Im Interview: Alaina Castillo

vor 4 Monaten

Ein Interview über den Lockdown, Songwriting und die spanischen Wurzeln der 19-jährigen. 

19-jährige Sängerin Alaina Castillo aus Houston in Texas veröffentlichte im April ihre zweite EP „The Voicenotes“, die sie zusammen mit dem Produzenten Sam Roman (besser bekannt als RØMANS) geschrieben und produziert hat. „Just a boy“ heißt ihre neueste Single, in der sie sich mit Gaslighting in Beziehungen und der Komplexität von Liebe beschäftigt.

Deine neue EP ist im April herausgekommen. Kannst du uns ein bisschen erzählen, warum du es „The voicenotes“ genannt hast?

Der Name der EP kam daher, dass die Sprachaufnahmen auf meinem Handy eine wichtige Rolle in meinem Songwriting Prozess gespielt haben. Bevor ich ins Studio gehe, nehme ich mit meinem Handy Gefühle, Ideen und Gedanken auf, die mich schlussendlich zu einem Song inspirieren oder sich sogar schon genau so anhören, wie der Song am Ende klingen soll. Diese intimen und verletzlichen Momente, in denen ich mich nicht zensiere, sondern ganz alleine mit mir und meinen Ideen bin, sind es letztlich, die mich zu meinen Liedern inspirieren.

Wie war es diesmal im Studio im Vergleich zu deiner ersten EP „Antisocial Butterfly“? Was hat sich zwischen damals und heute geändert?

Als wir „Antisocial Butterfly“, also meine erste EP aufnahmen, flog ich zwischen Texas und L.A. hin und her. Es war das erste Mal, dass ich im Studio war und ich musste mich erstmal an alles gewöhnen und mit der neuen Situation und meinen Gefühlen diesbezüglich umzugehen lernen. Für die „Voicenotes“ Aufnahmen, die in die Corona-Quarantäne fielen, blieb ich die ganze Zeit in RØMANS Haus in Los Angeles. Das war eine sehr intensive Erfahrung, denn im Grunde waren dort nur er und ich. Durch das Musikmachen entstand diese tiefe Verbindung zwischen uns. Bei der Aufnahme von „Voicenotes“ erlebte ich eine ganz neue Ebene der Verwundbarkeit in mir selbst, was aber auch produktiv und inspirierend war. Ich kann von mir sagen, dass ich mich als Schriftstellerin sehe, die ihre Geschichten zu Lieder macht.

Inwiefern hat die aktuelle Corona-Krise dich und deine Karriere betroffen? 

Bis jetzt war der Lockdown kaum ein Problem für mich. Aber nun freue ich mich wirklich wieder rausgehen zu können und Sachen zu machen, die meinen Alltag etwas aufmischen und wieder lebendiger machen. Aber ich muss sagen, dass die Quarantäne ehrlich gesagt ganz praktisch für die Studiozeit war. Ich war jeden Tag in einer Art „creative headspace“.

Deine EP „The voicenotes“ wurde auch in Spanisch herausgebracht. Warum war es für dich wichtig sowohl in Spanisch als auch in Englisch zu singen?

Ich wollte, dass „voicenotes“ in Spanisch und in Englisch erscheint, weil beide Sprachen zu meinem kreativen Prozess gehören. Außerdem kann ich so auch die Menschen erreichen, die weder Englisch oder Spanisch sprechen. Aber ehrlich gesagt lerne ich Spanisch noch immer, weil mein mexikanischer Vater nicht Spanisch mit mir geredet hat. Aber ich sehe mich trotzdem als Latina und bin stolz darauf. Und ich muss sagen, dass es wunderbar ist, in Englisch und in Spanisch zu singen. Es ist mir wichtig die Schönheit beider Sprachen zeigen zu können.

Kannst du ein bisschen erzählen wie dein Songwriting Prozess abläuft? Woher bekommst du deine Inspirationen? 

Normalerweise fangen RØMANS und ich mit einer Melodie oder einer Idee für einen einzelnen Song an und probieren so lange herum, bis wir eine Vorstellung davon haben, wie der Song klingen soll.  Dann entstehen gleichzeitig Bilder und Szenarien in meinem Kopf, über die ich schreiben will. Und ich versuche dann diese Stimmungen in einen Song zu bringen. Ich will, dass die Menschen, die meine Songs hören, auch die Story verstehen, die ich versuchen möchte rüberzubringen.

Auf welchen Song bist du besonders stolz?

Ich bin besonders stolz auf meinen Song: „Ocean waves“. Der Liedtext hat so viele verschiedene Bedeutungen und ist meiner Meinung nach super komplex. Auf der einen Seite einen gibt es eine dunkle Stimmung und auf der anderen Seite ist der Song auch sehr lebensfroh und lebendig.

Du hattest bereits in der Highschool deinen eigenen YouTube Kanal. Was waren damals deine Gründe auf YouTube aktiv zu werden und was waren deine Erwartungen?

Ich habe meinen YouTube Kanal während meines ersten Highschool-Schuljahres gestartet, weil ich meinen Träumen folgen wollte, aber ich hörte nach ungefähr sechs Videos auf. Erst zwei Jahre später – ich war in der elften Klasse – nahm ich meinen Youtube Kanal wieder auf.  Ich befand mich damals in einer wirklich schlechten Phase meines Lebens und erkannte, dass ich etwas tun musste, was mich glücklich macht. Daher beschloss ich wieder Coverversionen von meinen Lieblingsliedern zu machen und diese auf Youtube zu stellen. Ich wusste von Anfang an, dass ich wirklich Musikerin werden will und ich mich von niemandem würde aufhalten lassen. Doch niemals hätte ich damals gedacht, dass der Erfolg so schnell kommen würde und dass ich schon jetzt da sein würde, wo ich heute bin. Ich bin einfach so super dankbar, dass alles genau so gekommen ist.

Du hast einen privaten Instagram Account für deine Fans. Wie wichtig ist es für dich mit deinen Fans über Social Media zu kommunizieren?

Meine Fans waren von Anfang an für mich da und ich möchte ihnen immer wieder zeigen, dass ich für sie da bin. Ich möchte, dass sie immer wissen, wie dankbar ich für sie bin. Ich mache Musik, um mich selbst besser zu verstehen und um mir selbst zu helfen. Aber ich mache meine Songs auch, um für meine Fans da zu sein und ihnen etwas zu geben, dass sie glücklich macht.  Und ich möchte, dass meine Fans wissen, dass ich ihre Unterstützung niemals für selbstverständlich halten werde.

Abgesehen von der Musik, was macht dich sonst noch glücklich?

Ich liebe es draußen Zeit zu verbringen, ich liebe das Meer, die Sterne und Urlaub in einsamen Gegenden zu machen. Hier in L.A. verbringe ich auch viel Zeit damit meine Familie in Texas anzurufen, weil ich sie so vermisse. Momentan – wie wahrscheinlich alle Menschen in dieser Corona-Krise – schlafe ich auch sehr viel und schaue Serien auf Netflix.

Momentan lebst du in L.A.. Hoffst du, dass du bald zurück kannst nach Houston oder willst du in Kalifornien bleiben? 

Ich hoffe, dass sobald die Situation wieder etwas mehr unter Kontrolle ist, ich auch wieder zurück nach Houston reisen kann, um meine Familie zu sehen. Mittlerweile habe ich sie seit 6 Monaten nicht gesehen und dich wünsche mir so sehr, sie wieder umarmen zu können.

Abgesehen von der aktuellen Corona Situation, was hält 2020 noch so bereits für dich?

Ich habe ja jetzt gerade erst mein zweites Album auf Spanisch beendet, was mich sehr glücklich macht. Aber ich habe so viele weitere Ideen, also werde ich wohl bald wieder mit Rømans im Studio weiterarbeiten. Vielleicht klappt es ja sogar noch neue Songs im Laufe des Jahres zu veröffentlichen. Ich hoffe es sehr!

Interview: Maleen Harten

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