Tampon-Steuer: Periode ist kein Luxus

vor 3 Wochen

Finanzielle Diskrimierung von Frauen? Aktivistinnen fordern nun eine Senkung der Steuer auf 7%.

Menstruationsprodukte werden als Luxusgüter hierzulande mit 19% besteuert. Dass Tampons, Binden und andere Hygieneprodukte in Deutschland in der Finanzpolitik als Luxus eingestuft und Trüffel, Kaviar oder Schnittblumen vergleichsweise unter den ermäßigten Steuersatz fallen, weil sie Gegenstände des täglichen Bedarfs seien, ist empörend und zugleich gesellschaftlich irritierend. Aktivistinnen sehen diese steuerliche Regelung als eine Diskrimierung gegen Menstruierende und setzen sich für die Senkung der Tampon-Steuer ein. Länder wie Australien, Irland, Kanada und Kenia machen schon vor, wie es möglich wäre, und haben die „tampon tax“ bereits abgeschafft. Auch in Deutschland verschaffen sich die Aktivistinnen Gehör. Die Diskussion rund um die Tampon-Steuer ist sogar eine Thematik im Bundestag.

Die Frauen stellen sich mit vollem Elan für die Herabsetzung ein und geben solange nicht auf, bis der Bundestag nachgibt. Angefangen hat die Debatte mit der Petition „Die Periode ist kein Luxus – senken Sie die Tamponsteuer“, die 2018 von den Studentinnen Nanna-Josephine Roloff und Yasemin Kotra gegen die hohe Besteuerung von Hygieneprodukten initiiert wurde. Die Petition richtet sich an das Finanz- und Familienministerium und verzeichnet aktuell 172.000 Unterschriften. Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier, die Gründerinnen von „The Female Company“ aus Stuttgart, arbeiten eng mit den Initiatorinnen zusammen und haben dank der hohen medialen Aufmerksamkeit für ihr Buch „The Tampon Book“, mit dem sie gegen die ungerechte Besteuerung von Tampons, Binden und allen anderen Hygieneprodukten für die Menstruation demonstrieren, persönliche Einladungen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke, CDU und FDP erhalten. Die Gründerinnen konnten die Politiker überzeugen und veranlassten, dass die Abgeordneten dieser Parteien öffentlich eine Senkung der Steuer von 19 auf 7% befürworteten. Daraufhin reichte Die Linke am 21. Mai 2019 einen Antrag zur Senkung der Tampon-Steuer im Bundestag ein. Infolgedessen muss das Thema nun im Bundestag diskutiert werden. Die FDP brachte das Thema bereits auf das Parteiprogramm 2019. Darüber hinaus konnte auch eine Petition des NEON-Magazins über 50.000 Unterschriften sammeln und wird ebenfalls im Bundestag eingereicht.

Das Unternehmen „The Female Company“, das Tampons aus Bio-Baumwolle herstellt, hat sich für den Verkauf ihres aufklärenden Buches zudem etwas äußerst Pfiffiges einfallen lassen. Da Bücher nur mit 7% besteuert werden, enthält das „Tampon Book“ 15 Bio-Tampons und geht so gegen die unsinnige und sexistische Regelung vor. Zudem gibt es sehenswerte Illustrationen und Wissenswertes rund um das Thema Menstruation, welches leider immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema ist. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Wirkung des Antrags und der Petitionen weiterhin entfaltet, die Forderung einer Senkung der Tampon-Steuer auch gesetzlich durchgebracht werden kann und ob ein möglicher Beschluss von den Unternehmen, welche die besagten Hygieneartikel auf den Markt bringen, wirtschaftlich im Verkauf umgesetzt wird.

Bild: Unsplash
Text: Yamur Cellik

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