Pose

vor 3 Monaten

Warum jeder die Hitshow auf Netflix gesehen haben sollte.

Schon seit 31. Januar ist die erste Staffel der Netflix Show „Pose“ als Stream verfügbar. Spätestens seit dem Oscar Look von Billy Porter in Christian Siriano ist klar, diese Serie ist nicht nur gut, sondern auch autentisch, „real“ und wichtig.

Die ersten acht Folgen von Pose spielen im New York der späten 80er Jahre und werfen einen tieferen Blick auf die so genannte „Ballroom scene“ eine in dieser Zeit entstandene Subkultur, in der queere Personen meist afro-amerikanischer Herkunft ein Zuhause fanden und gegeneinander in Kategorien wie „Face“, Body“ oder auch „Fashion“ antraten, um Trophäen zu gewinnen. Meist von ihren Familien auf Grund ihrer Sexualität ausgestoßen, hatten sie hier die Möglichkeit eine neue Welt zu finden und die Person zu sein, die sie auf der Straße nie sein konnten. Transfrauen traten unter anderem in der Kategorie „Realness“ gegeneinander an, in der es um die Glaubhaftigkeit des Geschlechts im wahren Leben geht. Viele der Teilnehmer dieser Balls leben in so genannten „Houses“, wo sie ein neues zu Hause finden. Ein Haus ist weniger das Gebäude, sondern die Familie mit der man zusammen lebt und auch antritt. Diese werden immer von einer mutter des Hauses angeführt, die ihren Kindern hilft, im wahren Leben Fuß zu fassen.

Jemand der Pose ansehen will, sollte dies auf alle Fälle in der originalen englischen Version tun, denn die Sprache und Ausdrucksweise aus der Ballroom Szene ist essenziell um zu verstehen, wie die Menschen und diese Kultur funktionieren. Begriffe wie „realness“, „work“ oder „living“ hört man nicht zu selten und sie bestimmen den Tenor von Pose.

Nach ihrem ersten Erscheinen im Juni 2018 bricht die Erfolgsserie, die auch schon unter anderem zwei Golden Globe Nominierungen verbuchen kann, alle Rekorde. Mit über 50 Transgender und LGBT Personen im Cast ist die Serie nicht nur ein Meilenstein der Gleichberechtigung, die seines gleichen sucht, sondern stellt auch die New York Subkultur, die mittlerweile auch nach Europa übergeschwappt ist, wahnsinnig glaubhaft dar.

Nach der mit dem „Grand Jury Prize Documentary“ nomierten Dokumentation „Paris is burning“ aus dem Jahr 1990 in der eben diese Szene genauer beleuchtet wurde, versucht Pose die Geschichten hinter all den Kostümen, dem Glitzer und Glamour zu erzählen. Brutal ehrlich wird gezeigt wie schwarze in den 80er Jahren darum kämpfen mussten, Arbeit zu finden, wie Transfrauen sich prostituieren mussten oder auch wie der HI-Virus Leben zerstörte.

Die zwischen 50 und 75 Minuten langen Episoden folgen vor allem dem House of Evangelista, geführt von Mutter Blanca, die als Transfrau ihr Geld nebenbei als Nageldesignerin verdient. Gemeinsam mit ihren „Kindern“, alle samt von ihren Familien ausgestoßene nimmt sie an den Voguing Wettbewerben teil und verdient sich nach und nach immer mehr Respekt in der Szene. Ohne zu viel verraten zu wollen, hat auch sie mit großen Problemen zu kämpfen, die das Leben ihr in den Weg stellt.

Warum Pose also so wichtig ist? Weil es die erste Serie dieser Art ist, sie brutal ehrlich, aber eben auch authentisch zeigt, was die Queere Community geprägt und verändert hat. Die SchauspielerInnen* sind alle echt, was bedeutet, dass sie auch in ihrem wahren Leben mit Themen wie Geschlechtsumwandlung, Homophobie oder auch Rassismus zu kämpfen haben. Jeder der also neugierig geworden ist, sollte Pose eine Chance gehen. Die zweite Staffel der Serie wurde von Netflix nach dem riesigen Erfolg bereits in Auftrag gegeben.

 

Text: Niklas van Schwarzdorn
Bild: PR

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