Poised to shine

vor 7 Monaten

Über die Magie von (rotem) Lippenstift und die erste Lipstick-Kollektion von Hermès.

Ich hatte schon immer eine Faszination für Lippenstifte, vermutlich durch meine Mutter. Es gibt bis heute keinen Tag, an dem sie ohne Lippenstift aus dem Haus gehen würde. Das klingt vielleicht oberflächlich, ist es aber nach ausführlicher Reflektion überhaupt gar nicht. Als Kind beobachtete ich sie oft neugierig, wenn sie sich schminkte – so wie es eben viele kleine Töchter tun. Am liebsten um es dann so gut es geht zu imitieren. Für meine Mutter ist der Prozess des Schminkens bis heute ein unglaublich wichtiges Ritual. Keine Uhrzeit um dafür rechtzeitig aufzustehen, könnte zu früh sein. Um ihren Lippenstift aufzutragen, hat sie sowohl Lipliner als auch Lippenpinsel benutzt. Das Auftragen von Lippenstift ist nämlich „eine meditative Kunst, die nur durch ständiges Üben gemeistert werden kann“. So bringt es zumindest Autorin Katja Eichinger für Numéro Berlin’s 10 Gebote auf den Punkt und ich stimme ihr zu hundert Prozent zu. Auch Jérôme Touron, Kreativdirektor für Hermès Beauty formuliert es recht zutreffend: „Die Beziehung einer Frau zu Zeit verändert sich ständig, ganz gleich an welchem Ort oder zu welchem Moment. Als eine Art Atempause, einen Moment der Selbstfürsorge und Pflege, sehe ich dieses Schönheits-Ritual als eine essentielle Geste.“

Doch nicht nur das Auftragen, sondern auch das Tragen von Lippenstift ist eine Kunst: es bedarf viel Geduld, Disziplin und ständige Aufmerksamkeit. Ob schief aufgetragene Silhouetten, peinliche Spuren vom Kaffeetrinken, nette Abdrücke auf den Zähnen oder auch einfach verschwundene Lippenstift-Farbe, die lediglich Spuren eines Lipliners hinterlässt – so, als würde man in den 90ern stehen geblieben sein – all das sind unsäglich peinliche Dinge, die eine Lippenstiftträgerin natürlich vermeiden möchte. Und dann gibt da noch diesen merkwürdigen Moment, wenn man weiß, man muss unbedingt seinen Lippenstift nachziehen. Doch weil nicht jeder dafür Verständnis hat, man oft als oberflächlich abgestempelt wird oder auch einfach, weil viele nicht mehr die Eleganz in dem magischen Moment erkennen, wenn sich eine Frau mit einem hübschen Spiegel ihre Lippen nachmalt, wird es situativ bedingt manchmal richtig unangenehm. Bei mir ist allerdings die Sucht in einem so fortgeschrittenen Status, dass es mich mittlerweile überhaupt nicht mehr stört. Ich schminke mir meine Lippen wann und wo auch immer nach, weil ich es einfach liebe. Im Gegensatz zu meiner Mutter allerdings gilt meine ganze Liebe dem roten Lippenstift, mit Pink konnte ich persönlich noch nie etwas anfangen. Vermutlich aufgrund meiner blonden Haare. Ich besaß als Kind einfach zu viele Barbies und war der festen Überzeugung, dass Aquas „Barbie Girl“ und auch Clueless’ Cher erstrebenswerte Beauty Looks trugen. Selbst wenn ich nicht wirklich bestreiten würde, dass roter Lippenstift von nur wenigen Frauen getragen werden kann, finde ich ihn magisch: er symbolisiert eine fast distanzierte, kalte Sinnlichkeit. Diesen Widerspruch liebe ich. Er ist so ikonisch, so mächtig, so sexy. Es ist dabei aber ganz und gar nicht einfach, das richtige Rot zu finden. Ganz davon abgesehen, dass einem bestimmte Farben zwar besonders ansprechen, muss der Ton zu Haut-, Augen- und auch Haarfarbe passen. Hinzu kommt die Herausforderung einen Lippenstift zu finden, der sowohl pflegend und cremig ist aber dennoch lange anhält, nicht zu glänzend und nicht zu matt ist, nicht zu groß aber auch nicht zu klein und dann – im Idealfall – ein außergewöhnliches Packaging hat. Damit man ihn ja behandelt wie ein kleines Schmuckstück.

Das französische Luxushaus Hermès hat das erstaunlicherweise extrem gut gelöst mit seiner ersten Lippenstift-Kollektion. Das fängt an bei einem unglaublich schönen Packaging: Die wiederbefüllbaren Cases kennzeichnet ein Zusammenspiel von Lacken, matten Tönen und gebürstetem Gold als „Zeichen von diskretem Luxus“. Auf dem goldfarbenen Magent-Verschluss findet man ein Siegel von dem 1923 von Émile Hermès gestaltetem Ex-Libris, der Signatur von Hermès. Er ist gewölbt wie ein Fingerabdruck. Die Lippenstifte werden so zu „Objekten, die sowohl funktional als auch poetisch sind, die man benutzen möchte und gleichzeitig auch behalten möchte“, so Pierre Hardy, Kreativdirektor von Hermès Schuhe und Schmuck. Und er hat Recht. Hinzu kommen Lederetuis mit integriertem Spiegel, ein Pop-up Lippenstift-Case mit besonderen Nähten und ein mondförmiger Spiegel, der an einem Lederband hängt. Dann die Farben: “Für uns, ist die Farbwelt eine Wissenschaft und eine schwindelerregende Leidenschaft. Wir arbeiten mit einer außergewöhnlichen und fast grenzenlosen Palette von 75.000 Farben“, so Bali Barrett, Artistic Director des Hermès Frauen-Universums. Die Lippenstifte kommen in 24 Farben, 10 matte und 14 mit Satin Finish. Die Zahl 24 hat ihren Ursprung in der traditionsreichen Adresse des französischen Unternehmens, der Rue Faubourg Saint Honoré. Preislich liegen die Modelle bei 62,00 Euro. All das ist natürlich ultimativer Luxus, anders könnte man es nicht beschreiben. Man möchte wissen, wie er sich anfühlt und wie es sich mit ihm lebt, auch wenn nur in Form eines Lippenstiftes.

 

Bilder: PR
Text: Sina Braetz

Rouge Hermès gibt es in 24 Farben und in nachfühlbaren Cases. Zudem gibt es Lippenpflegebalsam, Lippenpinsel, einen Universal-Lippenkonturenstift, Lip Shine und passende Accessoires 

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