Die Erinnerung an eine Ikone

vor 5 Jahren

Am 25. August 2016 hat Sonia Rykiel den Kampf gegen die Parkinson-Krankheit verloren. Knapp zwei Monate später folgte die erste Kollektion nach ihrem Tod.

Langsam und nacheinander reihen sich die Models auf. Nur mit einem Pullover bekleidet. Auf jedem ein Buchstabe. R.Y.K.I.E.L F.O.R.E.V.E.R. Ein Gänsehaut-Moment am dritten Tag der Pariser Fashion Week. Es ist die erste Show nach dem Tod der Königin des Stricks. Sonia Rykiel – Designerin, vor allem aber Ikone einer Ära in der Modewelt. Eine Hommage an die Frau, die es geschafft hat, dass sich Bequemlich- und Weiblichkeit nicht ausschließen müssen.

86 Jahre alt ist sie geworden. Knapp 30 davon entwarf sie für ihr gleichnamiges Label. Mode für die Frau – die gut aussieht, gleichzeitig aber unkonventionell ist und ungewollt wirkt. Kleidung, in der Frau sich wohlfühlt. Der Grund dafür, dass diese Strategie so gut funktioniert hat, liegt zwar auf der Hand, ist für viele Designer aber weltfremd. Sonia hat für sich selbst designt. Das, was ihr gefallen hat, wurde zur Kollektion. Die Wünsche, die sie an Pullover, Hosen, Kleider und Jumpsuits hatte, setzte sie um – und erreichte damit ein breites Publikum.

Angefangen hat alles in der Schwangerschaft mit ihrem Sohn. Sie brauchte einen bequemen Pullover mit guter Passform und viel, viel, viel Elastizität. Wer konnte es ihr geben? Niemand. Also krallte sie sich die Kontakte ihres Mannes, den Inhaber einer Pariser Boutique, und ließ sich etwas Passendes anfertigen. Aus einem Teil entstand ein mittlerweile fast fünfzigjähriges Traditionshaus. Modetrends und Regeln waren ihr egal. Kleidung sollte Spaß machen – und bei ihr hat sie das auch wirklich. Lachende Models stöckelten über den Laufsteg, die Kollektionen hatten eine Leichtigkeit, die das Publikum wieder und wieder begeisterten.

Bekannt geworden ist Sonia durch den bunten Ringelpulli, den sie in den Achtziger Jahren entworfen hat. Bis heute ist er ein modischer Klassiker – verspielt, aber zeitlos. Streifen gingen für sie immer, in jeder Variation – quer, längs, all-over. Déglingué lautete die zweite Etappe ihres Hype, der gar nicht mehr wegzudenken ist. Übersetzt bedeutet das unordentlich und gemeint sind offene Säume oder sichtbare Nähte. Stilmittel, die damals noch neu und radikal waren. Die damals den Puls der Zeit trafen, die breite Masse ansprachen und sich bis heute halten konnte.

Damit sind wir wieder bei der Kollektion auf der Pariser Modewoche. Die erste, nach Sonia Rykiels Tod. Eine Hommage. Julie de Libran, bereits seit zwei Jahren Chefdesignerin des Hauses, wusste jedoch, diesen Moment zu würdigen, die Königin des Stricks zu ehren. Die Kollektion war leicht und verspielt, wie Sonia es gemocht hätte. Die Muster spannend, aber nicht aufdringlich. Julie ließ die Säume an Oberteilen und Kleidern offen und zeigte plakativ weiße Nähte auf dunklem Grund. Sie hat die DNA verstanden und interpretiert sie neu. Und dann war da noch das große Finale. Eine Party. Den Spaß, den Sonia sich immer für ihre Mode gewünscht hatte. Unter Konfettiregen trugen Models den bunt gestreiften Pullover. Als Erinnerung. Die Erinnerung an eine Ikone, denn Strick und Streifen sind zu 100 Prozent Sonia.

Beitrag: Louisa Markus
Bilder: PR

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