Summer in the City

vor 1 Monat

Wenn Jules von Hep den Raum betritt, scheint die Sonne

 

 

Eine Insel im Paradies. Kein geografischer Ort. „Isle of Paradise is a mental state of mind“, sagt uns Jules, Gründer der Marke mit ebendiesem Namen. Er hat uns zu einer Tanning Session in Berlin eingeladen. Doch neben der Vielfalt an Bräunungsprodukten, wird hier vor allem eines im großen Maße geboten: Positivity. Bereits beim Kennenlernen fällt die optimistische Art des momentan in London lebenden Jules auf. Mit seinen über zehn Jahren Erfahrung im Spray-Tanning ist er Experte auf dem Gebiet „Körper“. Das ist ihm auch ein besonderes Anliegen. Immer wieder treffe er auf Menschen, die sich schwer damit tun, den Körper, in dem sie stecken, zu lieben. Daran möchte Jules arbeiten. Er schrieb den illustrierten Get Body Posi Guide, unter Anderem zu finden auf der IoP-Website. Aus den teilweise selbst erlebten Erfahrungen leitet Jules die Leser*innen an, Selbstbewusstsein zu erlernen und das eigene Körpergefühl zu verbessern, Stichwort Body Positivity.

Im Interview erzählt Jules von seiner Reise zum Selbstbewusstsein, seinen Plänen für die Beautyindustrie und dem, was die Produkte von Isle of Paradise besonders macht.

Fräulein: Isle of Paradise ist der Name deines Unternehmens. Was bedeutet er für dich, woher kommt er und gibt es eine Geschichte dazu?

Jules: Isle of Paradise ist ein mentaler Zustand. Es ist kein tatsächlicher Ort. Es ist der Ort, den du fühlst, wenn du in den Spiegel schaust, wenn du getannt bist, dich selbstbewusst fühlst und glowy, wenn du komplett mit dir selbst verbunden bist. Das ist Isle of Paradise. Die Namensgebung begründet sich darin, dass ich Tanning genieße. Es ist ein Confidence Booster. Es sorgt dafür, dass du dich besser in deiner Haut fühlst. Aus welchen Gründen auch immer. Ob du mit deinen Freund*innen Wein trinken gehst, im Urlaub bist oder einkaufst. Du willst dich immer besser fühlen. Wenn dieses Produkt dabei hilft, ist das fantastisch.

Fräulein: Das ist ein toller Gedanke! Vor allem, da wir viel über Body Positivity gelesen haben, die du gerne verbreitest. Möchtest du uns mehr darüber erzählen?

Jules: Ja, gerne! Als professioneller Spray Tanner sehe ich jeden Tag in jeder Woche nackte Körper. Es hat mich wirklich erstaunt als ich mitbekam, wie jede*r Kund*in sich bei mir für den eigenen Körper entschuldigte. „Es tut mir leid, dass meine Haare so aussehen“ oder „Entschuldige meine Beine.“ Aber alles was ich sehe, sind wunderschöne Körper.

Wenn Leute zu mir zum Spray Tannen kommen, schminken sie sich ab, ziehen alle das gleiche Haarnetz über und haben keine Kleidung an. Und dann sehe ich sie, sehe, wer sie wirklich sind. Ihr Körper hat damit nichts zu tun. Der Zusammenhang zwischen ihm und dem Tan ist so offensichtlich für mich. Du bist nackt und du hast einen Tan. Das ist das Body Positivity Element, das ich sehe und dazu wollte ich mehr sagen. Mit Isle of Paradise möchte ich meine Position in der Branche nutzen, diese und die Art, wie sie mit Kund*innen umgeht, nachhaltig zu ändern. Es ist furchtbar. Die Beautyindustrie gibt dir das Gefühl, du seist nicht gut so, wie du bist, lässt dich schlecht über dich selbst denken. Warum sollten wir uns so fühlen? Warum werden wir nicht als schön angenommen? Ich habe das nie verstanden. 

Als wir dann Isle of Paradise gelauncht haben, wollte ich alles zeigen. Ich wollte genau das zeigen, was ich sehe, daher retuschieren wir nicht, wir haben Models mit ganz unterschiedlichen Körpern. Denn so sieht auch die Realität aus. Was im Moment in der Branche passiert, geht nur langsam voran. Daher brauchte es eine Marke wie Isle of Paradise, um etwas zu bewirken. Ich habe ein Buch über Body Positivity geschrieben, da ich so viele Menschen getroffen habe, die mit sich unzufrieden waren. Es beinhaltet Tipps und Tricks, die ich auf meinem persönlichen Weg gelernt habe und wie meine bisherigen Kund*innen und ich zu mehr Body Confidence gefunden haben.

Fräulein: Welche Tipps hast du denn? Jeden Tag sehen wir Models in sozialen Netzwerken und denken, „so bin ich nicht, jetzt fühle ich mich unwohl.“ Was hast du selbst erlebt und welchen Rat würdest du anderen geben?

Jules: Ich denke, der Schlüssel, um zu mehr Body Confidence zu gelangen, ist tatsächlich, den eigenen Körper als diesen wahrzunehmen und mit dem Geist zu verbinden. Niemand sucht sich aus, wie sein oder ihr Körper aussieht. Es ist eine Kombination aus der DNS deiner Eltern. Du bestehst physikalisch gesehen aus Zellen und Wasser. Wenn wir damit aufhören, unseren Körper als etwas zu sehen, das wir hassen wollen oder sollen, wird es viel einfacher und klarer. Außerdem ist es wichtig, sich nicht mit anderen zu vergleichen. Das Vergleichen ist die Ursache des ganzen Übels. Ich bin in diese Falle bereits einige Male getappt. Ständig dachte ich daran, wie gerne ich diese Arme oder diesen Po hätte und mir selbst gesagt, dass ich es nicht wert bin. Doch das ist nicht wahr.

Wie wir aussehen ist der am wenigsten interessante Teil von uns. Wir werden nicht über unsere Körper definiert. Nur, weil traditionelle Medien und Marken uns zeigen, dass ihre Models so aussehen sollen. Sollten sie nicht. Das ist nicht schön, nicht das, was wir auf der Straße sehen können. Schönheit ist eine unendliche Ressource, warum wird uns also dieses eine Bild vermittelt? Ich denke, wenn man einmal aufwacht und erkennt, dass dein Körper wunderbar ist, ganz egal, wie er aussieht, dann ist das der erste Schritt in Richtung Body Confidence. Das passiert nicht über Nacht und es gibt dafür keine Geheimformel. Du musst nur langsam deine Sicht auf die Dinge verändern.

Fräulein: Ist es deine persönliche Geschichte, die dich dabei inspiriert? Hast du weitere Inspirationsquellen?

Jules: Ja, ich habe eine schwierige Reise mit meiner eigenen Body Confidence hinter mir. Ich habe mich gehasst bis ich 26 Jahre alt war. Und selbst dann hat es noch nicht richtig klick gemacht bis ich 29 wurde. Jetzt bin ich 32. Ich hatte Essstörungen, habe mich selbst verletzt, Diäten versucht, weil ich mich mit anderen verglich. Es wurde erst besser als ich mit Spray Tanning angefangen und mit Prominenten arbeitete, die ich immer für perfekt hielt. Als ich diese sah, ist mir erst aufgefallen, dass sie einfach zufällig berühmt sind, sonst aber durchschnittliche Menschen sind wie du und ich. Es waren die verschiedenen Körper, die mich gelehrt haben, meinen eigenen zu akzeptieren. Ich dachte, ich habe Glück, einen solchen Blickwinkel auf das Leben zu haben, weshalb ich das gerne teilen wollte. Der ganze Hass auf den eigenen Körper – der ist es absolut nicht wert.

Die Inspiration für die Marke kam daher, dass ich selbst gerne Spaß habe, ehrlich und auch ein bisschen flirty bin. Ich mag es, einen schönen Tag zu haben. Das ist es, was Isle of Paradise ausmacht. Dabei geht es um mehr, als den Tan zu verkaufen. Es geht darum, dass Menschen sich großartig fühlen – das ist mein Anspruch.

Fräulein: Können wir also sagen, dass es nicht nur das Produkt ist, sondern vor allem eine Botschaft, die du mit auf den Weg geben willst?

Jules: Exakt! Ich will meine Plattform nur gut nutzen. Mit meiner Position will ich einen Wandel in der Branche bewirken.

Fräulein: Hast du den Eindruck, dass andere Marken dein Konzept nachmachen?

Jules: Ich hoffe es! Ich kann es ein wenig sehen. Aber ich bin sehr glücklich darüber, dass andere Labels unserem Beispiel folgen. Im Endeffekt möchte ich die Brand sein, die die Norm ist und nicht die Ausnahme. Isle of Paradise soll mit der Botschaft eine Veränderung bewirken. Und zudem auch für alle kommenden Generationen. Sie werden anders aufwachsen, sich nicht so fühlen wie wir. Es ist ein langsamer Prozess.

Fräulein: Findest du, es ist mehr ein Trend als eine Einstellung?

Jules: Ich denke, es ist bloß ein Trend, weil Menschen aufwachen und sich von der Beautyindustrie isoliert fühlen. Jetzt sagen sie Stopp. Es ist unbestreitbar, dass der gefilterte Content auf Instagram einen starken Einfluss darauf hat, genau wie Magazine früher. Doch heute können wir hinter die Kulissen blicken, in den Stories oder auf Snapchat. All das ist nicht mehr gefiltert, nicht mehr perfekt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Brands, Medien und Verkäufer*innen müssen einfach ihr Bestes geben. Das wird hoffentlich funktionieren.

Fräulein: Hoffen wir auch!

Jules: Es ist so erfrischend. Wenn ich traditionelle Kampagnen sehe, bleibe ich stehen. Ich kann es einfach nicht glauben, dass eine Marke das tatsächlich tut. Letztens ging ich an einem Laden vorbei, in dssen Werbung jedes Model dünn und weiß war. Ich dachte nur, „Was?“ Es war verrückt. Ich konnte es nicht fassen. Ich habe mich dumm gefühlt. Überhaupt keine Diversity.

 

Die einhundert Prozent vegane und tierversuchsfreie Marke basiert auf Kokosnuss-, Chiasamen-, sowie Avokadoöl. Dahingegen verzichtet wird auf beispielsweise Mineralöle, Gluten und Parabene. Außerdem sollen die Produkte Rötungen oder trockener Haut entgegenwirken.

Fräulein: Die Produkte sind alle vegan. Bist du selbst auch Veganer?

Jules: Viele meiner Freund*innen leben vegan, genauso wie meine Klient*innen. Und ich gebe mein Bestes, auch einer zu sein!

Außerdem funktionieren Tanning Produkte besser, wenn sie vegan sind. Brands versuchen ständig mit Seide oder Honig ihre Produkte zu vermarkten. Tatsächlich ist es so, dass der Tan besser wird, wenn auf das alles verzichtet wird. Es braucht schlichtweg keine tierischen Produkte.

Fräulein: Und die Produkte sind auch biologisch.

Jules: Ja. Alle Inhaltsstoffe im Tanning sind biologisch. Wir benutzen biologisches Avocado-, Chiasamen- und Kokosöl. Es ist pflegend für die Haut. Und Leute tannen sich einmal in der Woche. Wir sind auch clean, das bedeutet, keine Parabene, Mineralöle oder Sulfate.

Fräulein: Wir haben gelesen, dass es tatsächlich Clean Beauty genannt wird. Was heißt das?

Jules: Bei Clean Beauty sind keine Mineralöle im Produkt. Keine Phthalate, keine Parabene. Es gibt eine ganze Liste an Inhaltsstoffen. Besonders Sephora in den USA hat sehr strenge Richtlinien, wann etwas als Clean Beauty zählt. Wir haben die Kriterien sofort voll erfüllt. Es heißt grundsätzlich, dass wir nichts Unangenehmes in unseren Produkten haben.

Fräulein: Wo wir gerade über die Produkte reden. Worin liegt der Unterschied zwischen Tanning Water, Drops und Mousse?

Jules: Das Mousse ist eine schnell trocknende, schäumende Applikation, das mit dem Handschuh aufgetragen wird. Es ist sehr gut zum Kontrollieren des Tans. Du kannst damit praktisch auf deiner Haut malen. Mousse ist auch sehr gut für männliche oder unrasierte Haut, denn es geht wunderbar durch die Haarfollikel. Den Rücken zu tannen ist damit auch einfach, denn du kannst den Handschuh einfach umdrehen.

Das Tanning Water ist sehr feuchtigkeitsspendend, also hervorragend für trockene Haut. Gut, um auch das Gesicht alle paar Tage zu tannen. Ich habe mein Water im Kühlschrank. Da bleibt es schön kalt in dieser Jahreszeit. Water ist auch für den gesamten Körper sehr gut geeignet. Du sprühst es auf, verreibst es und wäschst dir nach Benutzung die Hände.

Drops sind für dich geeignet, wenn du deine Hautpflegeroutine liebst. Falls du schon viele Schritte hast, möchtest du nicht unbedingt noch einen hinzufügen. Die Drops können einfach in die Feuchtigkeitspflege gemixt werden. Sie sind ideal fürs Verreisen, für das Sportstudio und haben einen leicht glowy Finish.

Fräulein: Welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesetzt, sowohl für die Marke als auch privat?

Jules: So viele. Mit unseren Produkten möchte ich wirklich eine nachhaltige Veränderung in der Beautyindustrie bewirken. Ich möchte sehen, dass sie anders ist, inklusiv und das Thema Body Positivity unterstützend. Ich hoffe, dass die Menschen in der Industrie positiv und freundlich miteinander kommunizieren werden. Besonders im Retailbereich sollten wir uns nicht schlecht und unwohl mit unserem Körper fühlen müssen. Eines meiner persönlichen Ziele ist es, einen Ted Talk über Body Positivity und Confidence zu halten. Als Brand möchten wir professionelle Kurse anbieten, wie richtig getannt wird und wie Selbstbewusstsein erlernt und gestärkt werden kann.

Jedes Tanning Produkt, ob Isle of Paradise oder nicht, beinhaltet bestimmte Stoffe, ohne die es keine Reaktion mit der Haupt geben würde. Normalerweise sind diese nicht besonders schön für die Nase, aber bei Isle of Paradise haben wir den entsprechenden Geruch weniger stark wahrgenommen. Eher gegenteilig. Nach ein paar Minuten hat es sogar schön nach Pfefferminze gerochen.

Die Farbe entwickelt sich mit der Zeit. Nach dem Auftragen lohnt es sich daher zwischen vier und zwölf Stunden zu warten, um das finale Ergebnis bewundern zu können.

Alle Produkte sind bei Douglas und Asos erhältlich.

Interview: Maxine Thimm
Bilder: PR

Verwandte Artikel