische Schuhmarke schlichte Sneakers aus recyceltem Plastik und Naturmaterialien wie Eucalyptusfasern, Wolle und sogar Zuckerrohr her. Im Herbst launchte das Label nun auch ihren ersten deutschen Store in Berlin. CEO Joey Zwillinger erklärt Fräulein was das Unternehmen so besonders macht und wieso gerade Berlin das perfekte Match für die Marke ist.

 

Fräulein: Hallo Joey, schön dich kennen zu lernen!

Joey Zwillinger: Danke, ich freu mich auch.

Fräulein: Wie bist du zur Modeindustrie gekommen? Erzähl uns etwas von deinem Leben.

JZ: In den letzten 15 Jahren habe ich mich ausschließlich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und dabei in der Mode besonders viel Verbesserungsbedarf gesehen. Leider steht die Modeindustrie noch immer auf Platz drei unter den verursachenden Faktoren der Erderwärmung. Zunächst habe ich in kleine Unternehmen investiert, die ein nachhaltiges Projekt verfolgten. Dann habe ich sehr lange für ein Unternehmen gearbeitet, das umweltsensible Chemikalien produziert. Dadurch, dass ich berufsbedingt mit vielen großen Marken in Kontakt stand, hatte ich genauere Einblicke in die verschiedensten Produktionsprozesse. Da wurde mir klar, dass viele Marken, die vorgeben nachhaltig zu sein, es in Wirklichkeit gar nicht sind. Ich wusste aber auch, dass das nicht so sein muss, da es Technologien gibt, die es möglich machen, wirklich nachhaltig zu arbeiten. Es geht immer grüner, wenn man nur will. Zu dieser Zeit haben sich mein Co-Founder Tim Brown und ich drangesetzt und die Marke Allbirds gegründet.

Fräulein: Wie hast Du Tim kennengelernt?

JZ: Unsere Ehefrauen waren beste Freundinnen im College. Er kam mit der Idee von Allbirds zu mir nach San Francisco, weil er mit dem Business zuvor noch nie etwas zu tun hatte, da er bis dato ein neuseeländischer Profi-Fußballspieler war. Wir wussten direkt, dass unser Konzept funktionieren wird, denn es gab in der Schuhindustrie nichts Vergleichbares. Ein Angebot an nachhaltigen und gleichzeitig stylischen Schuhen war kaum vorhanden. Heute produzieren wir auch noch Socken und erweitern unser Angebot immer mehr. Mittlerweile sind wir in 18 Ländern vertreten und das Unternehmen expandiert weiter.

Fräulein: Erzähl uns mehr über den Schuh.

JZ: Das erste, worauf wir verzichten wollten, ist ein Logo auf den Schuhen. Die meisten Sneakerbrands setzen ihres riesig groß auf die Schuhe und benutzen den Käufer so als laufende Werbeanzeige. Wir konzentrieren uns stattdessen mehr auf die Funktionalität. Der Allbirds Schuh wirkt aus diesem Grund sehr simpel, ist jedoch ein sehr komplexes Produkt. Außerdem war es uns sehr wichtig, dass Allbirds für den modernen Großstadtmenschen überall tragbar ist. Das heißt Schuhe für die verschiedensten Anlässe bei jedem Wetter. Denn die Materialien, die wir für unsere Schuhe nutzen, sind nicht nur nachhaltig, sondern auch hochwertig. Wir verwenden beispielsweise Merino-Wolle, die eigentlich genutzt wird, um Anzüge herzustellen. Wir haben es jedoch geschafft diese Qualität für einen guten Preis anzubieten. Mittlerweile führen wir sowohl high-top als auch low-top Modelle.

Fräulein: Wo liegen die Schuhe denn preislich?

JZ: Der Preis für die Schuhe liegt zwischen 110€ und 145€, was für die Qualität, die wir bieten, sehr gut ist. Denn im Gegensatz zu den großen Marken produzieren wir nicht billig und verkaufen die Ware dann für einen möglichst hohen Preis, sondern wir achten bewusst auf hochwertige Stoffe und Materialien.

Fräulein: Wir sprechen sehr viel von Nachhaltigkeit. Achtet ihr auch auf Fairtrade?

JZ: Selbstverständlich! Die Art und Weise, wie wir produzieren, weicht, im Vergleich zu den großen Marken, sehr stark von der Norm. Wir haben nur eine kleine Anzahl an Produktionsstätten in Korea und China und stehen mit ihnen in engem Kontakt. Das heißt, dass wir uns mehrmals im Jahr dort umschauen, um uns selbst ein Bild von den Konditionen vor Ort zu machen.

Fräulein: Gilt das für Mensch und Tier?

JZ: Ja. Wir erfüllen die höchsten Standards für die Tierhaltung und für unsere Plantagen, denn unser Business-Modell erlaubt uns das: Wir können Slow-Fashion produzieren und können uns wirklich mit jedem einzelnen Produzenten befassen.

Fräulein: Kannst Du dir vorstellen über Schuhe hinaus auch anderweitige Mode herzustellen?

JZ: Natürlich. Wir haben Allbirds nie ausschließlich als Schuhmarke konzipiert. Das bedeutet, dass wir uns auch noch in anderen Bereichen weiterentwickeln können.

Fräulein: Wie passt Allbirds nach Berlin?

Joe Zwillinger: Die Berliner lieben Allbirds! Wir liefern unsere Schuhe schon seit Jahren hierher. Deswegen wussten wir auch, dass unser Store ein Erfolg sein wird. Nun haben wir endlich einen Shop in Mitte. Ich mag diese Gegend besonders, weil ich hier immer Inspiration finde. Die Menschen haben einen besonders künstlerischen und innovativen Geist. Viele arbeiten in einem lockeren Ambiente und beschäftigen sich mit ihrer Umwelt.

Fräulein: Was ist dein persönliches Ziel in der Zukunft?

JZ: Wir haben alle eine große soziale Verantwortung und wenn ich die Möglichkeit habe, etwas zum Umweltschutz beitragen zu können, dann lass ich mir das nicht nehmen. Also soll im Grunde alles so bleiben, wie es bereits ist.

Fräulein: Nenne für unsere Leser doch zum Schluss noch einmal fünf deiner Lieblingsbücher.

JZ: Cradle to cradle, The Alchemist, Siddharta, When breath becomes air und Tepper isn’t going out.

 

Bilder: Allbirds

Interview: Ann-Kathrin Lietz und Emiliya Daud

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